Unbegründet verschrieben? Münchner Cannabis-Doc im Visier der Ermittler

Rolf Müller in seiner Praxis am Maximiliansplatz. Foto: Stephan Rumpf, AZ

Rolf Müller (64) ist einer der gefragtesten Cannabis-Ärzte in Deutschland. Nun hat er massiven Ärger mit der Staatsanwaltschaft.

München - Deutschlands Cannabis-Arzt Nummer 2 ist schwer zu erreichen in diesen Tagen. Das Telefon in der Praxis von Rolf Müller beantwortet niemand, ein Anrufbeantworter ist nicht eingeschaltet.

Der Arzt für Naturheilverfahren hat massiven Ärger mit der Staatsanwaltschaft. Vor wenigen Wochen stand die Polizei unangemeldet vor der Tür. Die Ermittler durchsuchten seine Praxis und seine Privaträume und nahmen sämtliche Patientenakten mit.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Mediziner, gewerbsmäßig Cannabis an Patienten verschrieben zu haben, obwohl es dafür keine "ärztliche Begründetheit" gab. Oberstaatsanwältin Anne Leiding zur AZ: "Der Beschuldigte handelte unserer rechtlichen Auffassung nach in der Absicht, sich hierdurch eine Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang zu verschaffen."

Teilweise mehr als 80 Cannabis-Rezepte am Tag?

An einem einzigen Tag soll Rolf Müller 85 Menschen unerlaubt medizinisches Cannabis verschrieben haben. An einem anderen Tag 80 Patienten.

Der Arzt weist die Vorwürfe zurück. Zur AZ sagte er gestern: "Das ist die persönliche Rache eines früheren Mitarbeiters. Die Vorwürfe sind völlig an den Haaren herbeigezogen."

Er habe einem Sekretär gekündigt. Dieser habe gedroht, ihn "fertigzumachen".

Seit März 2017 dürfen Mediziner in Deutschland schwerkranken Patienten medizinisches Cannabis verschreiben. Doch nach wie vor gibt es nur wenige, die dies auch wirklich tun.

Wenn Patienten keine Kassenärzte finden, weichen sie auf Privatärzte wie Rolf Müller aus. Der Münchner ist Arzt für Naturheilverfahren, Patienten empfängt er in seiner Praxis am Maximiliansplatz.

Bis zu der Gesetzesänderung war der 64-Jährige spezialisiert auf die Therapie mit Bachblüten und Spagyrik, eine Arzneimittelherstellung nach den Regeln der Alchemie. "Dann kam die Cannabis-Geschichte über mich", sagt er. Innerhalb von wenigen Monaten wurde Müller zu einem der meistgefragten Cannabis-Ärzte in Deutschland.

Cannabis-Arzt: Verschreibung erfolgte nach strengen Vorgaben

Nach eigenen Angaben bekam er innerhalb eines Jahres über 500 neue Patienten. Folgerezepte stellt er mittlerweile nur noch samstags aus. 28 Termine à 15 Minuten vergibt er pro Tag. Die Patienten müssen dafür 60 Euro zahlen - in bar. Für eine Erstanamnese verlangt er 150 Euro. Die Kosten werden von den Kassen meist nicht übernommen.

Noch mehr Rezepte als Rolf Müller soll deutschlandweit nur ein Cannabis-Aktivist und Mediziner in Nordrhein-Westfalen ausgestellt haben.

Rolf Müllers Patienten leiden unter chronischen Schmerzen, an Krebs oder ADHS. Auf seinen Internetseiten informiert er, dass sie ihren aktuellen Gesundheitszustand mit Dokumenten von ihren Fachärzten belegen müssen. "Die Verschreibung erfolgte nach strengen Vorgaben, niemals ungerechtfertigt", gab der Arzt in einer Stellungnahme bekannt.

Auch zu den Kosten äußert er sich: Seine Preise seien "so gering wie möglich angesetzt worden". Andere Privatärzte würden für die Erstanamnese bis zu 450 Euro verlangen.

 

46 Kommentare

Kommentieren

  1. null