TSV 1860 München Trainer in der Kritik: Schonfrist für Moniz

Ricardo Moniz bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Darmstadt Foto: imago

 Der Löwen-Trainer gerät immer mehr in die Kritik. „Das ist reine Stimmungsmache und Polarisierung“, sagt er. Das Verhältnis zu Poschner bröckelt. Wettberg warnt: „... dann ist Feuer unter dem Dach“

 

München - Seit Sonntag ist der schlechteste Zweitliga-Start in der Geschichte des TSV 1860 Realität. Vier Spiele, kein Sieg, nur Tabellenplatz 16 nach dem 1:1 gegen Darmstadt.

Da gab es Redebedarf, da gab es Erklärungsbedarf. Und so lud Trainer Ricardo Moniz von sich aus zu einer außerordentlichen Presserunde ein. „Ich bin kein Diplomat, ich sage offen, was ich denke“, meinte der Trainer, der mit dem Anspruch der Meisterschaft in die Saison gegangen war, und nun nach dem Fehlstart bereits in der Kritik steht.

„Das Standing ist nach wie vor unverändert. Das ist genauso wie vor dem Spiel“, erklärte Sportdirektor Gerhard Poschner am Sonntag beim Fernsehsender Sky. Ein klares Bekenntnis verweigerte er. Auf die Frage, ob Moniz am 14. September gegen St. Pauli noch auf der Bank sitzt, antwortete Poschner: „Davon müssen wir alle ausgehen. Es gibt keinen Grund, darüber zu spekulieren.“ Eine Galgenfrist also für Moniz.

Der wehrte sich am Montag gegen aufkommende Spekulationen. „Das ist reine Stimmungsmache und Polarisierung. Es ist schade, wenn solche Gerüchte einen Prozess stören. So kann sich meine Philosophie nicht durchsetzen”, meinte der Coach. Doch wie gut ist das Verhältnis zwischen Moniz und Poschner noch?

Moniz forderte zuletzt lautstark mehr Qualität im Kader, statt das im stillen Kämmerchen mit Poschner zu klären. Der Sportdirektor wiederum sagte zu der Löwen-Krise: „Wir haben einen sehr, sehr gut bestückten Kader.“ An den Spielern liegt’s seiner Meinung nach also nicht. Drei Neuzugänge wurden noch geholt, doch richtig eingebunden schien der Löwen-Coach nicht gewesen zu sein. Erst unmittelbar zur Verkündung des Transfers wurde der Trainer wohl erst eingeweiht.

Dennoch stellte der Coach klar: „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu allen – auch zu Poschner. Wir haben fast jeden Tag Kontakt.“ Der Kontakt soll stimmen, das Ergebnis bisher auf keinen Fall.

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„Es ist noch keine Strategie zu sehen“, bemängelte auch Meisterlöwe Hans Rebele, der darauf hinwies, dass „kein Mannschaftsspiel und keine Harmonie im Team zu erkennen sind“. Für den Sechzig-Experten war Leonardo der einzige „Lichtblick“.

Auch Löwen-Legende Fredi Heiß war begeistert vom Brasilianer, weniger von seinen Löwen. „Das ist noch keine Mannschaft, so kann es auf Dauer nicht weiter gehen. Ich hab’ aber schon lange keinen so guten Spieler mehr bei den Löwen gesehen wie Leonardo.“

Die kommenden Aufgaben gegen St. Pauli und Ingolstadt werden „Schlüsselspiele“, meint Löwen-Legende Karsten Wettberg, „erst danach kann die Trainerleistung bewertet werden“.

Wettberg findet, dass sich Moniz mit seinen vollmundig verkündeten Meister-Ambitionen keinen Gefallen getan hat. „Sowas kannst du in München nicht machen“, sagte der Kult-Löwe, der weiter an Moniz glaubt.

Durch die späten Transfers und die Schwierigkeiten, zehn neue Spieler in die Mannschaft zu integrieren, müsse man Moniz Zeit geben. „Aber wenn es schiefgeht, ist Feuer unter dem Dach“, sagt Wettberg.

Damit sich auch die Neuzugänge noch in die Mannschaft spielen können, wurde am Freitag ein Testspiel einberufen. In Wörgl spielt Sechzig um 17 Uhr gegen Club Nacional, einen Erstligisten aus Paraguay.

Dabei können Valdet Rama und Rodri zeigen, was sie drauf haben – der dritte Neue, Martin Angha, ist nicht dabei, weil er für die Schweizer U21-Nationalmannschaft im Einsatz ist.

Moniz zumindest ist weiter von sich und seinem Konzept überzeugt. „Ich sehe das Glas immer halb voll und auch sonst viele positive Sachen.“ Immerhin einer.

 

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