TSV 1860 Musterlöwe aus der Kicker-WG

Illustration Foto: sampics/Augenklick

Mit Dominik Stahl haben die Löwen eine gute Punktausbeute. Hier erzählt er, warum er nebenher Italienisch lernt und mit welcher Musik er sich vor den Spielen heiß macht

 

AZ: Herr Stahl, zuletzt haben Sie sich bei 1860 wieder ins Team gekämpft. Haben Sie Ihrem Trainer Reiner Maurer denn schon gesagt, dass er Sie ja auch spielen lassen muss? Sie haben doch überragende Argumente.

DOMINIK STAHL: Klar, selbstverständlich. Ich glaube ja auch, dass ich uns gut weiterhelfen kann. Oder was meinen Sie?

Sie haben diese Saison sieben Mal gespielt, und fünf Mal gab es einen Löwen-Sieg. Eine tolle Quote, ein tolles Argument.

Ach, okay. Vielleicht könnte ich dem Trainer ja einfach mal einen Zettel mit der Statistik unauffällig in sein Fach legen. Das ist gar keine schlechte Idee. (lacht)

Zuletzt durften Sie wieder spielen, nachdem Sie zuvor lange nicht berücksichtigt worden waren. Wie sehr hat die Zeit an Ihnen genagt?

Sehr. Ich hatte mir ja eigentlich einiges für die Saison vorgenommen. Der Anfang lief auch gut für mich, aber dann war ich leider recht schnell raus, und die Mannschaft blieb zehn Spiele unbesiegt. Dass ich nicht mehr dran kam, konnte ich sogar ein Stück weit verstehen. Wenn man jeden Tag hierher zum Arbeiten kommt, aber am Wochenende, wenn’s am Hauptarbeitstag zur Sache geht, nicht dabei ist, dann zieht einen das ganz schön runter. Es war eine lange Durststrecke. Wenn man lange nicht spielt, dann fängt es im Kopf an zu arbeiten und man neigt dazu, an sich selbst Fehler zu suchen.

Kann man sich in der Freizeit ablenken?

Klar. Ich lese viel und um was für den Kopf zu machen, lerne ich ein bisschen Italienisch. Nach dem Abi 2008 ist das mal wieder eine echte Herausforderung. Ich lasse öfter italienische Sender laufen, ich verstehe immer mehr.

Ihr Trainer lobt Ihre Einstellung. Sie hängen sich sogar rein, wenn Sie zu den Amateuren müssen. Sind Sie bei 1860 der Musterprofi?

Das hört sich gut an! Ich wusste schon immer, dass mir im Berufsleben nichts geschenkt wird. Das war mir schon klar, als ich mit 15 hier ins Internat gekommen bin und damit ein steiniger Weg anfing. Wenn ich in der U23 spiele und der Trainer hört, dass ich mich da hängen lasse, dann hat er ja erst recht keinen Grund mehr, mich bei den Profis zu bringen. Hängenlassen werde ich mich nie.

Sie leben im Spiel von Ihrer Aggressivität. Wie machen Sie sich heiß vor dem Anpfiff?

Ich höre Musik, meistens Motivationslieder. Zum Beispiel von der Gruppe Two Steps from Hell, die machen viel Filmmusik. Das sind oft heroische Stücke. Als ich letzte Saison ganz neu dabei war, habe ich so was noch mehr gehört, jetzt wird es immer weniger. Den Nervenkitzel kriege ich mittlerweile auch so.

Sie kommen aus einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg, Osterburken. Bei Wikipedia steht unter „Söhne der Stadt“ nur Ihr Name. Das ist doch schon mal was, oder?

Definitiv, da bin ich stolz drauf. Ich komme ja aus einer sehr ländlichen Gegend, man braucht in jede größere Stadt mindestens eine halbe Stunde – deshalb war meine Kindheit sehr ruhig. Osterburken hat nur 6500 Einwohner.

Klingt nicht gerade nach der idealen Voraussetzung, um sich in einer Großstadt als Fußballprofi durchzusetzen.

Vielleicht nicht optimal, aber ich bin im Internat bei 1860 sehr gereift. Heute wohne ich mit Matthias Wittek, der beim FC Ingolstadt spielt, in einer WG. Wir haben zusammen am Theo-Linden-Gymnasium Abi gemacht und waren zusammen beim Bund. Da ist über die Jahre eine richtig gute Freundschaft entstanden.

Interview: Marco Plein

 

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