TV-Film "Der beste Papa der Welt" Ex-"Tatort"-Star Oliver Mommsen: "Ich bin da, wo ich hinwollte"

"Der beste Papa der Welt" (v.l.): Schauspieler Oliver Mommsen (Rolle: Clemens Hoffmann) posiert mit seinen Filmtöchtern Alice Prosser (Kristina), Felix Staudigl (Benni) und Isabel Steszgal (Judy) Foto: ARD Degeto/Mona Film/Philipp Brozsek

Schauspieler Oliver Mommsen ist in der Nach-"Tatort"-Phase angekommen. Wie es ihm damit geht, verrät er im Interview zum neuen Film "Der beste Papa der Welt".

 

Schauspieler Oliver Mommsen (50, "Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo!") war in diesem Jahr zum letzten Mal als Bremer "Tatort"-Kommissar Nils Stedefreund zu sehen. Am heutigen Freitag glänzt er nun in einer seiner neuen Rollen. In dem bewegenden Film "Der beste Papa der Welt" (13.12., 20:15 Uhr, das Erste) von Regisseur Sascha Bigler (51, " München Mord: Leben und Sterben in Schwabing") spielt er einen Vater wider Willen. Denn nach dem Tod seiner Schwester wird der erfolgreiche Mediziner zum alleinerziehenden Adoptivvater dreier Kinder - obwohl er eigentlich ganz andere Pläne hatte...

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät Oliver Mommsen, warum er bei diesem Filmprojekt unbedingt mitmachen wollte. Er erzählt aber auch, wie er inzwischen über seinen "Tatort"-Ausstieg denkt.

Was hat Sie an diesem Filmprojekt gereizt?

Oliver Mommsen: In dem Film geht es um einen Schicksalsschlag, der wirklich ins Mark trifft: Eine Mutter kommt ums Leben und hinterlässt drei Kinder... Wir erzählen die Geschichte aber nicht deprimierend, sondern so, dass man eventuell an einigen Stellen nicht weiß, ob man weinen soll oder lachen kann. Diese Form der Unterhaltung gibt dem einen oder anderen vielleicht ein bisschen Mut, auch schlimme Themen mit etwas mehr Leichtigkeit und Humor anzugehen.

Ein weiterer Aspekt: Ich liebe die Österreicher. Es ist einfach so, dass, wo wir Deutschen anfangen aufzuhören, weil wir sagen, "Nee, das kann man nicht machen", werden die Österreicher erst so langsam warm. Man sieht es an ihren Serien, ob "Braunschlag" oder "Vorstadtweiber" bis hin zu den Josef-Hader-Filmen. Alles, was sie anpacken, hat auch den Mut zum Wahnsinn. Und als einziger Piefke mitzuspielen, zwar in exponierter Position, aber umgeben von großartigen österreichischen Kollegen, das waren schon auch tolle Aussichten.

Der dritte Grund ist, dass ich selber Papa und trotzdem ein Kindskopf geblieben bin. Insgesamt war bei dem Projekt also eine Menge, was bei mir gezündet hat.

Regisseur des Films ist Sascha Bigler. Wie haben Sie sich verstanden? Und haben Sie auch schon mal mit seiner Mutter, Christiane Hörbiger, gedreht?

Mommsen: Ich habe sogar zwei Filme mit seiner Mutter drehen dürfen, voller Respekt und mit absolutem Hochgenuss. Allerdings schwitzten danach meine Gehirnzellen, weil ich so aufgeregt war... Und Sascha ist so ein direkter, liebevoller Hammer-Typ, der einen als Regisseur komplett zum Mitdenken eingeladen hat. Wir haben die Geschichte ernst genommen, viel ausprobiert und gemacht, ohne alles zu zerdenken.

Jede Figur ist nachvollziehbar und lädt einen ein, emotional mitzureisen. Alles hatte so eine Leichtigkeit, dass du abends ins Bett gegangen bist und dich schon auf den nächsten Drehtag gefreut hast. Das ist absolut Saschas Verdienst und das hat uns alle sehr zusammengeschweißt.

Wie war es mit den drei Kindern am Set?

Mommsen: Ich bin eigentlich kein uneingeschränkter Freund von Filmkindern, weil ein Filmset einfach auch ein knallharter Arbeitsplatz ist. Diesmal war es aber so, wie man es sich wünscht. Die Kinderbetreuung war extrem lieb und fachlich kompetent. Und weil Sommerferien waren, hatten die Kinder ohnehin oft ihre eigenen Familien in Krems an der Donau dabei. Wir waren eine große, fröhliche Filmfamilie, die hart gearbeitet hat, und trotzdem viel Spaß dabei hatte. Das Abschiedsfest war eines der schmerzhaftesten, das ich je erlebt habe.

