Umbau an der U- und S-Bahn Marienplatz: So schön wird der neue Bahnhof

Eine Plakatwand mit der Aufschrift "Wir sanieren und modernisieren für Sie!" weist in der unterirdischen U- und S-Bahn-Station Marienplatz in München auf die Bauarbeiten an der Station hin. Foto: dpa

Wichtige unterirdische S- und U-Bahnhöfe in München sind derzeit Baustellen: Nach Karlsplatz und Hauptbahnhof wird auch der Marienplatz umgebaut und modernisiert. Im neuen Zwischengeschoss soll die Orientierung einfacher, der Aufenthalt angenehmer werden. Getragen wird diese zeitgemäße Atmosphäre vom Konsum.

 

München - Die unterirdische U- und S-Bahn-Station am Münchner Marienplatz, im Herzen der Stadt, nutzen täglich bis zu 200.000 Fahrgäste. Doch wer dort ankommt, landet seit Wochen in einer riesigen Baustelle und wird im Zwischengeschoss durch ein wechselndes Labyrinth aus Absperrgittern hindurch ans Tageslicht geschleust. Für rund 30 Millionen Euro lassen die Münchner Stadtwerke und Verkehrsbetriebe den unterirdischen Knotenpunkt sanieren und umgestalten.

Vor allem das Zwischengeschoss soll moderner, heller, übersichtlicher werden und in neuen Geschäften zum Shoppen einladen. Das Upgrade für die Haltestelle Marienplatz ist eine Mischung aus Sanierung und Modernisierung. Denn die Architektur aus den 1980er Jahren war nach Ansicht der Stadtwerke nicht mehr zeitgemäß: An- und Einbauten ließen das Zwischengeschoss dunkel und unübersichtlich wirken, zudem war der stark frequentierte Bahnhof nach 30 Jahren schlichtweg abgenutzt. Die vielen Kioske und Stände, zwischen denen sich Fahrgäste hindurchschlängeln mussten, sollten deshalb verschwinden.

Künftig besteht das Zwischengeschoss aus einer hell ausgeleuchteten zentralen Halle, in der die Bahnsteig-Zugänge besser zu sehen sind. Schilder und Infotafeln, die die nötige Wartezeit anzeigen, sollen den Fahrgästen Orientierung geben. Rings um die Halle entstehen hinter freundlich wirkenden Glasfassaden neue Ladenzeilen mit deutlich mehr Verkaufsfläche.

Schon im Herbst 2011 hat der Umbau an der Station Marienplatz begonnen - und bei Pendlern und Touristen könnte inzwischen der Eindruck entstehen, es ginge gar nicht voran. Doch die Arbeiten verlaufen aus gutem Grund über Jahre hinweg, versichern die Stadtwerke: "Das ist ein echter Kraftakt, vor allem in finanzieller und logistischer Hinsicht. Denn wir bauen ja unter laufendem Betrieb", erklärt Geschäftsführer Herbert König. Und so wird unter dem Marienplatz ein Bereich nach dem anderen gesperrt, die Fassaden und Einbauten werden dann demontiert. Nach der Neugestaltung zieht die Wanderbaustelle weiter in einen anderen Teil der Station.

Refinanzierung durch die Läden

Weil es keine öffentlichen Zuschüsse für die Modernisierung gibt, setzen die Stadtwerke zur Refinanzierung auf die Vermietung der Ladenflächen. Mögliche Pächter müssen sich derzeit um einen Ladenplatz bewerben. Das Interesse ist groß, denn für Einzelhändler ist der Standort besonders attraktiv: "An Bahnhöfen kriegen sie die Kunden praktisch auf dem Tablett geliefert", erklärt Bernd Ohlmann, Vorsitzender des Handelsverbandes Bayern.

Händler profitierten dort aber nicht nur von der ständigen Laufkundschaft, so Ohlmann, sondern auch von den längeren Öffnungszeiten, die das Ladenschlussgesetz an Personenbahnhöfen erlaubt. Zwar darf dort laut Gesetz nur "Reisebedarf" verkauft werden - doch der Begriff ist weit gefasst: Zahnpasta ist an modernen Bahnhöfen ebenso erhältlich wie Schmuck oder Sportartikel. Shopping im Vorbeigehen sei für Kunden kein Paradox mehr, erklärt Joachim Stumpf von der BBE Handelsberatung, einer Tochtergesellschaft des bayerischen Handelsverbandes. "Nach dem Motto "wenn ich schon mal da bin" bleiben Kunden auch in Boutiquen hängen und kaufen, wenn das Sortiment stimmt: Artikel ohne Beratungsbedarf, hochmodisch, spontan, in gemäßigter Preislage."

Vor allem aber sei das Bahnhofs-Zwischengeschoss ein lukrativer Standort für die schnelle Gastronomie, so Stumpf. Geschäfte vom Brezelstand bis zur Sushibar lebten vom Verkauf auf die Hand oder zum Mitnehmen. "An sitzenden Gästen sind die Betriebe gar nicht interessiert, denn ein schneller Wechsel in der Kundschaft bringt auch höheren Umsatz", sagt Stumpf.

Umbau soll Ende 2015 fertig sein

Die Mieteinnnahmen sollen im Laufe der Jahre wenigstens einen Teil der Modernisierungskosten wieder hereinbringen. Der Marienplatz, dessen Umbau Ende 2015 fertiggestellt sein soll, erstrahlt dann längst unter den LED-Lampen seiner neuen Deckengestaltung. Den Anfang der unterirdischen Aufhübschung - mit Kosten von 30 Millionen Euro - hatte zwischen zwischen 2008 und 2011 die U- und S-Bahn-Station Karlsplatz gemacht. Dort ist ein freundliches und helles Untergschoss mit vielen Läden und florierender Gastronomie entstanden. Seit Anfang 2011 läuft auch im Zwischengeschoss am Münchner Hauptbahnhof eine 20 Millionen Euro teure Umgestaltung.

Die nächste Baustelle steht schon fest: Ab 2016 soll - ebenfalls in der City - der U-Bahnhof Sendlinger Tor umgestaltet werden.

 

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