TV-Kritik "Krieg im Kopf": Unglaubwürdige Gehirn-Experimente im Lindholm-"Tatort"

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) testet den Exo Scull 23, einen neuartigen KI-Gefechtshelm der Bundeswehr. Foto: NDR/Manju Sawhney

Charlotte Lindholm ermittelt in Göttingen zwischen alternden Ex-CIA-Forschern und omnipotenten MAD-Agenten. Wenig glaubhaft. Die AZ-Kritik zum Krimi im Ersten.

 

Der Anfang ist eigentlich noch das Beste an diesem "Tatort". In der Episode "Krieg im Kopf" steigen wir mit einer veritablen Geiselnahme durch einen Ex-Soldaten ein, der Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im Göttinger Polizeipräsidium ein Messer an den Hals hält. Lindholms neue Kollegin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) rettet sie mittels präzisem Schuss in die Schläfe des Angreifers.

Während der Geiselnahme erzählt der Ex-Soldat etwas von Stimmen in seinem Kopf, die ihn lenken wollen – und die die Polizistinnen finden sollen. Posttraumatische Belastungsstörung denkt man an dieser Stelle, denn der Bundeswehrler war in Mali im Einsatz. Bei einer Patrouille unter seinem Kommando ging etwas schief, nur vier der zehn Kameraden kamen lebend zurück. Zwei von ihnen begingen wenig später Suizid. Weil Lindholm und Schmitz nach dem Rettungsschuss im Haus des Toten auch noch dessen erdrosselte Ehefrau finden, deutet alles darauf hin, dass nun auch der dritte Ex-Kombattant durchgedreht ist.

CIA, MAD, und der Exo Scull 23

Tja, der Krimi dreht dann allerdings in eine ganz andere Richtung ab (Buch: Christian Jeltsch, Regie: Jobst Christian Oetzmann). Denn auch Schmitz hört nach ihrem Schuss auf einmal Stimmen im Kopf. Und so arbeiten sich die beiden unterschiedlichen Frauencharaktere tiefer hinein in den Auslandseinsatz der Bundeswehr und kommen einer ganz großen Sache auf die Spur.

Verstrickt sind in den Fall ein Hirnforscher, der ganz früher mal für die CIA geforscht hat, dann für eine Rüstungsfirma tätig war und nun auf deren Kosten im Altersheim ein paar schlaue Sätze sagen darf, der MAD und eine High-Tech-Rüstungsfirma. Es geht um Voice-to-skull-Experimente, Folter-Ultraschall-Waffen samt Mindcontrol-Techniken und den Exo Scull 23, einen neuartigen KI-Gefechtshelm made in Hannover, der in Mali heimlich getestet wurde und aussieht wie von Playmobil.

Leider gelingt es diesem "Tatort" nicht, wenigstens einen der drei angeschnittenen Erzählstränge wirklich glaubhaft und tiefergehend zu Ende zu erzählen. Immerhin: Die Schluss-Szene mit der Soldatin (Katharina Schlothauer), die als Letzte der Mali-Truppe am Leben geblieben ist und für die Auflösung sorgt, bleibt noch am eindrucksvollsten im Kopf.

 

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