"Umvolkung", "Notwehr", "Teddybär-Refugees" Festerling-Rede: Pegidas hässliches, rechtsextremes Gesicht

Pegida-Anhänger bei der Kundgebung am 22. Februar 2016. Foto: dpa

Die Rede von Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling  war der Höhepunkt des sogenannten Montagsspaziergangs am 22. Februar. Sie offenbarte, wie sehr das Bündnis vom konservativen ins offen rechtsextreme Lager abgeglitten ist.

 

Dresden – Es war Festerlings Lob und Verständnis für den braunen Mob von Clausnitz, das schon bald nach der Rede für Empörung sorgte. Die ehemalige Redakteurin, die so gerne über die Lügenpresse schimpft, begann ihren Vortrag direkt mit einer Klarstellung: "Ich stelle mich voll und ganz hinter die Clausnitzer."

Sie spricht von Bürgern, die "ihr Recht auf freie Meinungsäußerung" in Anspruch genommen hätten und bezeichnete die Insassen des Busses als "Teddybär-Refugees". Immer wieder von "Clausnitz, Clausnitz" oder "abschieben, abschieben" Sprechchören unterbrochen, spottete sie über die verängstigten Kinder: "Wer gerade angeblich schwerst traumatisiert aus Kriegszonen kommt, der wird mit Menschen, die 'Wir sind das Volk' rufen, locker fertig."

Doch es sind nicht allein diese menschenverachtenden Äußerungen, die Festerlings Rede so unerträglich machen. Wer sich die kompletten 24 Minuten anhört, bekommt einen verstörenden Einblick in ein Weltbild voller Paranoia, Fremdenhass und Volksverhetzung.

Info

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Tatjana Festerlings Pegida-Rede

Bei ihrer Rede anlässlich der Pegida-Kundgebung am 22. Februar 2016 in Dresden offenbarte Tatjana Festerling Fremdenhass, Paranoia und verfassungsfeindliche Tendenzen. Lesen Sie hier ihre Aussagen im Wortlaut.

 

Festerling über Protestaktionen wie in Clausnitz:

"Wie sollen sich Bürger gegen die aufgezwungene GroKo-Merkel-Umvolkungspolitik zur Wehr setzen?"

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über Strafverfolgung

"Muslimische Verbrecher werden geschützt, für gewaltfreie, patriotische Deutsche gibt es keine Gnade"

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über die Proteste in Clausnitz

"Ich habe Verständnis und respektiere den Mut der Bürger. Denn es sind Bürger, die Verantwortung für ihr unmittelbares Lebensumfeld übernommen haben."

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über die Demonstranten von Clausnitz

"Es sind Bürger, die damit rechnen müssen, im Auftrag der Regierung von einem gewalttätgien Antifa-Mob niedergeprügelt zu werden."

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über Proteste wie in Clausnitz

"Es ist Notwehr. Es ist Notwehr gegen einen ignoranten, volksentfremdeten Staat, der sein Staatsvolk nicht mehr schützt, sondern dem Zerfall preisgibt."

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über Proteste wie in Clausnitz

"Es ist das sich Aufbäumen gegen die sich etablierende Diktatur einer post-demokratischen BRD."

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über Zuwanderung

"Für das politische Umvolken gibt es keine politische Legitimation."

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über angeblich als Waffe eingesetzte Kindertränen

"Im September, in Ungarn, beim Angriff an der Grenze zu Serbien. Auch da haben skrupellose Invasoren nicht gezögert, ihre Kinder über den Nato-Drahtzaun zu werfen, um sich den Weg auf ungarisches Territorium und damit den Weg nach Germany freizuerpressen."

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über verängstigte Flüchtlinge

"Glauben wir ernsthaft, diesen Kampf gegen einen uns überrollenden, verrohten Islam ohne Kindertränen gewinnen zu können?"

