Über Volksbegehren hinaus Tipps im Alltag: So können Sie Bienen helfen

Bienen helfen - so geht's Foto: Petra Schramek

Was Verbraucher im Alltag für die Rettung der Bienen und anderen Insekten unternehmen können: Hier die Tipps von Experten.

Gleich vorneweg: Grundsätzlich geht es darum, für die Bienen Nahrungs- und Nistangebote zu schaffen sowie auf chemische Pflanzenschutzmittel zu verzichten.

Im Garten:

Wer einen Garten sein eigen nennen kann, hat verschiedene Möglichkeiten, Bienen zu unterstützen. Zum einen kann man eine Fläche im Garten schaffen, die man sich selbst überlässt und nur ein- bis zweimal im Jahr mäht. „Man sollte die Natur einfach gewähren lassen, vieles richtet sich von selbst“, sagt Hans Ritthaler, Fachbereichsleiter Naturschutz. Zusätzlich kann man auf der Blühfläche Wildblumen säen. Zum anderen kann man gezielt sogenannte Bienennährgehölze anpflanzen, die den Bienen als Nahrungsquelle dienen.

Diese Pflanzen eignen sich: Man sollte auf bienenfreundliche Blumen, Sträucher und Bäume zurückgreifen, die nektar- und pollenreich sind, empfiehlt Johannes Selmansberger, stellvertretender Vorsitzender der Bund Naturschutz Kreisgruppe Landshut. Das gilt für Blüten, die nicht gefüllt sind. Gefüllte Blüten, die aus reinen Blütenblättern bestehen, haben kaum Nährwert für Bienen. Nicht gefüllte Blüten hingegen sind reich an Pollen. Gut geeignet ist zum Beispiel die Buschrose Lupo, sagt der Experte.
Selmansberger empfiehlt außerdem einen Palmkätzchenbaum. Dieser hat hochwertige Pollen, die gut für Sandbienen sind. Auch eignen sich der Faulbaum, der eigentlich ein Strauch ist, und Obstbäume wie der Apfel-, Birn- oder Zwetschgenbaum. Viel Nahrung finden Wildbienen an Himbeer- und Johannisbeersträuchern sowie am Lungenkraut. Auch ein Staudenbeet bietet Nahrung für Insekten und macht nicht viel Arbeit. Platzsparend sind Schling- oder Kletterrosen, die die Hausmauer oder einen Rosenbogen hinaufklettern. Andere Gewächse wie Weintrauben kann man ein Spalier hochwachsen lassen. Beraten lassen kann man sich bei einer Gärtnerei oder Baumschule. Gerade eine Vielfalt an Pflanzen verwandelt den Garten in ein Eldorado für Insekten.

Was man unbedingt vermeiden sollte: Reine Steingärten ohne ein Fleckchen Grün, die Selmansberger als "Gärten des Grauens" bezeichnet. Unter den Steinen befindet sich Fließ, das den Boden in eine Wüste verwandle. So wird den Wildbienen Lebensraum genommen, denn drei Viertel der Arten nisten im Erdboden. Anstelle von Schotter- sollte man besser Sandflächen anlegen. Es reiche auch schon der Sandkasten, wenn die Kinder schon zu alt dafür sind. Darin können die Wildbienen Gänge graben, in denen sie nisten.

Das wichtigste Gebot: Für den Experten: auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. "Gift im eigenen Hausgarten braucht keiner", sagt er. Auf dem Balkon Wer keinen Garten, aber einen Balkon hat, kann auch dort bienenfreundliche Pflanzen in Kästen oder Kübeln säen. Bienen mögen blütenreiche Kräuter wie Strauchbasilikum, Thymian oder Oregano. Was Blumen betrifft, so kann man zum Beispiel Glockenblumen auf dem Balkon anbauen, auf die viele Wildbienenarten spezialisiert sind. Weitere für Bienen attraktive Blumenarten sind Borretsch, Kapuzinerkresse, Klee, Kornblume, Malve, Phazelie, Ringelblume und Winterheide.

Nisthilfen:

Nisthilfen: Im Garten wie auch auf dem Balkon bietet es sich an, Nisthilfen, sogenannte Insektenhotels, anzubringen. Das sind Hartholzblöcke mit Löchern, in die hohle Bambus- oder Schilfrohre gesteckt werden können. Diese Nisthilfen kann man entweder fertig kaufen oder selber basteln. Allerdings gibt es einige Punkte, die man beachten sollte, um eine geeignete Unterkunft für Bienen zu finden beziehungsweise zu bauen. Infos dazu gibt es unter www.wildbienen.info. Ein Viertel der Wildbienenarten nistet in Hohlräumen oder eben in solchen Nisthilfen, wenn sie denn vorhanden sind.

