Umstrittene Gedenkstätte Nazi-Grab auf der Fraueninsel wird ein Fall fürs Gericht

Der (Grab-)Stein des Anstoßes. Foto: AZ

Der Eigentümer will die umstrittene Gedenkstätte von Familie Jodl behalten – trotz abgelaufener Frist.

 

Übersee - Ein Grab ohne die passende Leiche dazu ist ein Problem. Zum Politikum wird es, wenn es um einen Nazi-Kriegsverbrecher geht – und zu einem juristischen Streit, wenn der Grabeigentümer die Vergangenheit ausblendet.

Alfred Jodl war Generaloberst und Hitlers Militärstratege

Der Stein des Anstoßes findet sich auf dem Friedhof der Fraueninsel im Chiemsee (AZ berichtete). Dort ist das Grab der Familie Jodl zu finden, dominiert von einem eindrucksvollen hellen Stein. Links und rechts sind die Namen seiner beiden Ehefrauen darauf eingraviert, darüber thront in dezent grauen Buchstaben er selbst: Alfred Jodl, Generaloberst, Hitlers Militärstratege.

Für Bürgermeister Georg Huber ist das Grab auf der Fraueninsel zu einem unangenehmen Thema geworden. Mit seinem Latein ist er erst einmal am Ende – und das, obwohl das Problem bereits gelöst zu sein schien.

Frauenchiemsee: Nazi-Grab von Jodl wird Fall fürs Gericht

Immerhin gibt es einen Beschluss des Gemeinderats, das Grab aufzulösen. Die 20-Jahres-Frist seit der letzten Beisetzung lief im Januar ab, das umstrittene Grab gibt es aber noch immer. "Post vom Anwalt habe ich schon bekommen", bestätigt Bürgermeister Huber und bringt sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass nach vielen und langen Diskussionen am Ende keine diplomatische Lösung mit dem Grabeigentümer getroffen werden konnte. Der hält die Grabauflösung für rechtswidrig und will gerichtlich dagegen vorgehen.

Bürgermeister Huber räumt indirekt ein, dass ihn dieser Schritt mit dem Rücken an die Wand gedrängt hat, obwohl er als Bürgermeister eines Touristik-Ziels das mit einem negativen Touch belegte Thema am liebsten schnell beenden würden. Aber an die beschlossene Grabauflösung sei unter diesen Umständen nicht zu denken. "Erst muss die Rechtslage geklärt sein", sagt er.

Was passiert mit Jodls Ehefrauen?

Eine Frage, die er nicht beantwortet, wäre, was mit dem Namen Alfred Jodl auf dem Granitstein passieren soll – ungeachtet des Streits um die Auflösung des gesamten Grabs. Um ihn geht es, nicht um seine beiden Ehefrauen und die Familienmitglieder, die dort ihre letzte Ruhestätte fanden.

Der auf dem Grabstein festgehaltene Todestag von Alfred Jodl, der 16. Oktober 1946, liefert einen Hinweis auf die Brisanz, die das Grab umgibt. An diesem Tag wurden die Todesurteile vollstreckt, die der Internationale Militärgerichtshof bei den "Nürnberger Prozessen" gegen die Nazi-Kriegsverbrecher aus der ersten Reihe verhängt hatte. Alfred Jodl, Hitlers militärischer Chefstratege, gehörte dazu. Sein Leichnam wurde wie die der anderen im Krematorium des Münchner Ostfriedhofs verbrannt und seine Asche in einem Nebenarm der Isar gestreut. Festzumachende Plätze der Erinnerung, wie es ein Grab darstellt, sollte es nach dem Willen der Richter für die Kriegsverbrecher nicht geben.

 

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