TSV 1860 „Die schlimmste Zeit meines Lebens“

Daniel Halfar (li.) konnte sich bei 1860 wegen seines kranken Babys bisher noch nicht voll auf Fußball konzenterieren. Foto: sampics/Augenklick

Am 18. August wurde Daniel Halfar Vater, doch Sohn Louis kam mit einem Herzfehler zur Welt. Nach einer OP ist der Kleine nun über den Berg.Exklusiv in der AZ spricht der Löwen-Profi darüber

 

Herr Halfar, erst der Wechsel zum TSV 1860, dann Ihre Hochzeit und nun wurden Sie am 18. August zum ersten Mal Vater. Es schien alles perfekt zu laufen. Doch dann mussten Sie einen Schicksalsschlag hinnehmen: Ihr Sohn Louis kam mit einem Herzfehler zur Welt.

DANIEL HALFAR: Ja, wir wussten das schon, als wir nach München kamen. Da war der Kleine noch gar nicht geboren. Das hat sich vier Wochen vor der Geburt bei einer Routine-Untersuchung herausgestellt. Im ersten Moment war es für Marina (Halfars Frau, d. Red.) und mich ein Schock. Wir wussten nicht, wie wir damit umgehen sollen, tagelang war bei uns eine totale Leere im Kopf. Aber mit der Zeit mussten wir es lernen, auch um stark zu sein für Louis.

Was hatte Louis genau?

Er hatte ein kleines Loch im Herzen und eine so genannte Isthmusstenose, das ist eine langstreckige Verengung des Aortenbogens. Es konnte kein Blut durchfließen. Es bestand akute Lebensgefahr.

Wie geht es Ihrem Sohn jetzt?

Zum Glück besser. Er ist noch im Münchner Herzzentrum, aber seit der Operation letzte Woche ist Louis über den Berg. Wenn weiterhin alles nach Plan verläuft, wird unser Kleiner ein ganz normales Leben führen können. Die Erleichterung bei uns ist riesengroß. Es war ein Felsbrocken, der uns da vom Herzen fiel. Wir sind Prof. Dr. Lange und Dr. Schreiber, die die OP durchgeführt haben, unglaublich dankbar.

Sicher sind auch Trainer Reiner Maurer und Sportdirektor Miki Stevic, die vom ersten Tag an informiert waren, erleichtert?

Ja. Ich habe ihnen sofort Bescheid gegeben, als die Ärzte uns informierten. Das ausführliche Gespräch mit dem Trainer fand sehr zeitnah statt, weil ich mit meiner Frau täglich in die Klinik musste, um bei den vielen Untersuchungen dabei sein zu können. Von ihm und auch von Stevic habe ich die volle Unterstützung und Hilfe bekommen. Sie haben sehr viel Mitgefühl gezeigt. Das hat gut getan.

Wie sehr haben Ihnen Ihre Mannschaftskollegen in der schweren Zeit geholfen? Etwa ein Daniel Bierofka, der zweifacher Vater ist?

Die ganze Mannschaft hat mir unglaublichen Halt gegeben und mir immer gut zugeredet, dass sie daran glauben, dass alles gut wird. In so einer Phase ist es sehr wichtig zu wissen, dass die Jungs in Gedanken bei einem sind.

Konnten Sie sich überhaupt auf Ihren Beruf als Fußballprofi konzentrieren?

Schwer. Das Training hat mich ein bisschen abgelenkt, aber mit dem Trainer war es so abgesprochen, dass ich die ersten zwei Spiele nicht im Kader bin. Ich kam einfach nicht damit klar, Fußball zu spielen, während unser Sohn um sein Leben kämpfte. Es war für uns sehr hart.

Wie sehr hat Sie und Marina das zusammengeschweißt?

Die Schwangerschaft hat uns schon zusammengeschweißt, aber wenn dann noch so ein Schicksalsschlag dazu kommt, dann verbindet das noch mehr. Wir hätten es uns zwar anders gewünscht, aber manchmal muss man die Dinge im Leben so nehmen, wie sie sind und alles so bewältigen, wie Gott es will.

War es die schwerste Zeit Ihres Lebens?

Definitiv ja. Auf der einen Seite war es mit der Hochzeit und der Geburt von Louis die schönste Zeit, aber durch die Nachricht mit dem Herzfehler dann die schlimmste Zeit, die ich bisher in meinem Leben durchgemacht habe.

Die letzten Wochen waren für Sie tatsächlich ein ständiges Auf und Ab.

Es war nicht einfach. Ich habe versucht, im Fußball so gut es geht, abzuschalten, was aber nicht möglich war. Meine Gedanken waren nur bei Marina und dem Kleinen. Ich habe zuletzt viel über den Sinn des Lebens nachgedacht. Du denkst: „Was hast du verbrochen?“ Meine Familie kam zu Besuch, und wir haben zu Hause viel gesprochen. In so einer Phase merkt man erst, wie wichtig die Gesundheit ist und wie glücklich man sein kann, wenn alles in Ordnung ist.

Gegen Osnabrück waren Sie zum ersten Mal im Kader. Die Operation war erst einen Tag später. Warum wollten Sie doch spielen?

lch wollte den Kopf frei kriegen, um neue Kraft zu haben. Natürlich habe ich an Louis gedacht, aber als dann der OP-Termin stand und ich wusste, dass wir sonntags spielen, da habe ich mit der Familie entschieden, zu spielen. Das tat für den Moment gut. Auch meine Frau war im Stadion und wollte mal etwas anderes sehen. Wir waren zuletzt nur im Herzzentrum bei unserem Sohn. Jetzt sind wir einfach überglücklich, dass die Operation gut verlaufen ist. Momentan ist alles gut, aber erst wenn unser Kleiner dann wirklich zu Hause ist, ist alles perfekt. <

b>Interview: Reinhard Franke

 

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