TSV 1860 Krisengipfel? Ja! Trainerdebatte? Noch nicht!

Wohin denn nun? 1860-Trainer Reiner Maurer sucht noch nach dem rechten Weg. Foto: Rauchensteiner/AK

Über drei Stunden saßen die Bosse des TSV 1860 mit Coach Reiner Maurer zusammen, um die 2:4-Heimpleite gegen Dresden aufzuarbeiten. „Wer attraktiv spielt, kassiert auch Gegentore”

 

München - Natürlich wissen sie, dass sie die Geister selbst gerufen haben. „Wir haben Reiner Maurer schon im Frühjahr gesagt, dass wir attraktiven Fußball spielen wollen”, sagt Robert Schäfer. Der Löwen-Geschäftsführer sitzt auf der Terrasse des Löwenstüberls und versucht, entspannt zu wirken. „Also dürfen wir doch jetzt nicht fragen, warum die Mannschaft so viele Gegentore bekommt”, sagt Schäfer.

Wenige Minuten vor ihm hat auch Trainer Reiner Maurer Ähnliches gesagt: „Wir wollen weiterhin attraktiven Fußball spielen. Da kann es eben auch einmal passieren, dass die Null nicht steht." Was abgesprochen klingt, ist es tatsächlich wohl auch. Eine fast dreistündige Sitzung liegt an diesem Mittag bereits hinter dem Geschäftsführer und dem Trainer. Gemeinsam mit Sportdirektor Florian Hinterberger haben sie versucht, das 2:4 gegen Dresden, diese auch mit drei Tagen Abstand noch unfassbar scheinende Pleite aufzuarbeiten.

Gesprächsbedarf war genug gegeben. Fünf Siege und fünf Niederlagen stehen nach zehn Spielen zu Buche. Den 24 Toren stehen 18 Gegentore gegenüber – so viele wie nie zu diesem Zeitpunkt der Saison. Dazu hat Maurer mit acht verschiedenen Viererketten experimentiert, ausgerechnet die Abwehrbosse Stefan Buck (wurde am Dienstag für zwei Spiele gesperrt) und Kai Bülow sind neben individuellen Fehlern durch Übermotivation aufgefallen. Drei Rote Karten kassierten sie. Die Löwen treten sportlich mal wieder auf der Stelle – und drohen ihre gerade erst aufgebaute Reputation nach den rauschenden Heim-Spielen bis Sonntag wieder zu verlieren.

Dennoch soll der kleine Krisengipfel im dritten Stock der Geschäftsstelle in einer sehr konstruktiven Atmosphäre stattgefunden haben. Auch das berichten alle Beteiligten unisono. Und das, obwohl es wohl auch um das große Ganze gegangen ist.

Maurer weiß schließlich nur allzu gut, dass Schäfer nicht sein größter Fan ist. Das Verhältnis zwischen dem Marketing-Fachmann und dem Fußball-Junkie ist eher nüchterner Natur. Beide sollen sich gegenseitig zudem für beratungsresistent halten. Schäfer weiß im Gegenzug aber auch allzu gut, dass er es war, der im Frühjahr den Offensiv-Fußball ausgerufen hatte in Giesing. Wenn schon, dann sollten die Sechzger in Schönheit sterben – das war damals die Direktive des Geschäftsführers. Maurer hatte sich damals den Wünschen der Bosse gefügt. Nicht ungern zwar, aber trotzdem.

„Wir haben großes Vertrauen in unser Trainerteam”, sagt Schäfer darum jetzt. Und Maurer meint: „Grundsätzlich gibt es keinen Druck von oben. Wir wollen gemeinsam zurück in die Erfolgsspur kommen. Es gibt auch keine gegenseitigen Vorwürfe.”

Das mag man glauben oder nicht. Fakt ist, dass die Fehler abgestellt werden müssen, wenn die Löwen nicht im Mittelmaß versinken wollen. Und da geeignete vertragslose Abwehrspieler nicht auf dem Markt scheinen, müssen eben die aktuellen Akteure stark geredet werden. Da denkt Maurer so wie Schäfer. „Wir müssen den Spielern die Mentalität vermitteln, weiter nach vorne zu kommen. Wir dürfen auch nicht den Anschluss nach vorne verlieren. In der Länderspielpause werde ich viele Einzelgespräche führen", so Maurer.

Und Schäfer sagt: „Wir hauen die Spieler jetzt nicht in die Pfanne, denn sie haben ihre Qualität bereits nachgewiesen”.

In Giesing regiert weiter das Prinzip Hoffnung. 

 

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