Blühflächenpatenschaft: 

Manche Kreisverbände des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) stellen derzeit Projekte für Blühflächenpatenschaften auf die Beine. So auch im Landkreis Landshut. Bisher beteiligen sich daran rund 80 Landwirte. Sie stellen einen Teil ihrer Flächen für die Aussaat von Blühmischungen zur Verfügung. Interessierte können dafür eine Patenschaft übernehmen. Der Landwirt verpflichtet sich im Gegenzug dazu, auf dieser Fläche eine Blühmischung auszubringen und diese Fläche nicht anderweitig zu nutzen.

Eine Blühflächenpatenschaft kann man ab 100 Quadratmeter für 50 Euro im Jahr übernehmen. Der Blühpate erhält eine Urkunde und eine Feldtafel. „Ziel ist es, viele kleine Flächen zu schaffen und damit überall Nahrung für Insekten zu bieten“, sagt BBV-Kreisobmann Georg Sachsenhauser.Zu Blühflächenpatenschaften des BBV veranstaltet der Kreisverband Landshut eine Infoveranstaltung am kommenden Donnerstag, 7. März, um 19 Uhr im Gasthaus Luginger in Mirskofen. Dazu sind alle Bürger eingeladen, die Interesse an einer Patenschaft haben, sowie alle Landwirte, die bereit sind, eine Fläche zur Verfügung zu stellen.
Außerdem können sich Interessierte per E-Mail an: bluehpatenschaften-la@bayerischerbauernverband.de oder bei der BBV-Geschäftsstelle Landshut unter % 0871/601510 melden.

Dass auch die Stadt Landshut ihren Teil zum Erhalt der Artenvielfalt leisten soll, fordert unter anderem die SPD-Fraktion und hat jüngst einen Antrag auf Wildblumenwiesen gestellt. Demnach sollen entsprechende Flächen des Landshuter Stadtparks künftig als Wildblühwiesen genutzt werden, um im innerstädtischen Bereich Blühwiesen als Nahrungsgrundlage zu schaffen.
Der Antrag soll im nächsten Bau- und Umweltsenat thematisiert werden. Margit Urban, Leiterin des Stadtgartenamts, sagt dazu: "Wir sind dabei, die Möglichkeiten auszuloten, wo solche Blühflächen Sinn machen würden." Da der Stadtpark auch weiterhin zur Freizeitgestaltung genutzt werden soll, müsse beides in Einklang gebracht werden.

Bio-Lebensmittel:

Wer dazu beitragen will, dass in der Landwirtschaft weniger Pestizide eingesetzt werden, der sollte auf ökologische Produkte zurückgreifen. Der Ökoanbau soll bis 2030 auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ausgeweitet werden, so die Forderung des Volksbegehrens. Das gehe nur, wenn ein entsprechender Absatz von Bio-Lebensmitteln vorhanden ist, sagt Selmansberger vom Bund Naturschutz.

Bio-Produkte bekommt man mittlerweile schon beim Discounter. "Diese sind meistens aber nicht aus der Region", warnt der Experte. Lange Lieferwege belasten die Umwelt zusätzlich.

Für diejenigen, die sich kein Bio-Obst leisten können, hat Selmansberger einen einfachen Tipp: Es gibt genügend Streuobstwiesen in und um Landshut. Die Obstbäume tragen oft mehr Früchte, als die Besitzer verwerten können. "Einfach hingehen und fragen, ob man sich Früchte vom Baum oder vom Boden nehmen darf", rät Selmansberger.

Imkern: 

Wer in Sachen Bienenrettung noch einen Schritt weiter gehen will, der kann unter die Hobby-Imker gehen. Das erste, was man tun sollte, ist, ein Gespräch mit den Nachbarn suchen, rät Barthl Frey, Vorsitzender des Landshuter Imkervereins. Haben diese nichts dagegen, gilt es, sich das fachliche Know-how anzueignen. Dazu bietet beispielsweise der Imkerverein Anfängerkurse an.
Bevor man mit der Bienenhaltung startet, ist noch der Gang zum Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – dort erhält man eine landwirtschaftliche Betriebsnummer – sowie zum Veterinäramt nötig. Ein Bienenvolk holt man sich am besten bei einem erfahrenen Imker aus der Region, empfiehlt Frey.

Wer kein eigenes Bienenvolk im Garten halten will, kann auch eine Bienenpatenschaft bei einem Imker übernehmen. Diesen unterstützt man mit einem Geldbetrag und erhält im Gegenzug Honig. Der Imkerverein Landshut überlegt, solche Patenschaften ab nächstem Jahr anzubieten.

Regionaler Bienenhonig sollte beim Kauf die erste Wahl sein. Dazu rät auch Frey, denn: "Honig lässt sich importieren, Bestäubung nicht."

 

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