TSV 1860 Sieglos in der Liga, unbesiegt im Pokal

Enttäuschte Löwen-Gesichter nach der vermeidbaren Niederlage in Fürth. Foto: dpa

Sieglos in der Liga, unbesiegt im Pokal Die Löwen, die in der 1. Pokalrunde Hoffenheim ausgeschaltet haben, treten in Mainz an. „Das Spiel ist ein Geschenk“, sagt Kurt Kowarz. Ein Erfolg soll den Umschwung bringen – und 527 000 Euro

 

München - Nein, viel tiefer kann man nicht sinken. Der TSV 1860 ist am Boden angelangt. Nach der traurigen Demission von Relegations-Retter Torsten Fröhling sollte es Rekordtrainer Benno Möhlmann richten. Der verpatzte aber bekanntlich seine Premiere und musste sich in einer Not-OP die Gallenblase entfernen lassen. So kann er den Löwen nicht aus der Krise verhelfen – Trainerwechsel-Effekt passé.

Unter Möhlmann-Vertreter Kurt Kowarz setzte es im zwölften Liga-Spiel auch noch die bittere 0:1-Pleite in Fürth, nur das Torverhältnis rettet Sechzig, den Siebzehnten, bisher vor dem Absturz auf den letzten Tabellenrang. Tristesse pur. Da braucht es dringend einen Stimmungsaufheller.

Also kann eigentlich nur noch einer helfen: der Pokal! Der den Löwen das einzige Erfolgserlebnis der bisherigen Trauer-Saison beschert hat. Sieglos in der Liga, unbesiegt im Pokal! Vor dem heutigen Zweitrunden-Duell bei Bundesligist FSV Mainz 05 (19 Uhr, Sky) gab sich Kowarz vorsichtig optimistisch. „Das Spiel ist ein Geschenk. Wir können befreit spielen, denn es ist ein anderer Wettbewerb“, sagte der Übergangs-Chefcoach vor dem anstehenden Pokalkracher.

So aussichtslos die Lage in der Liga für die Sieglos-Löwen auch scheint, im Pokal hat’s 1860 schon bewiesen: Durch die Treffer von Daylon Claasen und Fejsal Mulic siegte Sechzig gegen 1899 Hoffenheim mit 2:0. Jetzt soll der nächste Bundesligist dran glauben. „Die Spieler können einfach mal Fußball spielen, die Tabelle vergessen, den Punktestand vergessen. Und vielleicht eine Sensation wahr machen“, hofft Kowarz, nicht zuletzt wegen der Siegprämie von 527 000 Euro. Für die klammen Löwen eine Menge Geld.

Eine Ausflucht aus der Liga-Depression ist auch aus anderen Gründen bitter nötig, denn langsam schlägt die Stimmung um. Schon nach dem 0:1 im Derby gegen Fürth echauffierte sich der zuvor in sich gekehrte Trainer-Vertreter Kowarz. Jetzt legte er nach: „Es gibt Spieler, die leben den Löwen mehr. Und es gibt Spieler, die leben den Löwen weniger“, sagte er: „Künftig, und da stimmen wir mit Benno überein, werden wir mit den Spielern arbeiten, die sich für Sechzig den Hintern aufreißen. Wir müssen einfordern: Wenn sich die Spieler gemeinsam verkaufen, wird das zum Erfolg führen. Da nutzt individuelle Klasse noch wenig. Jeder muss erstmal seine Basics erfüllen: Disziplin, Ordnung, Kompaktheit. Miteinander arbeiten.“

Damit die Löwen wieder reüssieren, soll ihnen dies vor Augen geführt werden. Seit Anfang der Saison existiert ein Imagefilm über den sensationellen Nichtabstieg in der Relegation gegen Kiel. In der laufenden Saison sieht’s mit Erfolgen mau aus, doch grade der Pokalsieg gegen Hoffenheim macht Mut: „Es gibt Dinge, die wir uns in Erinnerung rufen müssen: die Relegation, der Sieg gegen Hoffenheim, als wir ein gutes Spiel gemacht haben. Die Spieler dürfen sich nicht vergraben. Wenn ein Spieler ständig mit seinen Fehlern bombardiert wird, folgen die nächsten. Bei positiven Gedanken werden sie nicht wie ein geprügelter Hund den Platz verlassen. Das funktioniert nur, wenn man seine Fehler annimmt, aus ihnen lernen will.“

Wie schon gegen die Kraichgauer wird Pokal-Stammtorwart Stefan Ortega zwischen den Pfosten stehen (Kowarz: „Er brennt!“). Innenverteidiger Rodnei fällt wegen Oberschenkelproblemen aus. Übrigens: Wegen des so wichtigen Heimspiels am Sonntag gegen Schlusslicht MSV Duisburg, das bereits zu einem Mini-Abstiegs-Endspiel mutiert, werde man sich nicht schonen: „Nein, das wird nicht passieren. Wir fahren nach Mainz, um weiterzukommen.“ Und um auch für die Liga ein Fünkchen Hoffnung zu entfachen.

 

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