Unfall-Drama Zug fuhr seinen Fuß ab: Junge verklagt die Bahn

Er wollte Profi-Fußballer werden. Doch diesen Traum musste Christoph (17) nach seinem Unfall begraben. Tapfer stellte sich der Gymnasiast gestern der Verhandlung. Foto: News5

NÜRNBERG Seit letzten Februar ist für Christoph nichts mehr wie es war! Fußball-Profi wollte der 17-Jährige werden. Doch nach dem furchtbaren Unglück am Aschermittwoch 2010 musste er diesen Traum begraben. Seinen linken Fuß hat er für immer verloren. Die Bahn soll dafür bezahlen.

 

Rückblick: Der damals 16-jährige Gymnasiast war mit Freunden unterwegs. Die Fünfer-Clique hatte in Nürnberg in einer Disco gefeiert. In Reichenschwand bei Nürnberg wollten sie bei einem von ihnen übernachten. Sie nahmen den letzten Zug.


Dann geschah es: Von den anderen unbemerkt, rutschte Christoph plötzlich aus und stürzte auf die Gleise. Sein Freund Philipp schrie noch: „Zieh’ die Füße weg, der Zug kommt!“ Doch Christoph hatte keine Chance mehr. Der Zug erfasste ihn – und trennte ihm den Fuß ab.


Die Schuld an der Tragödie gibt die Familie der Bahn. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe es zu der damaligen Winterzeit sträflich versäumt, den Bahnsteig ordentlich zu räumen. Nicht einmal Salz soll gestreut gewesen sein! Nur deshalb sei der Schüler auf dem spiegelglatten Weg weggerutscht. 60.000 Euro Schmerzensgeld wollte die Familie für das erlittene Leid.

"Die Bahn hat zunächst nicht nur alle unsere Ansprüche abgeblockt"


Die Bahn aber dachte nicht daran zu zahlen! Im Gegenteil: Sie konnte von ihrer Seite kein Verschulden feststellen – versuchte es stattdessen sogar dem Jungen unterzuschieben. Christophs Anwalt Harald Volkert: „Die Bahn hat zunächst nicht nur alle unsere Ansprüche abgeblockt. Sondern sie hat auch noch versucht, Christoph als Rüpel darzustellen, der einfach zu viel gesoffen habe – und deshalb selbst Schuld an seinem Unglück sei.“ Der Verteidiger ärgert sich: „Eine Gemeinheit, nach allem, was er durchgemacht hat. Und schlicht nicht wahr!“


Christoph hat eine harte Zeit hinter sich. Nach dem Unfall lag er tagelang auf der Intensivstation. Er musste sogar ins künstliche Koma versetzt werden. Die Ärzte versuchten alles, um seinen Fuß wieder anzunähen. Doch nach sechs OPs und langem Hoffen und Bangen hatte die Familie die schreckliche Gewissheit: Der Fuß war nicht mehr zu retten, musste komplett amputiert werden. Seither versucht Christoph, mit seinem Schicksal zu leben.


Am Dienstag dann die gute Nachricht! Das Gericht gab ihm tatsächlich recht: „Die Bahn hat ihre Verkehrssicherheitspflicht verletzt, dadurch den Unfall verursacht“, so das Urteil. Das Unternehmen soll nun 35.000 Euro zahlen und für Folgeschäden aufkommen. Die ganze Schadenssumme wurde der Familie nicht zugesprochen. Grund: Der Junge hätte bei den Wetterverhältnissen selbst verstärkt auf den Weg achten müssen. mp

 

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