TV-Kritik "Tatort: Falscher Hase": Kalter Retrokrimi mit toller Ausstattung

, aktualisiert am 02.09.2019 - 09:40 Uhr
Lukas "Sahni" Sander (Ronald Kukulies, li.), Uwe Ohlberger (Godehard Giese) und Rick (Friedrich Mücke) "planen" ihren Coup. Foto: Bettina Müller/HR/dpa

Die Tatort-Episode "Falscher Hase" am Sonntag in der ARD changiert zwischen Gesellschaftssatire, "Fargo"-Filmadaption und Retrokrimi. Die Handlung selber bleibt aber blass.

 

Kalt ist es in diesem "Tatort", im Polizeirevier und draußen in der Provinz, wo Brix (Wolfram Koch) und Janneke (Margarita Broich) ihren Fall lösen müssen. Und kalt ist auch der Kriminalfall, der so vorhersehbar und langatmig ist, dass selbst die penibel ausgesuchten Reminiszenzen an die 80er-Jahre bei Ausstattung, Kostümen und Musik nur schwerlich trösten.

Darum geht's im Tatort "Falscher Hase"

Der Fall ist schnell erzählt: Ein Familienunternehmen kann nicht mehr mit der chinesischen Konkurrenz mithalten. Also beschließt Biggi (Katharina Marie Schubert), ihrem Hajo (Peter Trabner) ins Bein zu schießen und das ganze wie einen Raubüberfall aussehen zu lassen. Der klassische Versicherungsbetrug. Blöd nur, dass ausgerechnet in dem Moment des Schusses ein langjähriger Mitarbeiter ins Büro kommt. Zack, hat Biggi ihm eine Kugel zwischen die Augen gejagt. So präzise, dass die Kommissare später natürlich auf organisiertes Verbrechen schließen. Dass Biggi früher Schützenkönigin war und deswegen besser zielt als jeder Auftragskiller, gehört zu den vielen Unglaubwürdigkeiten dieses Films (Buch und Regie: Emily Atef).

Unterkühlte Story im Tatort

Und während also Brix und Janneke durch die hessische Nebelsuppe stapfen, wabert der Film so vor sich hin. Kaum zu übersehen in der Bildsprache angelehnt an "Fargo" der Coen-Brüder. Leider wird aber weder die Liebesgeschichte des Betrügerehepaars wirklich glaubwürdig erzählt, noch der Nebenplot des Delikatessenhändlers, der (natürlich!) nebenher und über unlogische Wendungen illegale Geschäfte mit den seltenen Erden aus Biggis Firma macht und dessen Frau sich seinen kleinen Bruder (ein blondierter Friedrich Mücke) als Sexspielzeug hält.

Und dass Biggi, die eigentlich nur aus hehren Zielen heraus Geld von der Versicherung ergaunern wollte, am Ende als Dreifachmörderin dasteht, ist dann doch zu viel des Guten. Der Tatort ist eben nicht Hollywood.

Die erkaltete Sehnsucht nach vergangener Größe und der eigenen Sorglosigkeit in den Achtzigern: Sie kommt hier einzig erfreulich vor in den Momenten, in denen Jennifer Rush, Johnny Logan oder Don Henley für die musikalische Untermalung sorgen. Ansonsten bleibt dieser Retrokrimi sehr unterkühlt.

 

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