TSV 1860 Die braune Zeit der Blauen: Löwen arbeiten ihre Nazi-Vergangenheit auf

Am 27. November stellt er sich der Delegiertenversammlung: Löwen-Präsi Rainer Beeck. Foto: firo/Augenklick

MÜNCHEN - Lange schien die braune Vergangenheit ein Tabu-Thema. Die Geschichte des TSV 1860 in der NS-Zeit, die Löwen als Vorzeigeclub in der Nazi-Propaganda. Nun veröffentlichte der Münchner Historiker Anton Löffelmeier sein umfassendes Buch "Die Löwen unterm Hakenkreuz". Und prompt reagierte nun auch das Präsidium. So offen wie nie eine Vereinsspitze zuvor reflektiert der Klub nun über das dunkelste Kapitel seiner Geschichte.

Jahrelang hatte der 49-jährige Löffelmeier für sein Buch recherchiert. Der Historiker und Diplomarchivar, der für das Münchner Stadtarchiv arbeitet, hatte sich schon in früheren Werken mit der Vergangenheit beschäftigt. Unter anderem in seinem Buch „Die Rosenthals: Der Aufstieg einer jüdischen Antiquarsfamilie zu Weltruhm“ oder auch in „Jüdisches München.“ Nun nahm sich Löffelmeier der braunen Vergangenheit der Blauen an.

Denn anders als der FC Bayern, der als „Juden-Klub“ galt, wegen seines jüdischen Präsidenten Kurt Landauer, der 1933 abgelöst wurde, hatte sich 1860 schnell von den Nazis vereinnahmen lassen, wurde schnell von SA-Größen besetzt und damit zum Vorzeigeklub in der Nazi-Zeit.

Um dem Leser die Zusammenhänge besser zu vermitteln, beginnt Löffelmeier sein Werk nicht erst mit der Machtergreifung der Nazis, sondern bereits in der Kaiserzeit, vor dem 1. Weltkrieg. 1910, dem Jahr, als der Verein 50 Jahre alt wurde. So umfangreich und detailliert Löffelmeiers Arbeit war, so wenig erfreulich war bisher die Vergangenheitsbewältigung von offizieller Vereinsseite. Das Thema schien gerne tot geschwiegen zu werden. Spätestens mit Erscheinen von Löffelmeiers Buch war es nun also höchste Zeit für eine Stellungnahme des Präsidiums. Und die kam auch.

„Die Aufarbeitung der Nazi-Phase in der fast 150-jährigen Geschichte des TSV München von 1860 war längst überfällig“, hieß es nun in einer Stellungnahme des Präsidiums. „Deswegen begrüßt das Präsidium des TSV die in diesen Tagen erschienene Chronik unter dem Titel ´Die Löwen unterm Hakenkreuz – Der TSV München von 1860 im Nationalsozialismus` (Werkstatt-Verlag). Der Detailreichtum der Daten, die der Mitarbeiter des Münchner Stadtarchivs Anton Löffelmeier gesammelt hat, sowie die zahlreichen biographischen Notizen über die Verantwortlichen im Verein machen deutlich, dass das Gedankengut des Nationalsozialismus beim TSV München von 1860 auf sehr fruchtbaren Boden fiel. Insbesondere die Vereinsführung ließ sich vom Nationalsozialismus vereinnahmen und stellte den Verein und seine Gliederungen in unverantwortlicher Weise in den Dienst der rassistischen Ideologie.“

Die Geschichte will die Löwen-Spitze um Präsident Rainer Beeck vor allem als Mahnung für die Zukunft wissen, als Verpflichtung, sich noch mehr gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einzusetzen. „ In dem vom TSV gelebten ´Löwentum` findet jeder Sportinteressierte eine Heimat“, heißt es in der Mitteilung. „Für uns gilt: Egal welche Hautfarbe Du hast. Egal, was Du glaubst. Egal, wo Deine Eltern geboren sind. Hauptsache Du bist Löwe!“

Das Präsidium will nun selbst zu einer einer Präsentation des Löffelmeier-Buches einladen. „Zudem wird der TSV als Signal gegen die Fremdenfeindlichkeit im Fußball ein Blitzturnier unter dem Motto „Fußballfest der Kulturen“ veranstalten, zu dem Amateurmannschaften aus verschiedenen Glaubens- und Kulturkreisen eingeladen werden.“

 

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