Unabhängigkeit Bayern könnte es allein - und Franken auch

Schottland als Inspiration für ein unabhängiges Bayern. (Symbolbild) Foto: imago

Die Schotten stimmen über ihre Unabhängigkeit ab. Auch Bayern wäre stark genug, wieder ein eigenständiger Staat werden. Ein Problem: In Bayern gibt es nicht nur eine, sondern zwei Unabhängigkeitsbewegungen.

 

München - Schottland und Bayern haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: Beider Länder Farben sind weiß-blau. Zwar ist das schottische Blau dunkler geraten als das bayerische Himmelblau, doch gibt es noch andere Verwandtschaftsmerkmale. Derzeit inspiriert das schottische Referendum die Unabhängigkeitsbewegten im Freistaat. Doch dabei gibt es eine bayerische Sondersituation: Die Bayernpartei würde sich gerne von Deutschland abspalten - und die fränkische Unabhängigkeitsbewegung von Bayern.

Obwohl außerhalb der bayerischen Landesgrenzen gern verlacht, wäre eine Unabhängigkeit Bayerns von Historie, Territorium, Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft her gut vorstellbar. Bayern ist älter als Deutschland und hat eine über tausendjährige eigenstaatliche Tradition, die erst der angebliche Märchenkönig Ludwig II. vor knapp 150 Jahren aufgab. Bayern hat mit über 12 Millionen Einwohnern eine größere Bevölkerung als Österreich oder die Schweiz und ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen der Welt.

Doch anders als in Schottland ist die bayerische Unabhängigkeitsbewegung schwach - und geteilt. "Wir würden ein solches Unabhängigkeitsreferendum in Bayern ausdrücklich begrüßen", sagt Florian Weber, der Vorsitzende der Bayernpartei. "Auch wenn eine Mehrheit dafür momentan nicht vorstellbar ist. Da muss man realistisch sein."

Weber hofft aber, dass die schottische Abstimmung der Bayernpartei hilft: "Früher sind wir immer verlacht worden. Inzwischen lachen da sehr viel weniger."

Doch Bayern ist nicht gleich Bayern. Ein Teil der bayerischen Bevölkerung fühlt sich bis heute nicht zu Bayern gehörig. Ein unabhängiges Bayern wäre mutmaßlich sofort mit einer fränkischen Unabhängigkeitsbewegung konfrontiert. Die fränkische Zwangsvereinigung mit Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben manche bis heute nicht verschmerzt.

Der Fränkische Bund strebt zwar keine Unabhängigkeit, aber zumindest ein eigenes Bundesland an. "Ein eigener Staat war noch nie unser Thema", sagt Vorstandsmitglied Jochen Pfeuffer. Doch würde eine ernsthafte Debatte über eine Unabhängigkeit Bayerns ohne Zweifel auch die fränkischen Separatisten beflügeln. So gibt es neben dem Fränkischen Bund noch andere Gruppen fränkischer Patrioten.

Auch Franken allein wäre lebensfähig und mit über vier Millionen Einwohnern immer noch beträchtlich größer als das respektable EU-Mitglied Slowenien. Sollte Bayern jemals unabhängig werden, würde es daher in Franken "mit Sicherheit Stress geben", sagt daher Joachim Kalb, ein Mitglied des Fränkischen Bunds.

Vielen Bürgern der Bundesrepublik ist nicht bewusst, dass sie ein nur einige Jahrzehnte zurückliegendes Beispiel für die Loslösung von Deutschland in unmittelbarer Nachbarschaft vor Augen haben: Österreich. Es ist noch keine 100 Jahre her, dass die provisorische Nationalversammlung in Wien nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 freiwillig und mehrheitlich - mit den Stimmen der Sozialdemokraten - erklärte, Deutschösterreich sei "Teil der Deutschen Republik". Dieser Beschluss wurde aber von den Siegermächten nicht akzeptiert.

Den Ausschlag für die endgültige Loslösung gab dann nicht ein friedliches Referendum, sondern der "Anschluss" durch Hitler 1938, der Zweite Weltkrieg und die anschließende Besatzung 1945 durch die Alliierten.

Egal, wie das schottische Referendum ausgeht: Sowohl bayerische als auch fränkische Separatisten erhoffen einen Nutzen für die eigene Sache. "Wir Franken können einiges davon lernen", sagt Kalb. "Die ganzen englischen Politiker kriechen zu Kreuze und versprechen Verbesserungen, um die Schotten umzustimmen. Wenn wir uns in Franken mehr rühren, könnten wir schon etwas für uns rausholen."

 

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