TSV 1860 "Die schlimmste Provokation"

Bayern-Rot in der Kultstätte der Blauen - das Stadion an der Grünwalder Straße. Foto: Daniel von Loeper

Die Schmierfinken kamen in der Nacht. Und sie hatten ziemlich viel Farbe dabei. Als sie ihr Werk beendet hatten, sah Giesing, dieser blaueste aller Münchner Stadtteile, plötzlich rot.

 

Die – zugegeben – ziemlich kreativen Chaoten, die in der Nacht von Montag auf Dienstag ins Grünwalder Stadion eingedrungen sind, die Westkurve fachmännisch rot-weiß gestrichen und die Fläche unter der denkmalgeschützten Anzeigentafel mit dem Schriftzug „FC Bayern“ versehen haben, sie trafen die Löwen mitten ins Herz. „Das ist die schlimmste Provokation, die es je gegeben hat“, sagt 1860-Vizepräsident Karsten Wettberg.

Die Bayern nehmen das Sechzger ein. Reklamieren den Ort für sich, den 1860-Präsident Albrecht von Linde als „heiligen Boden für alle Löwen“ bezeichnet. Die Roten beschmieren das blaue Heiligtum. Das einzige, das den Blauen geblieben ist, wohlgemerkt. Sie trafen 1860 dort, wo es am meisten weh tut. Dementsprechend bestürzt und fassungslos reagieren die Löwen so auch vor dem Derby im Pokal-Viertelfinale (Mittwoch, 20.30 Uhr, ZDF live).

„Die sollten sich schämen, ich bin richtig erschüttert“, sagt Herbert Bergmaier von der Aktion „XX-Tausend“, die seit rund einem Jahr äußerst erfolgreich für den langfristigen Erhalt der Kultstätte an der Grünwalder Straße kämpft – als Spielstätte für die Jugend und Amateurabteilungen beider Vereine wohlgemerkt.

Schlagartig ist die Stimmung zwischen Blau und Rot so aufgeheizt wie lange nicht mehr vor dem ersten Pflichtspielderby seit dem Bundesliga- Abstieg der Löwen. „Wir müssen aufpassen, dass die Emotionen jetzt nicht total überkochen“, warnt Wettberg. Aber wie wird sich der Farbanschlag auf die Höhle des Löwen – geschätzter Sachschaden übrigens 10 000 Euro – genau auswirken?

Was sagen Polizei und Stadt?

Die Stadt als Hausherr stellte Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Große Hoffnungen, die Chaoten zu finden, haben die Beamten aber nicht. Am Sicherheitsplan für das Derby will die Polizei übrigens nichts ändern. „Wir sind vorbereitet und zuversichtlich, dass es im Stadion zu keinen größeren Zwischenfällen kommen wird“, heißt es aus dem Polizeipräsidium.

Wo könnte es jetzt dennoch krachen?

„Vor dem Spiel könnte es in der Innenstadt, wenn es schlecht läuft, jetzt zu Problemen kommen“, sagt Thomas Emmes vom Fanprojekt München. Ab 14 Uhr wollen die Bayern-Fans auf dem Viktualienmarkt den 108. Geburtstag der Roten feiern. Um 17 Uhr treffen sich viele Löwen nur ein paar HundertMeter weiter am Sendlinger Tor, um dann gemeinsam zum Stadion zu fahren. „Ich hoffe, dass es da nicht knallt und sich keine Seite von der anderen provozieren lässt“, sagt Wettberg. Im Internet haben 1860-Fans allerdings schon zur „Allianz-Arena-Abbruch- Party“ geladen.

Wie reagierte der TSV 1860 auf die Farbattacke?

Manager Stefan Reuter reagierte mit verhaltenem Humor: „Das zeigt wenigstens, dass 1860 ernst genommen wird von den Bayern.“ Auch er beschwor den Anhang, sich nicht provozieren zu lassen. Geschäftsführer Stefan Ziffzer erfuhr von der Attacke in Frankfurt auf der DFL-Sitzung. „Ich verstehe nicht, was das soll. Aber es gibt einen guten alten Spruch: Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“, sagte Ziffzer zur AZ.

Wann kommt das Rot wieder weg?

Am Samstag spielt die U-23 der Löwen im Grünwalder Stadion gegen Hessen Kassel, am Sonntag steht das A-Jugend-Derby an. Da sollte die Farbe weg sein. „Zur Not weißeln wir die Westkurve selbst“, sagt 1860-Sprecher Jörg Krause. Fans und ein Löwen- Sponsor haben ihre Unterstützung angekündigt. Und die Stadt hat bereits eine Baufirma beauftragt.

Wie reagierte der FC Bayern?

Die Fan-Beauftragten Raimond Aumann und Andi Brück fuhren mittags zum Stadion und wollten sich von außen einen Eindruck verschaffen – erfolglos. Eine offizielle Stellungnahme des Vereins gab es nicht. Nur Trainer Ottmar Hitzfeld äußerte sich zum Thema – flapsig: „Ich war’s nicht.“Wär ja noch schöner gewesen. Filippo Cataldo, Oliver Griss

 

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