Umbau im Zwischengeschoss Münchner Hauptbahnhof: Seine zwei Gesichter

Die zwei Gesichter des Münchner Hauptbahnhofs heißen Schick und Schrott, wie Sie in unserer Bilderstrecke sehen können. Foto: Petra Schramek

Im Zwischengeschoss unter der Arnulfstraße beginnt der Umbau, im Trakt unter dem Bahnhofsvorplatz sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Der erste Eindruck: nobel!

München - Kabel hängen von der Decke wie Lianen, am Boden liegen Abzugshauben und Schrottteile. Der einst gelb-weiß-rote Raum ist nur noch tristes Grau. Bei McDonald’s gibt jetzt Bauarbeiten statt Burger, statt mampfender Teenies lümmen sich hier mannshohe Müllsäcke.

Und nicht nur da. Die Leere hat das S-Bahn-Zwischengeschoss des Hauptbahnhofs erfasst, hier herrscht Tristesse total: Im Schaufenster des Schnaps- und Tabaktandlers sieht man braunes Papier statt Whiskyflaschen. Buchladen und Blumenstandl: leer, Vinzenzmurr und Hofpfisterei: zugerammelt. Die Bäckerei Ratschiller: brotlos, Arbeiter räumen am Freitag die Filiale aus.

Ein Schild am Schaufenster verrät, was hier los ist: Seit Freitag sei man raus, schreiben die Bäcker – wegen des großen Umbaus, der jetzt hier in dieser Etage beginnen wird.

Die Bahn baut das Stockwerk unter der Arnulfstraße nach über 40 Jahren um. Für 24 Millionen Euro gibt es hier neuen Brandschutz, größere Ladenflächen, mehr Platz, mehr Glas, mehr Weiß und mehr Licht.

Spätestens Ende 2015 soll alles fertig sein. Wie das in etwa ausschauen wird, können die Münchner aber schon heute sehen – auf der anderen Seite des Zwischengeschosses.

Unterm Bahnhofsvorplatz sind die Abgänge zur U1/U2 und zur U4/U5. Dieser Trakt gehört der MVG. Die baut hier schon seit Juni 2011 für rund 20 Millionen Euro um. Ende des Jahres ist sie wohl fertig.

Der erste Eindruck: klinisch rein. Die neuen Ladenschaufenster an den Außenseiten sind aus Glas, die Wände sind mit glänzenden, weißen Kacheln bedeckt. Die Räume wirken weitläufig, Kanten gibt’s kaum – Säulen und Mauerecken sind abgerundet.

Die Decke ist mit grauem Drahtgitter bedeckt, der weiß gekachelte Boden von schwarzen, geriffelten Linien durchzogen – das neue Leitsystem für Blinde. Die profitieren auch von den neuen Metallgeländern an den Treppenaufgängen: Eingestanzte Blindenschrift verrät, wohin die Treppe führt.

Auch ein nettes Detail: An der Unterseite des Geländers sind Lichter eingebaut. Einfach und elegant, genau wie die modern bis mondän wirkenden Rolltreppenabgänge.

So weiß und weiträumig wird es auch im Bahn-Trakt unter der Arnulfstraße. Ab Frühjahr 2014 ziehen die ersten Läden wieder ein, bis Ende 2015 kommen Böden, Kacheln und Gitterdecke drumherum. Dann gilt auch hier: schick statt Schrott.

 

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