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über angebliche Gefahren für unsere Kinder

"Welche Kindertränen sind uns eigentlich wichtiger, welche sind uns näher? Die heimlichen Tränen unserer Söhne, die von muslimischen gleichaltrigen auf Schulhöfen gemobbt, gedemütigt und erniedrigt werden? Die artig und devot ihr Smartphone und ihre Markenklamotten abgeben müssen? Die nicht mal mehr von den Lehrer geschützt werden können? Oder die Tränen unserer Mädchen, unserer Töchter, die in Schwimmbädern bedrängt, begrapscht oder sogar gewalttätigt zu sexuellen Handlungen gezwungen werden? Interessieren die Kindertränen eigentlich auch bei der anstehenden Legalisierung der Kinderehe? Oder berühren sie uns nicht, weil sie im Verborgenen geweint werden? Wenn sie zehnjährige Mädchen vergießen, die von alten Muslimen geheiratet werden?"

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über Zuwanderung

"Die Turbo-Islamisierung unseres Landes"

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über Fremdenfeindlichkeit

"Ich verstehe, dass man das Fremde ablehnt, wenn es aus einer islamisch geprägten, verrohten Kultur kommt, die mit unserer aufgeklärten, freiheitlichen Kultur nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Ich halte es sogar für ein sehr gesundes, ein lebenssicherndes Verhalten."

Tatjana Festerlings Pegida-Rede Festerling über den Nationalstaat

"Wobei die Frage nach der Größe noch zu klären ist. Die Therapie, die Heilung, eine Gesundung der Gesellschaft, kann nur in kleinen Gruppen erfolgen. In Gemeinschaften, in denen ein identitärer Grundkonsens gebildet werden kann. Für Sachsen sehe ich da gute Chancen. Sogar die besten Voraussetzungen. Denn nirgendwo sonst sehen wir eine gesündere, intaktere, selbstbewusstere Zivilgesellschaft, die souverän und auf Augenhöhe mit möglichen Partnern verhandeln kann. Für die anderen Bundesländer, vor allem die im Westen, sehe ich langsam schwarz."

von

So spricht Festerling von einer "großangelegten Umvolkung, Invasion, Transformation" durch "einen uns überrollenden, verrohten Islam", die von der Bundesregierung betrieben werde. Aktionen wie in Clausnitz seinen "das sich Aufbäumen gegen die sich etablierende Diktatur einer post-demokratischen BRD".

Festerling unterstellt, dass Flüchtlinge "Kindertränen", wie im Bus von Clausnitz, immer wieder gezielt "als Waffe einsetzen": "Im September, in Ungarn, beim Angriff an der Grenze zu Serbien. Auch da haben skrupellose Invasoren nicht gezögert, ihre Kinder über den Nato-Drahtzaun zu werfen, um sich den Weg auf ungarisches Territorium und damit den Weg nach Germany freizuerpressen."

Sie versteht, "dass man das Fremde ablehnt" und hält dies sogar "für ein sehr gesundes, ein lebenssicherndes Verhalten". Dann fabuliert Festerling über eine "anstehende Legalisierung der Kinderehe" und sorgt sich um "unsere Söhne", die "artig und devot ihr Smartphone und ihre Markenklamotten abgeben müssen".

Zuletzt plädiert die Pegida-Cheffin sogar für eine Neuordnung der Bundesrepublik Deutschland. Die Zukunft liege zwar im Nationalstaat, "wobei die Frage nach der Größe noch zu klären" sei. Sie spricht von "Gemeinschaften, in denen ein identitärer Grundkonsens gebildet werden kann" und sieht dabei "für Sachsen [...] gute Chancen, sogar die besten Voraussetzungen". Für die anderen Bundesländer "vor allem die im Westen" sieht Festerling in ihrer neuen Republik allerdings "langsam schwarz".

Lesen Sie alle Aussagen von Tatjana Festerling hier im Wortlaut:

 

44 Kommentare