Ulf Soltau im AZ-Interview Dieser Satiriker nimmt Besitzer hässlicher Gärten aufs Korn

Autorenprofil Ruth Schormann
Warum echte Blumen, wenn man sie aus Steinen legen kann, denkt sich wohl der Besitzer dieses "Gartens". Wie Ulf Soltau (kleines Bild) solche Steinwüsten kommentiert, sehen Sie in unserer Bilderstrecke. Foto: AZ-Montage, privat, facebook.com/GaertenDesGrauens

Eine Satire-Seite im Internet sammelt Bilder von besonders hässlichen, weil völlig naturfremden Freiflächen auf Grundstücken. Ulf Soltau steckt dahinter. Der AZ hat er erzählt, warum er das macht.

 

Berlin - Beton statt Blumen, Schotterfläche statt Streuobstwiese: Deutschlands (Vor-)Gärten können schrecklich scheußlich sein – und sollten lächerlich und damit unmöglich gemacht werden, findet der Berliner Biologe Ulf Soltau.

Er hat vor zwei Jahren angefangen, Fotos von "Gärten des Grauens", wie er sie nennt, zu sammeln und sie – gepaart mit witzigen, ironisch bis sarkastischen Bildunterschriften – auf Facebook und Instagram zu veröffentlichen. Die AZ hat mit dem Berliner gesprochen.

AZ: Herr Soltau, wie sind Sie auf die Idee gekommen, die laut Ihrer Beschreibung "erste Gartensatire der Welt" zu betreiben?
ULF SOLTAU: Ich bin viel in Gartenforen unterwegs, wo mir Bilder solcher Schottergärten schon aufgefallen sind, die goutiert und gelikt wurden. Ich habe damals schon satirisch kommentiert, was zur Folge hatte, dass ich aus den Foren verbannt wurde. Dann dachte ich, ich mache eine eigene satirische Seite, um diese Gärten mal zu thematisieren.

Mit welchem Ziel?
Durch meine Seite, die mittlerweile 100.000 Follower auf Facebook und Instagram hat, verhallen die Stimmen der Schottergärtner langsam. Das ist genau das Ziel. Ich will diese Gärten gesellschaftlich unmöglich machen und die Menschen, die solche Gärten machen oder besitzen, beschämen.

Soltau: "Mit Satire erreicht man Menschen eher"

Und das schaffen Sie mit witzigen Bildunterschriften?
Ja, mit Satire erreicht man Menschen eher: mit einem Lachen darüber als mit moralinsaurer Miene und erhobenem Zeigefinger, wie es in den 80ern Dieter Wieland versucht hat.

Zeigen sich nach zwei Jahren, in denen Sie auf die "Gärten des Grauens" aufmerksam machen, Erfolge?
Der humoristische Ansatz scheint mehr zu bewirken, ja. Das zeigt sich allein darin, wie viele Gemeinden mittlerweile diskutieren, ob sie diese Schottergärten verbieten oder nicht. Das finde ich schon bemerkenswert und ich denke, da trägt meine Seite ganz gewaltig dazu bei.

Besitzer solcher Gärten sagen ja, die seien eben pflegeleichter als ein "echter" Garten.
Pflegeleicht sind diese Gärten ganz und gar nicht. Diese sterilen Flächen müssen der Natur ja immer wieder neu abgerungen werden, die Natur kennt solche sterilen Flächen nicht. Sie werden immer zunächst mit Pionierpflanzen besiedelt. Dagegen muss der Gärtner stetig ankämpfen und dann wird in vielen Fällen zur Giftspritze gegriffen – und das ist ja nun etwas, was man im Garten wirklich nicht mehr gutheißen sollte.

Schottergärten? "Das ist eine ganz paradoxe Entwicklung"

Neben dem Gift, das in die Umwelt gelangt, gibt es noch weitere Gründe, die gegen einen solchen Steingarten sprechen – Stichwort Artenvielfalt.
Schottergärten sind ein Trend, der angesichts des Artensterbens überhaupt nicht mehr zu verstehen ist, und auch angesichts des großen Engagements der Bürger gegen das Insektensterben, wie es Bayern mit seinem Volksbegehren gezeigt hat. Das ist eine ganz paradoxe Entwicklung.

Aber sie hält an, denn Sie bekommen etwa 500 Bilder pro Woche zugeschickt.
Es werden immer mehr, das liegt an der steigenden Reichweite. Ich suche die schlimmsten Beispiele aus. Aber das Übel steckt im Kleinen: Auch der kleine, unscheinbare Schottergarten ist eine verlorene Fläche für die Natur.


Weitere Bilder gibt es auf Facebook und Instagram unter "Gärten des Grauens". Im Herbst erscheint Ulf Soltaus Buch dazu im Eichborn-Verlag.

 

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