TSV 1860 Nach dem Sieg gegen Union: Der Löwen-Wahnsinn

 Foto: Matthias Eicher / FC Bayern

Der TSV 1860 hat das Siegen gelernt, klettert in der Tabelle auf den sechsten Platz und lässt den miserablen Oktober vergessen. Bei den Löwen ist plötzlich alles anders. Wahnsinnig anders.

 

München -  Und dann bekam Dominik Stahl sein Lied. Nachdem der Mittelfeldspieler des TSV 1860 am Samstag mit seinem Kopfball zum 2:1 gegen Union Berlin getroffen hatte und die Löwen mit seinem vierten Tor nacheinander zum vierten Sieg hintereinander geführt hatte, sangen die Fans ein Lied auf Stahl. Ein Lied, das von der Melodie eigentlich auf Bobby Wood zugeschnitten ist.

Am Samstag aber kurzerhand umfunktioniert wurde. „Domi, Domi Stahl, Domi Stahl, Doooomi, Doooomi Stahal“, hallte es von den Rängen. Der Gefeierte hatte die Gesänge durchaus vernommen: „Das war das erste Mal, dass es Sprechchöre für mich gab. Das ist natürlich doppelt schön.“ Dass die Fans das Lied einfach umgedichtet hatten, fand der 25-Jährige nicht weiter verwunderlich: „Bobby Wood hat ja gleich viele Silben. Von dem her war das gar nicht so schwer.“

Deutlich schwieriger empfand es Dominik Stahl vier Tore in Folge erzielt zu haben. „Das habe ich vielleicht mal in F- oder E-Jugend beim SV Osterburken geschafft. Das ist Wahnsinn.“ Mit dem Sieg gegen Union Berlin ist bei den Löwen nichts mehr so, wie es noch vor einigen Wochen war. „Man hat sich schon über den Absturz in die Drittklassigkeit Gedanken gemacht“, sagte Yannick Stark.

Und jetzt das! Der Löwen-Wahnsinn in vier Teilen: Der Funkel-Wahnsinn: Er kam, sah – und siegte erstmal nicht, sondern hatte anfangs mit vielen Problemen zu kämpfen. Zu wenig Punkte, zu wenig Tore und die für die Löwen alltägliche Unruhe. Friedhelm Funkels Einstand als Trainer von 1860 hätte einfacher sein können. Doch der 59-Jährige verfiel nie in Aktionismus, arbeitete akribisch weiter – und handelte damit anders als seine Vorgänger.

Nach vier Siegen in Folge ist Funkel unantastbar, kann es sich als Einziger im Verein erlauben, Präsident Gerhard Mayrhofer und dessen Äußerungen zu kontern (wie im Fall Häßler). Funkel hat das ganze Umfeld mit seiner Ruhe angesteckt. Und ist damit die einzig wirkliche Autoritätsperson im Verein. Der Stahl-Wahnsinn: Seit Stahl die Löwen regelmäßig zum Sieg führt, ist alles anders. „Nach den Spielen ist viel mehr los“, fasst Stahl seinen fast schon zur Gewohnheit gewordenen Interview-Marathon zusammen.

Bei aller Euphorie um seine Person (siehe auch die Sprechchöre) bleibt Stahl zurückhaltend: „Wir haben uns mit den vier Sieg richtig von unten abgesetzt. Ich bin weiterhin vorsichtig.“ Für seine Mitspieler kommt der Stahl-Wahnsinn übrigens gar nicht so überraschend daher. Ob Moritz Stoppelkamp, Yannick Stark oder Kai Bülow – alle berichteten von den Stahl-Stärken, als seien diese alltäglich bei den Löwen. Der System-Wahnsinn: So verrückt war die Idee eigentlich gar nicht. Ein 4-1-4-1 spielen, wenn auch offensiver, auch die Bayern.

Funkel beorderte Kai Bülow zusätzlich ins Mittelfeld, gab Stahl und Stark mehr Freiräume nach vorne – und schon stehen die Löwen wesentlich kompakter. Und kommen zu mehr Chancen. Allen voran Stahl: „Das System tut mir gut.“ Findet auch Moritz Stoppelkamp: „Wenn man einen Lauf hat, soll man weiterlaufen. Ich kann ihm nur sagen: ’Renn, Domi, renn!’“ Der Punkte-Wahnsinn: 27 Zähler mit nur 16 Toren. Das gab es im deutschen Profifußball noch nie. 1860 setzt Maßstäbe. Und hat nach der Hinrunde seit 2008 noch nie so viele Punkte gehabt. Die Löwen so gut wie lange nicht mehr. Zumindest bis Montagabend ist Platz 3 nur einen Zähler weg. Ob das jetzt auch die Zuschauer registrieren? Gegen Berlin kamen gerade mal 18400.

 

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