TV-Produzent tot "Derrick"-Produzent Helmut Ringelmann ist tot

Der Produzent von Erfolgsserien im Fernsehen wie "Der Kommissar", "Der Alte" und "Derrick", Helmut Ringelmann, in seinem Büro in Geiselgasteig bei München mit seiner Sammlung von Bambies. Foto: dpa

Mit dem "Kommissar" schrieb er Fernsehgeschichte, "Derrick" und "Der Alte" machten ihn weltberühmt: Helmut Ringelmannist tot. Der TV-Produzent ist überraschend im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Grünwald gestorben. Eine Würdigung.

Grünwald - Helmut Ringelmann, Deutschlands größter Fernseh-Produzent, war nie blauäugig, obwohl er eine blaue Brille trug. Bei Morden kannte er sich aus. Bestimmt 1000 Verbrechen waren seine Fernsehkommissare auf der Spur. Als souveräner Mann am Set beherrschte er über fünf Jahrzehnte die deutsche Fernseh-Szene und sein Trophäenschrank quoll vor lauter Auszeichnungen und Ehrungen über. Beim ZDF war er Großlieferant. Der Vollprofi für Krimi-Dauerbrenner wie „Der Kommissar“ mit Erik Ode (97 Folgen), „Derrick“(281) mit Horst Tappert sowie Fritz Wepper und „Der Alte“ (322) mit Siegfried Lowitz und Rolf Schimpf sowie „Siska“ mit Peter Kremer ist in seinem Grünwalder Haus überraschend im Alter von 84 Jahren gestorben.

Im Sonntag-Nachtdienst holte der graue Wagen einer Münchner Bestattungsfirma den Leichnam des Fernseh-Unternehmers ab.

Ringelmann, seit 25 Jahren in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Evelyn Opela – seiner großen Liebe – verheiratet, hatte vor kurzem sein TV-Imperium „Neue Münchner Fernsehproduktion“ an die geschiedene Frau von Sportwagenhersteller Wolfgang Porsche verkauft. In erster Ehe war Helmut mit Lilo Altmann verheiratet, mit der er Sohn Tobias hat.

TV-Urgestein Ringelmann war bekannt dafür, nur die erste Garde an Schauspielern zu besetzen, darunter Curd Jürgens, Hildegard Knef, Helmuth Lohner oder Joachim Fuchsberger. Auch aufstrebenden Jungschauspielern wie Martin Semmelrogge, Sascha Hehn oder Ingrid Steeger verhalf er durch Auftritte in seinen Produktionen zum Durchbruch. Seinem Team gegenüber zeigte sich der Produzent jeweils an Weihnachten besonders spendabel. Dem Freundeskreis gegenüber signalisierte er mit dem Versand köstlich schmeckender Christstollen seine langjährige Verbundenheit. Die Ringelmann- Partys mit Caterer Käfer waren legendär und seine Gäste gehörten der A-Liste der Gesellschaft an.

Das Showbiz-Handwerk lernte Ringelmann bei Martin Held, der ihm auch Schauspielunterricht erteilte. Helmut war Regie-Assistent bei Theater-Regisseur Heinz Hilpert und später Aufnahme- und Produktionsleiter zum Beispiel bei Star-Regisseur Stanley Kubrick, als er 1957 seinen berühmten Film „Wege zum Ruhm“ drehte. In den 60er Jahren machte er sich selbstständig und gründete seine „Neue Münchner Fernsehproduktion“, später die „Telenova“.

Gern reiste Ringelmann zum Ausspannen nach Rom, wo er das Hilton-Hotel wegen seines großen Swimmingpools bevorzugte. Als Bonvivant liebte er die Genüsse des Lebens und legte auf gute Küche großen Wert. Deshalb ging er gern in die Feinschmecker-Restaurants „Boettner“ und „Käfers Schänke“. Zu seinen Lieblingsspeisen zählte Pot au Feu mit Mark. „Das ist für den Knochenaufbau wichtig“, meinte er. Beim Herrenausstatter „Harry’s“ kleidete er sich von Kopf bis Fuß ein. Wenn er das Geschäft betrat, schlug ein Monatsumsatz zu Buch.

Sein schönstes Hobby war Drehbuchlesen. Das Wort „Ruhestand“ wies der Krimi-Fabrikant immer weit von sich. „Ich hänge an meinem Beruf, das ist so spannend“, sagte er noch im letzten Jahr.

Mir gab Helmut Ringelmann auch mal eine Zwei-Sekunden-Gastrolle in dem Straßenfeger-Drei-Teiler „Der Tod läuft hinterher“. Blacky Fuchsberger spurtet in dem Film einem Gangster hinterher und macht im Getümmel von hinten den falschen Mann dingfest – nämlich mich.

Michael Graeter

 

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