TV-Kritik "Tschiller - Off Duty": So ist der "Kino"-Tatort von Til Schweiger

Action über den Dächern von Istanbul: Nick Tschiller (Til Schweiger) in einer Szene des "Tatort". Foto: picture alliance/Nik Konietzy/NDR/Warner Bros./ARD/dpa

"Tschiller - Off Duty" von und mit Til Schweiger: nach dem Flop im Kino nun also im TV und zwar auf auf dem gewohnten "Tatort"-Sendeplatz. Der 130-Minuten-Streifen in der AZ-Kritik.

 

Im Jahr 2016 lief  "Tschiller - Off Duty" von und mit Til Schweiger in den Kinos. Der Film flopte, lediglich 280.000 Besucher kamen in die deutschen Filmtheater. Im TV ist das Krimi-Kultformat ja eigentlich in der Sommerpause. Für den Sonntag nun setzte das Erste den Action-Kracher auf den gewohnten "Tatort"-Sendeplatz (ARD, 20:15 Uhr). Zu recht? Die AZ-Kino-Kritik zum Nachlesen.

"Tschiller - Off Duty" - Die Kritik zum "Tatort" mit Til Schweiger

Kein klassischer Vorspann mit Doldinger-Musik. Uns empfangen moderne, unruhige Beats. Denn Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger) soll einfach nicht zur Ruhe kommen.

Nach der Ermordung seiner Ex-Frau ist nun auch Tochter Lenny (Luna Schweiger) spurlos verschwunden. Die junge Dame ist auf eigene Faust aufgebrochen, den Tod ihrer Mutter zu rächen. Aber obwohl Lenny ihr Vorhaben raffiniert geplant hat, gerät sie in Istanbul in die Fänge einer kriminellen Bande. Tschiller begibt sich sofort auf die Suche, begleitet von seinem Freund und Kollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim). Er hechtet über Häuserschluchten, stürzt sich in Zweikämpfe und kommt mit einem Mähdrescher auf dem Roten Platz in Moskau an. Istanbul ist erst das erste Ziel der Hatz durch eine Welt, in der auch das Verbrechen globalisiert ist.

Nicht zum ersten Fall findet der "Tatort“ den Weg ins Kino. Vor rund 30 Jahren war mit Schimanski (Götz George) schon ein unkonventioneller Kommissar vor ein Publikum getreten, das seine Gebühren für "Zahn um Zahn“ nicht zähneknirschend zwangsweise, sondern freiwillig an der Kinokasse zahlte. Mit "Zabou“ folgte wenig später ein zweiter, weniger erfolgreicher Kino-"Tatort“. Und jetzt also "Tschiller: Off Duty“ – kein "Tatort“, sondern ein Action-Thriller.

Til Schweiger - kein anderer könnte dieses Szenario schultern

Christian Alvart ist ein deutscher Filmemacher, der schon mit den Horror-Thriller "Fall 39“ mit Renée Zellweger und den Science Fiction "Pandorum“ mit Dennis Quaid drehte. Mit diesem Kino-"Tatort“ scheint der Hesse seine Bewerbung für die nächste „James Bond“-Regie abzugeben. Allerdings mit einem Budget von neun Millionen Euro, das der Portokasse eines 007-Abenteuers entspricht. Die Kunst dabei: Die Actionsequenzen stehen Hollywood in nichts nach. Und weil die Jagd global wird, ist jeder Vergleich mit der Provinz-Spannung der TV-"Tatorte“ hinfällig.

Man kann Til Schweiger mögen oder auch nicht. Aber es bleibt schwer vorstellbar, dass ein anderer deutscher Kollege dieses Szenario überzeugend schultern könnte. Und Fahri Yardim ist als Begleiter für den Humor zuständig, der mit richtigem Timing Pointe um Pointe liefert. Bis wieder scharf geschossen wird. Dieser Film ist einer der gelungenen deutschen Beiträge zum Action-Genre mit all seinen unterhaltsamen Stärken und inhaltlichen Schwächen. Und mancher scheinbar flapsige Kommentar wagt sogar ein keines Stück Gesellschaftskritik.

Diese Kritik erschien erstmals am 4. Februar 2016 in der Printausgabe der Abendzeitung

 

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