Um die Rente aufzubessern: Mann raubt Juweliere aus

Einbrecher gehen nicht gerne in Rente: Detlef S. (73) soll bei fünf Juwelieren in Bad Tölz und Rosenheim eingestiegen sein. Foto: John Schneider

Der 73-jährige Detlef S. soll in Oberbayern fünf Geschäfte um Schmuck im Wert von 345000 Euro erleichtert haben. Er streitet die Taten ab – doch viele Indizien sprechen gegen ihn.

 

MÜNCHEN - 323,39 Euro Rente gab’s jeden Monat für den Ruheständler Detlef S. (73). Viel zu wenig. Auch die 337,92 Euro Grundsicherung, die der gebürtige Norddeutsche mit dem Friesenbart zusätzlich kassierte, reichten ihm offenbar nicht.

Detlef S. entschloss sich daher laut Anklage gleich nach der letzten Haftentlassung, seine kriminellen Aktivitäten wieder aufzunehmen. Über zehn Jahre Knast lagen da schon hinter ihm. Immer wieder war der Einbrecher erwischt worden. Abschrecken konnte ihn das offenbar nicht.

Juweliere und Goldschmieden in Bad Tölz und Rosenheim hatte er zwischen 2009 und 2011 im Visier. Aber die Ermittler glauben, dass er nicht nur in Oberbayern zuschlug. Auch das benachbarte Ausland soll er für seine Beutezüge mit dem VW Bus angesteuert haben.

Die Vorgehensweise sei in allen fünf angeklagten Fällen ähnlich gewesen. Der gelernte Bauschlosser führte ein ganzes Arsenal von Einbruchswerkzeugen mit, nutzte Geißfuß und Bolzenschneider, um sich Zutritt zu den Geschäften zu verschaffen.

Und er ging dabei äußerst kaltblütig vor. So schrillte am 2. November 2010 der Alarm, als er die Balkontür eines Juweliers in Bad Tölz mit Schraubendreher und Geißfuß aufbrach. Detlef S. ließ sich laut Anklage nicht stören, sondern hebelte in aller Seelenruhe die Vitrinen im Geschäft auf und nahm sich mit Kennerblick die wertvollsten Stücke. Der Wert der Beute allein bei diesem Einbruch: 105000 Euro. Insgesamt brachte ihm seine oberbayerische Einbruchs-Tournee Schmuck und Uhren im Wert von 345000 Euro.

Über 170000 Euro wanderten in diesem Zeitraum auf das Konto seiner Tochter – Erlöse aus dem Verkauf der Beute, sagt die Staatsanwaltschaft. Gewinne aus Aktiengeschäften, sagt Detlef S.
Je nach Veranlagung grinsten oder schüttelten die Zuhörer mit dem Kopf angesichts der Geschichte, die Detlef S. dem Gericht auftischte. Er habe Tipps für Aktiengeschäfte gegeben. Das Geld sei ihm von Anlegern, deren Namen er nicht preisgeben wolle, gegeben worden, um es aufs Konto seiner Tochter zu überweisen. „Für mich war das Geld damit nicht mehr verfügbar, da ich keine Verfügungsgewalt habe.” Warum er dann mit ihrer Kontokarte erwischt wurde, konnte er nicht plausibel erklären.

Es blieb nicht die einzige Lücke in seiner Version der Geschehnisse. Viele Indizien sprechen gegen ihn: Er wurde an einem der Tatorte gesehen, bei zwei Einbrüchen hatte er sich am Tag vorher in dem Ort einquartiert und vor allem war er es, der Teile des Diebesgutes bei Händlern im Norden der Republik verkaufte.

Da die Händler nichts von der kriminellen Herkunft des Schmucks wussten, habe sich der Rentner zudem des Betrugs schuldig gemacht. Eine erdrückende Beweislage? Detlef S. besteht auf seiner Unschuld. Als man ihn festnahm, sei er lediglich in Bad Tölz spazieren gegangen. Um 4.50 Uhr in der Früh.

Besondere Pointe: Die Ermittler werfen Detlef S. auch Sozialhilfebetrug vor, denn natürlich hatte der Mann seine kriminellen Einkünfte nicht bei den Behörden angegeben. Anspruch auf die von ihm kassierten Sozialhilfeleistungen hatte er daher nicht. Auch seine letzte Haftstrafe ließ er unter den Tisch fallen und kassierte daher unberechtigterweise fast 9000 Euro Grundsicherungsleistungen.
Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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