TSV 1860 München Magath holt Kiraly: Servus, Schlabberhose!

Die Bilder von Gabor Kiraly bei den Löwen. Foto: imago

Was sich die letzten Tage schon abgezeichnet hat, ist jetzt fix: Torwart Gabor Kiraly, verlässt den TSV 1860, wechselt zum FC Fulham. Der Kult-Keeper mit der grauen Schlabberhose war über fünf Jahre bei den Löwen, machte 168 Spiele – und wagt mit 38 Jahren jetzt nochmal den Schritt nach England.

 

München - „Es ist absolut nachvollziehbar, dass Kiraly diese einmalige Herausforderung im Geburtsland des Fußballs annimmt. Aus Respekt vor ihm sind wir seinem Wunsch nachgekommen“, verkündete Sportdirektor Gerhard Poschner.

Neben Respekt ging es den Löwen wohl vor allem um eine Ablöse. Fulham und Kiraly waren sich schon länger einig, doch der TSV 1860 wollte seinen Leistungsträger nicht zum Nulltarif ziehen lassen. Über die genaue Ablöse wurde Stillschweigen vereinbart, Medienberichte sprechen von knapp 300 000 Euro.

Im Sommer 2009 war Kiraly von Bayer Leverkusen zu Sechzig gewechselt, hatte sich zuvor bei Hertha BSC einen Namen gemacht. Den englischen Fußball kennt er bestens: Von 2004 bis 2007 spielte er für Crystal Palace, anschließend zwei Jahre beim FC Burnley.

Ein langes 1860-Kapitel geht für Kiraly nun zu Ende. Fünf Jahre lang war er unumstrittener Stammtorhüter bei den Löwen – bis zu seiner Degradierung vor zwei Wochen. Beim Heimspiel gegen RB Leipzig (0:3) knüpfte er sich seinen Innenverteidiger Gary Kagelmacher vor, zog diesen an seinem zum Zopf gebunden Haaren.

Eine tätliche Aktion, die erst vom Schiedsrichter mit der Gelben und schließlich von Trainer Ricardo Moniz mit der Roten Karte geahnt wurde: Er verbannte den ungarischen Rekordnationalspieler kurzfristig in die zweite Löwen-Mannschaft. „Man kann miteinander verlieren, aber Respekt ist immer die Basis“, begründete Moniz seine Maßnahme. Nach der Begnadigung musste Kiraly dann allerdings auf der Bank Platz nehmen – Stefan Ortega ist seitdem die neue Nummer 1 im 1860-Kasten.

„Natürlich will ich immer zwei Top-Torhüter haben“, meinte Moniz noch am Montag, der aber wenig Verständnis für die angeblich fehlende Identifikation von Kiraly mit dem Verein hatte. „Wenn Kiraly gesagt hätte: ,Ich bin ein Löwe’ dann wäre ein Wechsel kein Thema gewesen.“

Aber Kiraly konnte oder wollte sich nicht mit dem Platz auf der Bank zufriedengeben: „Das Angebot von Fulham hat mich sehr gereizt und ich möchte mich auch dort mit allem, was dazu gehört, unter Beweis stellen“, meinte Kiraly über seine Entscheidung.

Beim englischen Zweitligisten trifft Kiraly nun auf einen alten Bundesliga-Bekannten: den Ex-Bayern-Trainer Felix Magath. Vergangene Saison stieg der mit Fulham aus der Premier League in die Zweite Liga ab. Dort gab es in vier Spielen nur Niederlagen.

Trotzdem bekommt Magath volle Rückendeckung von Klub-Boss Shahid Khan. Der Milliardär erteilte ihm im „Evening Standard“ eine Jobgarantie. „Wir wollen unter der Führung von Felix Magath wieder nach oben kommen und ein zukunftsfähiger Verein werden“, sagte Khan.

Dabei soll jetzt Kiraly helfen, der trotz seines fortgeschrittenen Alters von 38 Jahren bei den Löwen stets überzeugte. Nach dem abgewanderten Benny Lauth und dem zurückgetretenen Daniel Bierofka verlieren die Löwen mit ihrem Fanliebling also die nächste große Identifikationsfigur.

Das Kapitel Kiraly endet unwürdig – im Streit um die Degradierung verabschiedet sich der Keeper leise durch die Hintertür. „Die Löwen werden immer zu meinem Leben gehören“, verkündigte Kiraly – und nahm seine graue Schlabberhose gleich mit.

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