TSV 1860 Diego qualmt an der Grünwalder

Zieht genüsslich an der Zigarre: Maradona bei seinem Kurzbesuch bei den Löwen Foto: Philipp Pander

MÜNCHEN - Diego Armando Maradona - Argentiniens Idol lässt seine Stars beim TSV 1860 München trainieren. Der Nationaltrainer raucht Zigarre und legt sich mit einem Löwenfan an. Mit Video.

 

Weihwasser haben die sechs Adjutanten nicht dabei. Dafür aber eine Thermoskanne, voll mit Mate-Tee. Und genau danach dürstet es nun dem massigen, kleinen Mann, der da mitten auf dem Trainingsplatz der Löwen an der Grünwalder Straße steht. Also schüttet einer der Assistenten ihm nun etwas Mate in eine Kalebasse, das aus Flaschenkürbis hergestellte Gefäß, aus dem die Argentinier traditionell ihr Nationalgetränk trinken. Und so steht er nun da auf dem Rasen, auf dem sonst Ewald Lienen fast schon verzweifelt versucht, seinen Zweitligakickern etwas Fußballkultur beizubringen.

In der einen Hand eine Kalebasse voll Mate, im Mund – tatsächlich auch, während er das Training seiner Spieler verfolgt! – eine dicke Guten-Morgen-Zigarre, auf dem Kopf eine hellblaue Mütze, die das störrische Haar verdeckt: Diego Armando Maradona. El Diez, Nationalheiliger, Drogenopfer, Nationaltrainer Argentiniens.

Beim Löwen will er an diesem Montag seine Mannschaft auf das Länderspiel am Mittwoch gegen das DFB-Team in der Allianz Arena (20.45 Uhr, ZDF live) vorbereiten. Vormittags die Torhüter, nachmittags die ganze Mannschaft. Ursprünglich sollte der Tross beim FC Bayern an der Säbener Straße trainieren, doch Maradona sorgt selbst bei der Wahl des Trainingsplatzes für Verwirrung. „Der argentinische Verband und der DFB haben uns letzte Woche angefragt, ob sie unseren Platz nutzen dürften“, erzählt 1860-Teammanager Robert Hettich, „dann haben sie erst abgesagt, weil sie lieber an die Säbener Straße wollten – und sich am Sonntag doch wieder angemeldet.“

Und so qualmt Maradona jetzt bei den Löwen und ascht hin und wieder auf den Rasen an der Grünwalder. Vielleicht ist es seine Art, den Platz zu segnen. Schaden würde das 1860 sicher nicht.

Auf der Terrasse des Löwenstüberls trinken die Stammgäste Kaffee und das erste Weißbier des Tages, auf dem Rasen trainieren Sergio Germán Romero und Mariano Andújar, Argentiniens Nationaltorhüter. Maradona beobachtet auf einem Holztisch sitzend seine Keeper, steht auf, läuft über den Rasen, schaut am Kunstrasenplatz dem Training einer 1860-Jugendmannschaft zu und begrüßt zwischendurch noch Löwen-Profi Emanuel Biancucchi, der gerade vom Life-Kinetik-Training der Sechzger kommt und ihm von einem der Adjutanten vorgestellt wird.

Video: Argentiniens Stars an der Grünwalder

Biancucchi ist Argentinier wie Maradona, natürlich ist der Trainer auch für Biancucchi ein Idol. Vor allem aber ist Biancucchi, Emma, wie die Löwen ihn nenne, der Cousin von Lionel Messi, dem größten Star der Argentinier. Bisher haben die zwei sich aber noch nicht getroffen, seit die Argentinier am Sonntagabend in München gelandet sind. „Ich werde am Abend mal bei Leo im Hotel vorbeischauen und einen Kaffee mit ihm trinken“, sagt Biancucchi.

Maradona wird da nichts dagegen haben. Der ist mit anderen Dingen beschäftigt. Kurz vor seiner Abreise nach Deutschland legte er sich wieder mal mit seinem Fußballverband und sogar der Regierung an. Die hatten an ihm vorbei ein Testspiel für den 24. Mai gegen Kanada ausgemacht – Hintergrund für den Termin waren die Feierlichkeiten zur 200-jährigen Unabhängigkeit Argentiniens. Maradona passt der Termin gar nicht in den Kram.

Und auch beim Löwen hat er vormittags, trotz Mate und Zigarre, nicht die beste Laune. Einen Zaungast, der schon während des Trainings immer wieder allzu aufdringlich um ein Foto mit dem Idol bat, motzt Maradona nach dem Training an. „Alle kriegen jetzt ein Foto, nur du nicht“, ruft er in einem spanisch-italienisch Mischmasch. „Du gehst mir auf die E...“, sagt er noch – und greift sich in den Schritt. Maradona ganz ohne Zwischenfälle, das geht eben nicht.

F. Cataldo, P. Pander

 

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