TSV 1860 gegen Greuther Fürth Löwen rannten fast 124 Kilometer

Immer weiter: Gegen Greuther Fürth rannten die Sechzger um Moritz Volz den Gegner in Grund und Boden. Foto: Rauchensteiner/AK

Das 1:0 des TSV 1860 München gegen Greuther Fürth zeigt: Das System Funkel greift.

 

München - Diese Vorhaltung kann Friedhelm Funkel dann doch nicht auf sich sitzen lassen. "Nein, wir spielen doch nicht unmodern", sagt er. Der wie immer freundlich-joviale Unterton in Funkels Stimme macht es etwas schwer zu verstehen, wie gespielt die Empörung des 1860-Trainers ist. Doch diese Frage eines Reporters trifft ihn wohl schon. "Ihr braucht nur rüber zu schauen, die spielen doch auch ein 4-1-4-1", sagt Funkel. Er meint: den FC Bayern, von Löwen-Fans gern "Seitenstraßen-Verein" genannt.

Dass Pep Guardiolas Bayern jenes System mit einem Sechser und zwei weiteren etwas vorgezogenen zentralen Mittelfeldspielern offensiver interpretieren und sich Vergleiche zwischen Bayern- und Löwen-Spielern natürlich per se verbieten, ficht Funkel nicht an. Doch unmodern, nein, das war und ist Fußball funkel'scher Prägung nicht. Und "unattraktiv auch nicht", so Funkel.
Eher pragmatisch. Und kompakt. Und laufintensiv (da unterscheiden sich Funkels Ideen nicht von jenen Guardiolas). Und neuerdings auch: effektiv.

Durch das verdiente 1:0 gegen Fürth haben die Löwen in den letzten zwei Spielen genauso viele Punkte geholt wie in den sieben zuvor unter Funkel. Zwölf Punkte aus neun Spielen, die Bilanz ist nicht optimal, aber eben auch nicht mehr katastrophal – und mittlerweile auch wieder erfolgsversprechend.

Die Löwen waren keinesfalls schwächer als Fürth, hatten mehr Spielanteile und die besseren Chancen: Daniel Adlung traf nur die Latte, Kapitän Gui Vallori hatte eine hundertprozentige Chance auf dem Fuß. Und Grzegorz Wojtkowiak stand beim angeblichen Abseitstor von Moritz Stoppelkamp eher auf gleicher Höhe mit den Verteidigern. 1860 hat jedenfalls einen kuriosen Rekord aufgestellt. Mit nur zwölf erzielten Toren 21 Punkte zu holen, schaffte in der 2. Liga noch kein anderer Klub. Doch solange die Mannschaft weiter gewinnt und die Mannschaft das umsetzt, was er von ihr will, wird es Funkel nicht stören. "Wir stehen kompakt und lassen sehr wenig zu, deswegen werden wir in diesem System weiterspielen", sagt Funkel.

Außerdem sei die Mannschaft auch gegen Fürth wieder fast 124 Kilometer gelaufen, "das ist enorm", sagt er. In der Tat. Ein Sonderlob bekommen auch die Flügelspieler Moritz Stoppelkamp und Daniel Adlung. "Die beiden haben mit Abstand die meisten Spurts angesetzt auf dem Feld. Das bedeutet, dass sie das umsetzen, was ich mir vorstelle: Dass auch sie nach hinten arbeiten", so Funkel.

Überhaupt setze die Mannschaft seine Ideen vom Fußball immer mehr um. "Die Spieler verstehen jetzt, was der Trainer will", sagt auch Sportchef Florian Hinterberger. Die Löwen spielen endlich Funkel-Fußball! Da gehören knappe Ergebnisse ebenso dazu wie die Bereitschaft, ohne Rücksicht auf Verluste in Zweikämpfe zu gehen. Frag nach beim neuen Sechser Kai Bülow, der sich am Montag "seinen sechsten oder siebten Cut diese Saison zugezogen" (Hinterberger) hat und weiterspielte. Und das durchaus überzeugend.

Funkels Credo lautet: Erfolg macht sexy. "Gewinnt die Mannschaft weiter, wird's auch attraktiver", hatte Funkel der AZ schon im August verraten, Wochen bevor er die Löwen übernahm. Das hat – beinahe wortgleich – am Montag auch Mittelfeldspieler und Torschütze Dominik Stahl gesagt. Und selbst wenn nicht: Ein 1:0 gibt auch drei Punkte.

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