Übergriffe im Internet Kinder im Internet sexuell attackiert: "Ich bin doch erst 10"

Wie junge Mädchen in einschlägigen Chatrooms im Internet sexuell attackiert werden – und wie machtlos Politiker und Juristen gegen dieses erschütternde Treiben sind

 

München Es ist ein erschütterndes Dokument: Mitarbeiter der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) haben sich zwei Wochen lang in auf Kinder zielenden Chatrooms im Internet als 10- 12-jährige Mädchen ausgegeben. Was sie erleben mussten, ist alarmierend: In jedem Fall kam es zu verbalen Übergriffen. Immer wieder wurde sie auch zu persönlichen Treffen aufgefordert. Das Schlimmste: Es gibt kaum eine Handhabe gegen solche Attacken.

Selbst die wiederholten Hinweise der Kinder auf ihr Alter („Ich bin doch erst 10“) haben die Belästiger nicht ein einziges Mal von ihrem Tun abgehalten. Auch wurden die Kinder von den Männern immer wieder aufgefordert, zu Anbietern wie Skype zu wechseln, um sich ihnen live beim Masturbieren zeigen zu können oder ihnen pornografische Bilder zu senden. Die Beseitigung dies Missstandes, den nach Schätzungen allein in Deutschland täglich tausende von Kindern zum Opfer fallen, ist offenbar schwierig. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder räumt ein, dass derartige Übergriffe „leider an der Tagesordnung“ sind, weiß aber kein probates Gegenmittel.

Zwar werde mit vielen Anbietern und Beratungseinrichtungen daran gearbeitet, einen Hilfebutton für Kinder einzuführen, mit dessen Hilfe Belästiger blockiert und aus dem jeweiligen Chat ausgeschlossen werden. Doch dies funktioniert offenbar nur sehr eingeschränkt. Laut FAS mussten die Kinder vorm Betätigen der Hilfe-Funktion erst lange Texte lesen, oder es erfolgte nach dem virtuellen Hilferuf keine Reaktion des Chat-Anbieters. Die derzeitige Rechtslage macht es den Behörden praktisch unmöglich, den Pädophilen ihr Handwerk zu legen.

Denn die Betreiber der Chatrooms und Foren, sind weder zur Speicherung noch zur Herausgabe der Daten verpflichtet. Deswegen fordert Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) vom Bundesjustizministerium die Einführung der Vorratsdatenspeicherung – doch die Berliner Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger stellt sich quer. Allerdings würde ein solches Gesetz auch nicht verhindern, dass die Täter auf Server im Ausland zurückgreifen und sich damit der deutschen Strafverfolgung entziehen. Zu allem Überfluss gibt nach verbreiteter Juristenmeinung bei ertappten Tätern zu viele rechtliche Schlupflöcher bei sexuellen Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren. So hätten Richter die Möglichkeit zu urteilen, dass sich die Verbote nicht auf das Internet beziehen – Übergriffe in Chatrooms blieben dann straffrei.

 

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