Umfrage der Stadt Neue Studie: So geht es Münchens Älteren

Beneidenswert, aber sicher auch verdient: Dieser ältere Herr lässt es sich vor der Residenz gut gehen. Foto: Djordje Matkovic

Die Zahl der über 75-Jährigen steigt. Eine neue Studie zeigt nun, wie die Senioren leben wollen – und was ihnen in ihrem Viertel Sorgen macht.

 

München Wie auch immer man sie nennen mag: Senioren, Älterwerdende, „Best Ager“ – oder wie es die Stadt hochoffiziell tut: hochbetagte Menschen. Sie werden auf jeden Fall mehr. Auch in einer vergleichsweise jungen Stadt wie München steigt die Zahl der Leute über 75 Jahre rasant, und zwar um etwa ein Drittel auf geschätzte 142 000 im Jahr 2030. Um sich auf den demografischen Wandel besser einstellen zu können, hat die Stadt vor etwa zweieinhalb Jahren eine Studie in Auftrag gegeben. Das Stuttgarter Institut Weeber+Partner schickte daraufhin seine Sozialforscher nach München und durchleuchtete in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Generationen der Fachhochschule Sankt Gallen annähernd 2800 Senioren-Haushalte.

Seit gestern sind nun die Ergebnisse da. Wo ist die ÖPNV-Anbindung gut, wo muss bei der Nahversorgung nachgebessert werden und wo in München machen sich die Menschen am meisten Sorgen, sich die Stadt nicht mehr leisten zu können? All diese wichtigen Fragen lassen sich mit Hilfe der Studie „Älter werden in München“ nun beantworten. „Wir wissen jetzt, in welchen Gebieten Handlungsbedarf da ist“, sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk.

Besonders aussagekräftig wird die Studie dadurch, dass die Umfrage in unterschiedlichen Stadtquartieren durchgeführt wurde. In alten Gründerzeitvierteln, 70er-Jahre-Wohnblocks und modernen Neubausiedlungen – überall waren die Sozialforscher unterwegs. So ergibt sich ein Bild, das als repräsentativ für die ganze Stadt angesehen werden kann. Die AZ hat sich die Ergebnisse mal näher angesehen.

Wohnen
Über ihre Wohnsituation klagen eigentlich die wenigsten Münchner Senioren. 87 Prozent geben an, mit ihrer Wohnung zufrieden zu sein. Allerdings gibt es je nach Quartier erhebliche Unterschiede. In Ramersdorf und Kleinhadern, die beispielhaft für die in den 1920er bis 1950er Jahren bebauten Gebiete stehen, geben viele Bewohner an, dass ihre Wohnung wegen mangelnder Barrierefreiheit und ähnlicher Gründe nicht unbedingt fürs Älterwerden geeignet ist. Interessant ist zudem, dass weit über ein Drittel der Befragten nochmals einen Umzug in Betracht ziehen – eben weil die bestehende Wohnung nicht altersgerecht ist oder einfach zu teuer. Oft kommen beide Sorgen auch zusammen.

Nahversorgung 
Für die Studie wurden die Senioren gefragt, ob sie in der näheren Umgebung alles haben, was sie zum Leben brauchen: Supermarkt, Friseur, Schuhmacher. Die Antworten fielen dabei je nach Stadtquartier höchst unterschiedlich aus. In Ramersdorf und in der Messestadt Riem sind die Menschen recht unzufrieden mit der Versorgungssituation, in den Gründerzeitvierteln Sendling und Schwabing dagegen hat offenbar niemand Grund zur Klage. Dafür haben die Leute dort Angst, dass sich die vielen kleinen Läden, die es dort noch gibt, nicht für immer halten können.

Mobilität
In allen Untersuchungsgebieten gehen die Befragten davon aus, dass sie in Zukunft mehr zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein werden. Das Auto verliert mit dem Alter also offenbar an Bedeutung. In den Gründerzeitvierteln geben schon heute 55 Prozent der Senioren an, gar nicht mehr oder nur noch unregelmäßig ins Auto zu steigen. Weil zugleich knapp die Hälfte der Befragten angibt, sich im Verkehr manchmal überfordert zu fühlen – weil andere Verkehrsteilnehmer keine Rücksicht nehmen oder weil Hindernisse den Weg versperren – will die Stadt beim Bau von Rad- und Fußwegen künftig auch besser auf die Belange der älteren Generation achten.

Soziales Leben
Die Münchner sind auch in hohem Alter noch sehr kontaktfreudig. Immer nur alleine sein, das wollen eigentlich die wenigsten. Bei jedem vierten Münchner über 75 sind die sozialen Netze allerdings recht zerbrechlich – in machen Vierteln sogar bei jedem Dritten. Oft hat sich der Freundeskreis gelichtet, sie leben getrennt oder der Partner ist verstorben – und Kinder sind auch nicht immer vorhanden. Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier zieht daraus die Erkenntnis, dass in allen Stadtteilen die bereits erprobten Alten- und Servicezentren und die Nachbarschaftstreff ausgebaut werden müssen. Denn viele der Befragten wünschen sich ein mehr als nur flüchtiges Verhältnis zu ihren Nachbarn. Die Stadt will das Knüpfen neuer Netze da mit der nötigen Infrastruktur unterstützen.

Ein Jahr lang will der Stadtrat die Studienergebnisse sacken lassen. In der ersten Jahreshälfte 2016 soll dann eine konkrete Seniorenpolitik auf den Weg gebracht werden. Bis dahin sollen sich die Stadtverwaltung überlegen, was alles zu unternehmen ist – vom barrierefreien Wohnungsbau bis hin zum seniorengerechten Fußweg.

 

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