Übler Fall Schlüsseldienst-Abzocke in München: 2.215,42 Euro für eine Tür

Tobias S. hat für einen Schlüsseldienst einen Wucherpreis bezahlt. Foto: Petra Schramek

Schlüsseldienste kassieren Menschen in Not dreist ab, wie in diesem Fall in Unterschleißheim. Wie man sich vor Wucherpreisen schützen kann.

München - Monatelang hat Tobias S. gespart, jeden Cent legt er auf die hohe Kante. Der 27-jährige Eisenbahner aus Unterschleißheim will sich den Traum vom eigenen Auto erfüllen, einem gebrauchten Opel Corsa. Doch dann fällt er einem dubiosen Schlüsseldienst in die Hände, der ihm für eine zugeschlagene Wohnungstür rund 2.000 Euro abknöpft.

Sechs Schichten als Zugabfertiger bei der Bahn liegen in dieser Woche bereits hinter ihm. Am nächsten Sonntagmorgen soll er zum Frühdienst antreten. "Ich war hundemüde", sagt Tobias S. Am Nachmittag entschließt er sich trotzdem noch, in den Keller zu gehen, um Wäsche zu waschen. Er packt den Korb. Die Tür ist kaum ins Schloss gefallen, da schießt ihm der Schreck in die Glieder – kein Schlüssel dabei, ausgesperrt.

Als der Handwerker kam, scherzte er noch

"Mir war klar, dass mich das ein paar Hundert Euro kostet", sagt der Eisenbahner. Aber was dann passiert, übertrifft seine schlimmsten Befürchtungen. Tobias S. hat im Internet einen Schlüsseldienst mit einer Münchner Telefonnummer herausgesucht. "Man kennt ja die Geschichten über Abzocke und Wucherpreise aus der Zeitung", sagt er. "Wie viele Millionen wird mich das kosten", scherzt der Münchner, als der Schlüsseldienst gegen 19 Uhr eintrifft. Der Mann, ein bulliger, muskulöser Typ, gibt sich wortkarg und macht sich an die Arbeit. 45 Minuten werkelt der angebliche Fachmann herum.

Vorsichtig erkundigt sich Tobias S. immer wieder, was das wohl kosten werde. Keine Antwort. Sein Gegenüber reagiert zunehmend genervt. Am Ende ist das Schloss demoliert, ein neues muss eingesetzt werden. Aber zumindest ist die Tür auf. Als sich der Schlüsseldienst-Mann am Finger verletzt, versorgt Tobias S. sogar noch dessen Wunde. S. jobbt nebenbei als Rettungssanitäter. "Ich bin es gewohnt, Menschen zu helfen", sagt der 27-Jährige. Er bietet dem Mann sogar noch ein Glas Wasser an.

Dann kam die Rechnung und Tobias S. in Zahlungsnot

Der revanchiert sich mit einer gesalzenen Rechnung – insgesamt 2.215,42 Euro. Er besteht auf Barzahlung. Tobias S. hat nicht so viel Geld Zuhause. Beide fahren zur Bank. Der Eisenbahner hebt am Automaten knapp 2.000 Euro ab. Er packt seinen letzten 20er aus dem Geldbeutel dazu. "Mehr hab’ ich nicht", sagt er. Der Mann vom Schlüsseldienst wirkt auf ihn bedrohlich. "Ich wollte ihn nur möglichst schnell loswerden", sagt Tobias S.

Fälle wie dieser nehmen in München extrem zu, betont Michaela Neueder, stellvertretende Chefin bei K 76, zuständig im Polizeipräsidium für Wucher. Die Täter sind schwer zu überführen, "Oft bewegen sich die Dienste mit ihren Aktivitäten und Zahlungsforderungen am Rande der Legalität", sagt sie. Eine Zwangslage werde schamlos ausgenutzt. Mit ähnlichen Tricks arbeiten auch Rohrreinigungsfirmen. Bis zu 2.000 Euro verlangen sie für Reparaturen, die normal kaum 300 Euro kosten.

 

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