"Umgang mit Störungen ein Glücksspiel" Wasserschaden an der Stammstrecke: Scharfe Kritik an der Bahn

Die Sperrung der Stammstrecke traf Reisende am Dienstag mit voller Wucht. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Nachdem die Stammstrecke am Dienstag bis in die Nacht hinein aufgrund eines Wasserschadens nicht befahrbar war, soll ein Gutachter die Ursache ermitteln. Die Bahn kommt nun wegen ihrer Informationspolitik stark in die Kritik - im Tunnel hat sich die Lage nicht gänzlich beruhigt. 

 

München - Auch zwei Tage nach dem folgenschweren Wasserschaden in der Stammstrecke ist die Ursache noch nicht bekannt. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" kritisiert die Bahn nun scharf für ihre Informationspolitik.

"Der Umgang mit Störungen wird nach unserer Beobachtung immer mehr zum Glücksspiel für die Fahrgäste", bemängelte der Münchner Sprecher Andreas Barth. Die Bahn habe es noch nicht mal geschafft, den eingeschränkten Notfahrplan verlässlich anzubieten. "Selbst nach einigen Stunden gab es auf mehreren Linien noch keinen stabilen 20-Minuten-Takt, sondern die S-Bahnen sind mehr oder weniger zufällig gefahren."

Seit Mittwochvormittag läuft der Bahnverkehr wieder normal - doch hat sich die Lage unterirdisch tatsächlich wirklich entspannt? Wie eine Sprecherin der Bahn gegenüber der AZ bestätigte, läuft noch immer eine "sehr geringfügige Menge" an Wasser in den Tunnel ein, diese sei aber beherrschbar. Die Situation werde allerdings fortwährend genau beobachtet.

Stammstrecke: Ursache des Wassereintritts immer noch nicht bekannt

Um die Ursache zu ermitteln, wird nun ein externer Gutachter zu Rate gezogen. Nach aktuellem Stand schließt die Bahn jedoch aus, dass Grundwasser in den Gleisbereich eingetreten ist. Im betroffenen Bereich der Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Hackerbrücke ist laut Aussage der Bahn ein Pumpensystem installiert, welches sofort anspringt, sollte der Grundwasserpegel ansteigen. Dieses System hat am Dienstag funktioniert.

"Die Menge an Wasser, die gestern in den Gleisbereich eintrat, muss eine andere Ursache haben“, sagt Markus Hurnaus, stellvertretender Leiter der Produktionsdurchführung München der DB Netz AG am Mittwoch. "Wir bitten um Verständnis, dass wir nun zunächst die Ergebnisse des externen Gutachters abwarten müssen. Über die Ursache zu spekulieren, ergibt wenig Sinn."

Als "leichten Wassereinbruch" bezeichnete eine Bahnsprecherin das Problem auf Anfrage, gab aber zu verstehen, dass man es aktuell nur dank einer extra installierten Pumpe schaffe, die Strecke befahrbar und Betrieb stabil zu halten. Wie groß die Sicherheitsbedenken tatsächlich sind, bleibt offen: In jedem Fall wird der betroffene Abschnitt im Stammstrecken-Tunnel rund um die Uhr von Bahnmitarbeitern überwacht, wie die Sprecherin erklärte.

Wassereintritt: Stammstrecke stundenlang gesperrt

Der S-Bahn-Verkehr im Zentrum Münchens war am Dienstag wegen eines Wasserschadens unterbrochen worden. Zwischen den Stationen Hackerbrücke und Isartor auf der sogenannten Stammstrecke fuhren ab 10.30 Uhr bis in die späten Abendstunden hinein keine Züge.

Davon betroffen waren auch die Knotenpunkte Hauptbahnhof, Karlsplatz (Stachus) und Marienplatz. Ursache der Unterbrechung war nach Angaben der Bahn ein Wassereintritt im Gleisbereich zwischen den Stationen Hackerbrücke und Hauptbahnhof.

Wie die Deutsche Bahn am Mittwoch mitteilte, konnte mit Hilfe von Feuerwehr und THW das Wasser am Dienstagabend mit leistungsfähigen Pumpen beseitigt werden. Im Anschluss an die Abpumparbeiten wurde der Gleisbereich samt der Leit- und Sicherungstechnik intensiv auf Schäden untersucht und anschließend das Okay für die Wiederaufnahme des Bahnbetriebs gegeben.

S-Bahn-Störung: Frustrierte Pendler und Touristen

S-Bahn-Reisende bekamen die Folgen mit voller Wucht zu spüren: Trotz Ferien füllte sich etwa die unterirdische Station im Hauptbahnhof im Feierabendverkehr. Die Rolltreppen zu den S-Bahn-Gleisen waren mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Personal in leuchtendgelben Warnwesten versuchte, teils aufgebrachten Leuten die Lage zu erklären.

Die Stammstrecke verläuft weitgehend unterirdisch durch die Münchner Innenstadt. Täglich fahren rund 1.000 Züge auf der Stammstrecke. Laut Bahn gibt es nirgendwo in Europa mehr Verkehr auf zwei Gleisen. Rund 840.000 Menschen nutzen die S-Bahn pro Werktag. Zur Entlastung des für Störungen anfälligen S-Bahn-Netzes wird in der Landeshauptstadt eine zweite Stammstrecke gebaut. Sie soll 2028, zwei Jahre später als ursprünglich geplant, in Betrieb gehen und verläuft überwiegend durch einen neuen Tunnel.

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