TSV 1860 testet gegen Basaksehir FK Löwen-Gegner wird massiv von Recep Tayyip Erdogan beeinflusst

Sein Klub testet gegen den TSV 1860: Recep Tayyip Erdogan, der türkische Staatspräsident. Foto: AZ/dpa/sampics/Augenklick

Der TSV 1860 wird im Trainingslager in Österreich auch gegen den türkischen Vizemeister Basaksehir FK Istanbul testen. Markant: Der Klub wird offen von Recep Tayyip Erdogan unterstützt und kommt aus einem Paradestadtteil des türkischen Präsidenten.

 

München/Istanbul - Recep Tayyip Erdogan hat sich in der Türkei ein regierungstreues Regime aufgebaut. Erdogan gilt in Deutschland wegen seines autoritären Stils und der Inhaftierung politischer Gegner als höchst umstritten. Und Erdogan hat sich einen Fußball-Club geschaffen, zu dem er engste Verbindungen hat - und gegen den die Löwen in ihrem Trainingslager nun testen werden.

Basaksehir huldigt Recep Tayyip Erdogan

Am 14. Juli geht es im österreichischen St. Johann gegen Basaksehir Istanbul. Jene Mannschaft, die dem türkischen Staatschef mit "Recep Tayyip Erdogan"-Sprechchören in der Kabine huldigt. 

Ein Rückblick: 2014 stieg der Klub aus dem Istanbuler Vorort in die Süper Lig auf, die erste türkische Liga. Noch 1990 war Basaksehir als Fußballverein der Istanbuler Stadtverwaltung gegründet worden. Nach dem Aufstieg veränderte sich alles: Der Klub bekam ein neues Stadion hingestellt, das hypermoderne Fatih Terim Stadion Basakksehir FK (Fassungsvermögen: 17.000 Zuschauer), benannt nach dem mehrmaligen türkischen Nationaltrainer - und Erdogan-Vertrauten - Fatih Terim.

Fan von Basaksehir FK: Recep Tayyip Erdogan (Mi.).Fan von Basaksehir FK: Recep Tayyip Erdogan (Mi.). Foto: imago/Depo Photos

Beim Eröffnungsspiel des Stadions lief Erdogan selbst im Basaksehir-Trikot auf, seine Mannschaft aus Funktionären siegte im Politiker-Duell 9:4, nachdem sie 0:3 zurückgelegen hatte.

Wirkt das noch als Randnotiz, ist bemerkenswert, dass die Nummer zwölf, die Erdogan damals trug, seither nicht mehr vergeben wird. 

Recep Tayyip Erdogan war Trauzeuge

Mehr noch: Wie das Fachmagazin "11Freunde" schreibt, stehen wesentliche Sponsoren Erdogan sehr nahe. So ist das Bauunternehmen Makro Insaat Trikotsponsor, die Firma hält angeblich enge Verbindungen zur Regierungspartei AKP. Weiter ist Erdogans Leibarzt und Vertrauter Inhaber des Krankenhausbetreiber, Basaksehir-Sponsors und -Namensgeber Medipol.

Im Video: Erdogan kickt im Basaksehir-Trikot

Vereinspräsident Göksel Gümüsdag ist wiederrum mit einer Nichte Erdogans verheiratet - der Staatspräsident war auf der Hochzeit Trauzeuge. Und: Der Stadtteil, Basaksehir, aus dem der Klub kommt und in dem die Mannschaft spielt, gilt als Muster-Stadtteil Erdogans, geprägt aus einer Verbindung von Tradition, Konsum und Islam. Kritiker nennen Basaksehir indes steril, konstruiert.

Kritiker werfen Basaksehir ferner vor, durch den ebenfalls Erdogan-nahen Verband TFF bevorzugt zu werden, sodass die Fairness auf der Strecke bleibt. Bemerkenswertes Beispiel war, als der damalige Kapitän Emre Belözoglu am Ende der Saison 2016/17 einen Streit mit einem Fan hatte und beim anschließenden Tumult Basaksehir-Profis mutmaßlich auf Journalisten losgingen.

Umstrittener Gegner für den TSV 1860

Basaksehir spielte damals noch um die Meisterschaft. Nationaltorwart Volkan Babacan war an dem Tumult beteiligt, wurde anschließend aber nur für ein Spiel gesperrt, während Ersatzspieler fünf Spiele aussetzen mussten. Der ehemalige Nationalspieler und heutige TV-Experte Ridvan Dilman wetterte damals im Fernsehen: "Wenn es keine Gerechtigkeit gibt, was bringt es dir dann, wenn du Meister wirst?"

Auf eben jenen umstrittenen Gegner trifft bald der TSV 1860. Es heißt immer, man müsse Politik und Fußball trennen. Doch gerade im Fall von Erdogan ist das sehr schwierig. Das zeigten jüngste, weitaus prominentere Beispiele im deutschen Fußball.

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Im Video: TSV 1860 gegen FC Bayern: Der Meister-Party-Vergleich

 

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