Umbau des Grünwalder Stadions Dieter Reiter zum TSV 1860: "Ich gehe von einem alternativen Spielort aus"

Der Aus- und Umbau des Grünwalder Stadions auf eine Kapazität von 18 060 Zuschauer wird wohl mindestens ein Jahr dauern. Das erklärt Oberbürgermeister Dieter Reiter. Foto: Sampics/Augenklick, Daniel von Loeper, AZ

Der TSV 1860 braucht während des Umbaus des Grünwalders wohl ein Ausweichstadion – das bestätigt OB Dieter Reiter im AZ-Interview. Hier erklärt er die Pläne und die Alternativen.

 

München – Dieter Reiter im AZ-Interview.. Der 61-jährige SPD-Politiker ist seit 2014 Oberbürgermeister von München.

AZ: Herr Reiter, sehen Sie die Absichtserklärung der Stadt, das Grünwalder Stadion auf 18.060 Zuschauer auszubauen, als Grundsatzbeschluss oder als etwas, das man vage weiter prüft in den Tiefen der Verwaltung?
DIETER REITER: Eindeutig als Grundsatzbeschluss. Klar müssen Kosten geprüft und Genehmigungen eingeholt werden. Aber in der Sache hat sich der Stadtrat grundsätzlich für den Ausbau ausgesprochen.

Können Sie den zeitlichen Horizont bis zum ersten Spatenstich skizzieren?
Ich habe Frau Zurek (Stadträtin und Leiterin des Referats für Bildung und Sport, d. Red.) gebeten, noch in diesem Jahr einen weiteren Beschluss einzubringen. Damit können wir konkreter werden. Es braucht planerisch einen Vorlauf. Es geht aber nicht nur um Finanzierungsthemen, sondern auch um die Frage: Wo spielen die Sechzger eventuell in der Zwischenzeit?

Die Löwen benötigen während der Umbauphase einen alternativen Spielort?
Davon gehe ich aus, aber das Ziel ist auf alle Fälle, die Umbauphase möglichst kurz zu halten, auch wegen der Anwohnerinnen und Anwohner.

Reiter: Olympiastadion wäre eine Lösung

Welchen Ausweichort der Blauen halten Sie für sinnvoll?
Es gibt das Dantestadion (schmunzelt). Vielleicht können die Löwen auch Manni Schwabl (Hachings Präsident, d. Red.) fragen, ob er in Unterhaching Gastfreundschaft gewährt.

Bleibt das Olympiastadion als wahrscheinlichste Variante.
Ich weiß, dass viele Sechzger das eher kritisch sehen. Aber natürlich haben wir da ein Stadion, das noch dazu für 100 Millionen saniert wird, und es passen zwei, drei Leute mehr hinein als ins Grünwalder.

Zurück zur Finanzierung: Es ist ja allseits bekannt, dass die Profifußballabteilung des TSV 1860 hochverschuldet ist. Können Sie prognostizieren, inwieweit die Stadionmiete auf Mieter Sechzig umgelegt werden wird?
Nein, aber wir versuchen eine Lösung zu finden, die sich die Sechzger letztlich auch leisten können. Das habe ich den Verantwortlichen (Präsident Robert Reisinger und KGaA-Geschäftsführer Michael Scharold, d. Red.) auch gesagt: Wir müssen natürlich schauen, dass alles rechtlich in Ordnung ist, aber wir werden alles tun, um das Grünwalder in einen modernen Zustand zu versetzen. Da treffen sich ja unsere Interessen.

Teilen Sie die Einschätzung, dass man den Umbau in einer Saison schaffen kann?
Das ist schon eine große Herausforderung, aber wir werden alles versuchen, es in einem Jahr hinzukriegen. Ob das möglich ist, werden die weiteren Untersuchungen zeigen. Ich will keine unseriösen Versprechungen machen. Außerdem ist man bei Bauvorhaben – vor allem im Bestand – keineswegs vor Überraschungen sicher.

Für viele 1860-Fans war es eine negative Überraschung, dass bei gut 18.000 Zuschauern im Grünwalder Schluss ist.
Dass 30.000 Plätze oder mehr nicht machbar sind, müssen auch die Hardcore-Sechzger akzeptieren. An dieser Stelle muss ich die Vereinsverantwortlichen, die Herren Reisinger und Scharold, loben: Sie verstehen die Situation und haben es auch positiv kommuniziert: Wir müssen uns an den Rahmen der Betriebsgenehmigung halten. Das war das Einzige, was Albert Speer und Partner in der Machbarkeitsstudie als zwingend vorausgesetzt haben. Das Projekt wäre sonst echt gefährdet. Stellen Sie sich mal vor: Wir bauen das Grünwalder auf 30.000 Plätze aus, und verlieren dann einen Prozess. Das würde bedeuten: Schluss mit dem TSV in Giesing. Das kann doch keiner wollen.

Reiter: Beim TSV 1860 gibt es immer zwei Meinungen

Nun haben die Löwen auch noch einen Investor, der einen Neubau favorisiert und den Vorwurf erhebt, die Stadt würde seine Interessen nicht ernst nehmen.
Hasan Ismaik war bestimmt vier Mal bei mir. Er hatte jedes Mal eine neue Idee, was Sechzig für wie viele tausend Zuschauer bauen könnte. Wir hatten Flächen gefunden und reserviert, draußen in Riem. Aber jetzt habe ich schon länger nichts mehr gehört. Meiner Meinung nach ist das ein Grundproblem: Es gibt nicht den einen TSV 1860. Es gibt immer mindestens zwei Meinungen. Ob das dem sportlichen Erfolg der Löwen zuträglich ist, müssen andere beurteilen. (Lesen Sie dazu: Das Schweigen der Löwen)

Von Teilen der Fans wird Ihnen ebenfalls vorgeworfen, sich als "roter" Bürgermeister – und damit meinen wir nicht Ihre Parteizugehörigkeit – nur unzureichend für die Interessen der Löwen einzusetzen.
Ich denke, manche davon habe ich schon überzeugt, dass es mir ernst ist. Nicht, weil ich ein glühender Löwenfan bin, sondern weil die Sechzger wahnsinnig beliebt sind, auch über die Stadtgrenzen hinaus. Und ich persönlich wünsche mir auch eine Rückkehr der Löwen in die oberen Ligen. Ich habe zwei Brüder, die sind blau. Mein Vater und ich waren immer Bayern-Fans. In Zeiten des Lokalderbys gab es immer Familienreibereien (lacht).

Es wäre wunderbar, wenn es wieder zu einem Derby kommen würde, wenn zur Abwechslung auch die Löwen mal wieder auf dem Rathausbalkon stehen würden. Wenn sie in die Zweite Liga aufsteigen und ich noch OB bin, lade ich sie herzlich ein.

Lesen Sie hier: Bierofka-Abschied? Hasan Ismaik verteidigt Löwen-Trainer

 

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