Unermüdlicher Frauenheld Brigitte Fassbaender über Plácido Domingo: "Vor seinen Avancen war keine sicher"

Brigitte Fassbaender mit Plácdio Domingo in Kurt Horres’ Inszenierung von Jules Massenets Oper „Werther“ im Nationaltheater (1978). Foto: Sabine Töpffer/Bayerische Staatsoper

In ihren Erinnerungen schreibt Brigitte Fassbaender, wie sie sich gegen Plácido Domingo wehrte

 

Mehrere Sängerinnen haben Plácido Domingo - im Zuge der "MeToo"-Bewegung gegen sexistisches und sexuell übergriffiges Verhalten einflussreicher Männer - teils Jahrzehnte zurückliegende Übergriffe vorgeworfen. Nach einer ersten Medienberichten Mitte August hatte der spanische Sänger die Vorwürfe sexueller Übergriffe zurückgewiesen. Zuletzt sagte der Sänger in den USA mehrere Auftritte ab.

In ihren soeben erschienenen Erinnerungen "Komm' aus dem Staunen nicht heraus" berichtet die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender über Proben mit Plácido Domingo im Nationaltheater. Dort stand sie mit ihm 1978 in Jules Massenets "Werther" auf der Bühne. Der Kollege habe sie zwar nicht im engeren Sinn belästigt, ihr aber doch recht aufdringlich nachgestellt.

"Domingo war verschrien als unermüdlicher Frauenheld, er flirtete mit jedem weiblichen Wesen, das ihm unter die Finger kam. Vor seinen Avancen war keine sicher", schreibt Fassbaender. "Seine fruchtlosen Bemühungen um mich während der Proben müssen für ihn, den in jeder Beziehung Erfolg Gewohnten, ziemlich anstrengend gewesen sein", so Fassbaender in ihrem Buch, das sie schrieb, ehe die aktuellen Vorwürfe laut wurden.

Domingo hat die Kussszene ausgenutzt

Die Sängern ging mit Domingo Essen und hielt ihn "bei Laune, aber auf Abstand. Danach fuhr ich ihn schnurstracks in sein Hotel zurück, ließ ihn aussteigen und brauste davon. Gegen die Kussszene in ,Werther’, die er jedes Mal triumphierend ausnutzte, konnte ich mich auf offener Bühne nicht wehren."

Fassbaender verliebte sich in den Regisseur Kurt Horres, was dieser nicht ausnutzte. Er "blieb dezent und nobel, und wir kamen überein, dass er ein treubleibender Ehemann zu sein hatte."

Sängerinnen waren, das wird aus Fassbaenders Erinnerungen deutlich, vor 40 Jahren Freiwild im Revier der musikalischen Platzhirsche. Ein "Nein" konnte sich karriereschädigend auswirken. Über den Dirigenten Georg Solti heißt es in dem Buch, er sei ein "krasser Fall der Machtausnutzung" gewesen und hätte "heute im Zeichen der #MeToo-Bewegung kein leichtes Leben". Er habe Sängerinnen, die ihn erhört hätten, weiße Pelze geschenkt. "Es gab unzählige Besitzerinnen weißer Pelze in Soltis Umfeld." Auch Brigitte Fassbaender führte er vor ein Pelzgeschäft. Sie lehnte das Angebot aber ab.

 

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