TSV 1860 Saisonstart der Löwen: Fünf Tage, fünf Fragen

Hat es Markus von Ahlen im Trainingslager geschafft, endlich ein Rudel aus den Löwen zu machen? Foto: sampics/Augenklick

Bis Montag hat 1860-Trainer Markus von Ahlen noch Zeit, um seine Mannschaft für die Rückrunde zusammenzuschmieden. Sind die Löwen gut gerüstet für den Abstiegskampf? Die AZ macht die Analyse

 

München - Der letzte Test ist absolviert. Jetzt liegt der ganze Fokus beim TSV 1860 auf dem Zweitliga-Start am Montag gegen Heidenheim. Fünf Tage, in denen Trainer Markus von Ahlen mit seiner Mannschaft noch an den Feinheiten arbeiten muss. Fünf Tage, in denen sich keiner mehr verletzen darf. Fünf Tage, bis die Löwen ihre Lehren aus dem letzten Jahr auf den Platz bringen müssen, um aus der Abstiegszone herauszukommen. Fünf Tage, bis es die Antworten auf die fünf entscheidenden Fragen geben wird.

1. Defensive ist Trumpf: Kehren die Löwen zur Funkel’schen Mauertaktik zurück? Am Dienstagabend gegen Unterhaching saß Frank Schmidt auf der Tribüne. Der Trainer des 1. FC Heidenheim dürfte nach 90 Minuten den Schluss gezogen haben: 1860 ist zur Defensiv-Taktik à la Friedhelm Funkel zurückgekehrt. Selbst gegen den Drittligisten Unterhaching wagte sich von Ahlens Team kaum aus der defensiven Grundordnung heraus, attackierte nur selten früh, presste den gegnerischen Spielaufbau nur selten hoch an. Vom Ballbesitz-Fußball des Sommers hat sich von Ahlen erst einmal verabschiedet. Im Abstiegskampf zählt nur eines: hinten dicht machen und mit schnellen Kontern zum Torerfolg kommen.

2. Kommunikation ist Trumpf: Sind die Löwen endlich ein Rudel geworden? Eine stabile Defensive ist allerdings nur dann stabil, wenn die Spieler auf dem Platz miteinander reden. Das war das große Manko der Löwen in der Hinrunde und auch beim 0:4 im ersten Test 2015 gegen Stuttgart II. Danach gab es einen dicken Anschiss, den sich die Spieler offenbar zu Herzen genommen haben. Auch neben dem Platz ist die Truppe enger zusammen gerückt. Das Trainingslager in Marbella hat die eingefahrenen Spielergrüppchen aufgebrochen.

3. As im Ärmel oder nur Ergänzung: Was bringen die Neuen? Jetzt gilt es, die drei Neuzugänge (Anthony Annan, Krisztian Simon und Jannik Bandowski) so schnell wie möglich zu integrieren. Annan und Simon sollen sofort helfen, Bandowski ist zunächst als Ergänzung eingeplant. Besonders Annan kommt eine wichtige Rolle zu. Er soll die neue Maschine im zentralen Mittelfeld werden, der dauerlaufende, passsichere Zweikämpfer mit Blick für die Defensive und seine Nebenleute. Überraschend, dass von Ahlen ihn weder gegen Videoton noch Haching neben Sanchez testete. Eine vertane Chance für die so wichtige Integration.

4. Von Stark bis Wood: Wie weh tun den Löwen die Winter-Abgänge wirklich? Sportchef Gerhard Poschner hatte viel zu tun in der Winterpause. Der Kader musste erheblich verkleinert werden. Dafür ließ er unzufriedene Spieler (Yannick Stark, Marin Tomasov, Grzegorz Wojtkowiak, Sebastian Hertner) gehen und brachte auch die aussortierten Bobby Wood und Markus Steinhöfer an den Mann. Kein einziger dieser Abgänge hinterlässt sportlich gesehen eine Lücke. Von Stark, der schlichtweg keine Lust mehr auf den TSV 1860 hatte, bis Wood, der trotz allen Talents nie beweisen konnte, dass er eine echte Hilfe für die Löwen sein kann.

5. Die Frage aller Fragen: Wer schießt die Tore für den Klassenerhalt? Lange sah es so aus, als ob die Löwen noch einen zentralen Stürmer holen würden. Voglsammer und Burgstaller hätten den lange angeschlagenen Rubin Okotie ersetzen können. Dieser ist immer noch nicht wieder voll bei Kräften. Von Ahlen setzt trotzdem auf Okotie, der sich immer zerreißt, sobald es um Punkte geht. Dass 1860 auf die Verpflichtung eines Ersatzes verzichtet hat, liegt an der fast schon wundersam schnellen Genesung von Stephan Hain. Dennoch: Die Löwen gehen damit ein Risiko ein. Kann Okotie seine Torquote nicht halten, droht 1860 im Sturmzentrum ein Vakuum, das so einfach nicht zu füllen sein dürfte.

 

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