Über eine halbe Tonne Marihuana Zoll präsentiert Drogenfund mit Millionenwert

550 Kilogramm Marihuana: Dem Zoll gelang bei Hof ein großer Schlag gegen Drogenschmuggler. Foto: cel

Der Zoll hat in München einen ungewöhnlich großen Marihuana-Fund präsentiert. Die über 500 Kilogramm haben einen Milionenwert, versteckt waren sie in einem Lkw. Die Drogen werden verbrannt.

 

München - Wer an diesem Mittwoch den Konferenzsaal des Hauptzollamts München betrat, wurde von einem durchdringenden Geruch empfangen, den man sonst eher mit Studenten-WGs assoziiert. "Wir riechen es mittlerweile bis ins nächste Stockwerk", scherzte auch prompt ein Zöllner. "Es" ist in diesem Fall der Geruch eines gigantischen Bergs feinsten Marihuanas aus albanischem Anbau.

Den Rekordfund hatten Zollbeamte bereits am 21. Dezember 2016 auf der A9 in der Region Hof gemacht. Auf Höhe der Anschlussstelle Naila war den Fahndern ein Lkw aufgefallen, den sie für eine Kontrolle stoppten. Abseits der Autobahn wurde der verdächtige Lastwagen dann mit Hilfe einer mobilen Röntgenstation des Zolls genauer untersucht und schnell zeigte sich, dass mit dem in Serbien zugelassenen Fahrzeug etwas nicht stimmte: Hinter dem Fahrerhaus zeigte das Röntgenbild einen dunklen Bereich, der mit der Bauweise des Lkw nicht vereinbar war.

Nach Anlegen des Meterstabs stand schließlich fest: Innenmaß und Außenmaß des Fahrzeugs weichen deutlich voneinander ab. Grund dafür war eine künstliche Wand, die einen rund neun Kubikmeter großen Hohlraum zwischen Ladefläche und Fahrerkabine schuf. Und in diesem Hohlraum lagerten Pakte voller Marihuana. Genaugenommen 16 Kartons und 11 Sporttaschen sowie diverse lose Päckchen Marihuana mit einem Bruttogewicht von rund 550 Kilogramm.


Verräterisches Röntgenbild: Der gut gefüllte Hohlraum hinter dem Fahrerhaus ist beim Durchleuchten klar erkennbar.

Drogen von "unglaublich guter Qualität"

Es handelt sich damit um einen der größten Drogenfunde in Bayern in den letzten Jahren. Das zeigt auch ein Blick in die Statistik: 2016 wurden in ganz Deutschland sechs Tonnen Drogen aller Art beschlagnahmt. 550 Kilogramm davon stammen allein aus dem einen Treffer bei Hof. Entsprechend hörte man bei der Vorstellung des Fundes auch von Fahndern mit zig Dienstjahren immer wieder Formulierungen wie "so was habe ich bislang selten gesehen" oder "das ist ein sehr bedeutender Fall".

Das "Gras" sei dabei von "unglaublich guter Qualität", erklärt Norbert Drude, der Leiter des Zollkriminalamts. Der THC-Gehalt schwanke zwischen 10 und 16 Prozent, ein äußerst hoher Wert. Angebaut wurde das Marihuana in Albanien, wie Tests mittlerweile ergeben haben. Keine Seltenheit, so Drude, inzwischen komme ein Großteil des nach Westeuropa eingeführten Marihuanas von dort über die Balkanroute zu uns. Den Straßenverkaufswert beziffert er mit rund fünf Millionen Euro.

Gegen den 61-jährigen Lkw-Fahrer aus Serbien wurde am 16. Mai 2017 beim Amtsgericht Hof Anklage erhoben, ein Termin für den Prozessbeginn steht aber noch nicht fest. Dem Drogenkurier drohen nun mindestens zwei Jahre Haft.

Bis zum Ende des Verfahrens stehen die Strafverfolgungsbehörden nun vor einem kuriosen Problem: Der Fund ist eigentlich viel zu groß für eine klassische Asservatenkammer. "Wir werden wohl ein wenig stopfen müssen", merkt Reiner Laib, Leiter der Staatsanwaltschaft Hof, amüsiert an. Erst wenn das Urteil eines Tages rechtskräftig ist, können die Drogen vernichtet werden. "In einer Müllverbrennungsanlage", erklärt Laib und fügt augenzwinkernd an: "Unter genauer Kontrolle – damit nicht ein Gramm abhandenkommt."

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