Ihre Figur, Clemens, soll die Vaterrolle übernehmen, hadert aber sehr damit, ob sie das kann. Was macht Ihrer Ansicht nach einem guten Vater aus?

Mommsen: Ich glaube, das, was Clemens macht, ist genau das Richtige. Er macht Fehler. Er ist nicht perfekt, aber er will. Er holt sich zwar Bücher, aber ich glaube, dass er sie relativ schnell weggeschmissen hat. Er macht nicht Dienst nach Vorschrift und meint auch nicht, auf alles eine Antwort haben zu müssen. Er ist einfach Mensch.

Ich glaube, es ist das Wichtigste, dass Eltern nicht von oben herab die Familienfirma dirigieren, sondern dass man sich auf Augenhöhe begegnet, und das kann man auch schon mit einem Zweijährigen hinbekommen. Natürlich hat man die Verantwortung und natürlich gibt es Dinge, die man lernen muss, aber der Weg dahin führt am besten über Trial and Error: "Okay, das haben wir versucht, aber es war nicht so gut. Dann machen wir es jetzt eben anders..." Kinder zu haben, bedeutet nicht, dass du ein tolles Foto auf deinem Schreibtisch stehen hast. Du musst auch in den Schmutz - und das macht Clemens auch.

Eltern machen also Fehler und dürfen diese vor ihren Kindern zugeben, ohne ihre Vorbildfunktion einzubüßen?

Mommsen: Der Mensch macht Fehler. Manchmal hat man sogar das Gefühl, der Mensch ist ein Fehler. Keiner will Fehler machen, das ist schon klar. Was die Kinder betrifft, sind wir heutzutage in punkto Perfektionismus und Anspruch allerdings komplett am Durchdrehen. Wenn ich mir den Stundenplan meiner Tochter anschaue, frage ich mich schon, ob sie übermorgen ein Weltunternehmen führen soll oder ob sie einfach nur ihr Abitur machen darf? Es ist absurd. Und da finde ich gerade das Unperfekte sehr heilsam.

Ich würde sagen, dass Liebe und diese auch zu zeigen und zuzulassen, die wichtigste Voraussetzung ist. Dann kann man durchaus auch mal zugeben, dass man einen Fehler gemacht hat.

An einer Stelle im Film geht es um eine Playlist. Haben Sie sowas schon mal für einen Schwarm aufgenommen?

Mommsen: Ja, klar. Bei mir hieß das früher allerdings noch: ein Tape machen. Und ja, davon habe ich noch einen Schuhkarton voll im Keller. Wenn einen die Gefühle gerade irgendwohin katapultiert haben, hat man versucht, sich musikalisch auszudrücken und das mit demjenigen zu teilen... Die Diskussion im Film ist übrigens eine improvisierte Szene und ich stehe absolut hinter dem, was ich da als Clemens sage: "Ein Tape ist etwas ganz, ganz, ganz Persönliches." Und heute ist es eben eine Playlist, was es ja nicht mindert.

Sie sind im vergangenen Jahr aus dem "Tatort" ausgestiegen. Wie denken Sie heute darüber?

Mommsen: Sabine Postel und ich durften Stück für Stück und über Jahre hinweg diese Figuren entwickeln. In der Zeit durfte ich meinen Beruf auf hohem Niveau kennenlernen und ausüben. So konnte ich viel Fachwissen sammeln und eine Routine entwickeln, mit der ich mich pudelwohl fühle. Ich wollte diese sichere "Tatort"-Tür, mit der man schon auch etwas festgelegt ist, aber einfach mal zuknallen und schauen, was es da sonst noch gibt.

Und all das, was ich mir gewünscht habe, geht gerade auf wie so ein Feuerwerk: "Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo!" läuft im Kino, mit dem Theaterstück "Tanzstunde" haben wir Preise gewonnen und die höchsten Auslastungen seit Jahren im Winterhuder Fährhaus in Hamburg erspielt. Im kommenden Jahr wird ein Film kommen, in dem ich als autistischer Wolkenforscher zu sehen bin; den haben wir im Frühjahr gedreht. Ich bin in einer Episode der "Chefin" zu sehen, bei "Professor T." und ich drehe wieder in Österreich... Es ist wirklich sehr bunt. Und ich habe das Gefühl, dass ich da gelandet bin, wo ich hinwollte.

 

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