TSV 1860 Weitermaurern!

Reiner Maurer mit Guillermo Vallori. Foto: Sampics/Stefan Matzke

Trainer Reiner Maurer bleibt bis 2013 bei 1860 – weil er inmitten aller Krisen stets die Ruhe behält und vor allem den Sport im Fokus hat. So will er die Löwen „irgendwann in die erste Liga” bringen

 

MÜNCHEN Gefeiert hat er nicht, dazu blieb ihm auch gar keine Zeit. Denn gerade als Reiner Maurer beim TSV 1860 seinen Trainervertrag bis Sommer 2013 verlängert hat, war er auch schon wieder unterwegs. Als die Löwen am Montagabend gegen Energie Cottbus in die restlichen drei Monate ihrer Saison starteten, hatte ihr Trainer mal wieder ein vollgepacktes Wochenende mit lauter Fußballterminen hinter sich: Gegnerbeobachtung im Stadion (Ingolstadt gegen Düsseldorf), Videomitschnitte der Zweitligaspiele vor dem heimischen Fernseher, Training mit der eigenen Truppe – und ganz nebenbei folgte da ja noch die Verkündung seiner Weiterbeschäftigung. „Reiner Maurer ist ein sehr akribischer Arbeiter, das schätzen wir sehr”, lobt etwa Geschäftsführer Robert Schäfer: „Er denkt und lebt Fußball.”

Genau diese stoische Besinnung auf die Trainerarbeit, diese Besessenheit, jegliche Nebengeräusche auszublenden, um sich voll und ganz der Kaderentwicklung und Spielvorbereitung zu widmen – dieses Verlangen, den Gegner bis ins kleinste Detail zu studieren und das eigene Team auf die entsprechenden Konstellationen vorzubereiten – genau dies sind die Gründe, weshalb es die Löwen dem Allgäuer zutrauen, den Verein näher an das erhoffte Endziel erste Liga heranzubringen.

Maurer hat gewiss nicht immer geglänzt in seiner Zeit als Löwen-Trainer. Das war schon damals nicht so, als er von Dezember 2004 bis Januar 2006 für Sechzig verantwortlich war – und das ist auch jetzt nicht der Fall. Denn der Ex-Profi, wahrlich kein Mann der forschen Sprüche und niemand, der sich selbst gerne in Szene setzt, wird zwar wegen seines unspektakulären Auftretens nicht von allen Fans geliebt, doch seine Beständigkeit gibt ihm recht. Heute nämlich zehrt er davon, in den besonders hektischen Tagen – zum Beispiel im Herbst 2010 aufgrund des Punktabzugs und des Gehaltsverzichts, oder im Frühjahr 2011 wegen der akut drohenden Insolvenz – genau das gemacht zu haben, was er am besten kann: zielstrebige Fokussierung auf das Wesentliche. „Die eineinhalb Jahr waren eine schwere Zeit, das war für einen Trainer nicht immer förderlich”, sagte er nun – doch mehr gab es von ihm dazu nicht zu hören.

Vielmehr freut sich Maurer, dass er sich vieler Unbequemlichkeiten entledigt hat und nun erstmals mit Perspektive arbeiten kann – sein Vertrag läuft ja nun fast noch eineinhalb Jahre, und das gab es für ihn bislang noch nie. 2011 hatte man mit ihm erst am 22. April um ein Jahr verlängert.

Maurer hat bei 1860 vieles überstanden: Da waren die ständigen Meinungsverschiedenheiten mit dem ehemaligen Sportchef Miki Stevic, da waren die Kontroversen über die zur Selbstüberschätzung neigenden Ex-Löwen Savio Nsereko oder Florin Lovin, da war auch die eine oder andere sportliche Talfahrt, doch wenn man bedenkt, dass die Geschäftsführung bei Maurers Amtsantritt im Sommer 2010 noch aus Manfred Stoffers und später Robert Niemann bestand, dass damals der Präsident noch Rainer Beeck und sein Vize Michael Hasenstab hieß, dann erst wird bewusst, wie sich Maurer mit stoischer Ruhe im hektischen Trubel der Löwen behauptet hat. Und ganz nebenbei ist es ihm gelungen, mit einer Mannschaft, die zwar gutes Potenzial in sich birgt, die aber auch sehr dünn besetzt ist, die beste Saison seit dem Abstieg vor acht Jahren zu spielen und die Aufstiegsplätze noch in Sichtweite zu haben. Maurer hat es geschafft, dass in Sachen Trainer sogar Geschäftsführer Schäfer und Präsident Dieter Schneider ausnahmsweise mal einer Meinung sind.

Weitermaurern – so heißt es nun also bei den Löwen. Der Cheftrainer selbst hofft, „uns erst mal näher an die erste Liga heranzubringen und irgendwann in die erste Liga bringen”. Doch zunächst muss der Allgäuer mit 1860 nach dem Heimspiel gegen Cottbus in Aue ran – am Freitagabend. „Die Termine sind mir am liebsten”, sagt er, „dann haben wir nämlich unseren Teil schon erledigt und ich kann das Wochenende andere Gegner beobachten. Das macht aber nur Spaß nach einem eigenen Sieg.”

 

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