TSV 1860 Die besten Löwen: Die Vorstopper

Die Meister-Elf von 1966 Foto: abendzeitung

Die besten Löwen aller Zeiten: Welche Spieler gehören in die Jahrhundert-Elf? Sie entscheiden. Dieses Mal stehen die Vorstopper zur Auswahl.

 

Bei manchen Begriffen denken Nostalgiker gerne an die gute alte Zeit zurück. Im Fußball löst der Begriff des Vorstoppers solche Reflexe aus. Der Vorstopper ist so antiquiert wie Pril-Blumen, Schlaghosen und Boney M. und steht, so sagen manche verklärt, für die Tage, als der Fußball noch nach Bratwurst roch und die Stehplatzkurven im Stadion noch keine Tribünen mit umklappbaren Sitzschalen in der Event-Arena waren.

Der Vorstopper war der Ausputzer, der gerne die Drecksarbeit erledigte, für die sich der Libero zu schade war. Als es den Libero im modernen Spielsystem nicht mehr gab, starb auch die Gattung des Homo vorstopperiensis aus, heute heißt er: der Innenverteidiger. Der geht aber als Manndecker genauso robust zur Sache.

Und wer war bei den Löwen der Beste im Lauf der Jahre? Stimmen Sie in der täglichen AZ-Wahl ab, wer in der Elf der besten Sechzger stehen soll, die von den AZ-Lesern gewählt wird. fk

Oliver nicht, Holger schon

Holger Greilich (1995 bis2002): Karl-Heinz Wildmoserwar viel unterwegs 1995. Nachder ersten Bundesliga-Saisonwollte der Präsident die Löwenverstärken, nach Saisonendeflog er erst nach Ascoli,um einen gewissen OliverBierhoff zu verpflichten.

Dasklappte nicht, dafür dann derEinkauf auf der nächstenStation in Mainz: HolgerGreilich, er kam für 500 000Mark Ablöse. Geld, das gutinvestiert war – in einen dergrundsolidestenVerteidiger.Im Unfrieden mit TrainerPacult verließ er die Löwen2002 Richtung Saarbrücken.

Als Ex-Löwe in den Dschungel

Jimmy Hartwig (1974 bis1978): GI-Sohn aus Offenbach,oft rassistisch beschimpft,mit seinen Reaktionenstellte er die Pöbler gerneals lächerliche Idioten dar. AlsBayern-Fans einmal sangen:„Hartwig, du Neger-Sau“, ginger vor die Südkurve unddirigierte. Dann wurde es still.

Seine wichtigsten Tore schosser in den Relegationsspielen1977 gegen Bielefeld (0:4, 4:0,2:0). Später ein bewegtesLeben zwischen Kokain undKrebs, Dschungelcamp undTheaterbühne. Zuletzt spielteer in Leipzig Büchners Woyzeck.

Ordnungshüter in der Abwehr

Torben Hoffmann (2000 bis2010): Kein Jahrhundert-Löwe, aber ein Jahrzehnt-Löwe. Gelernter Polizeibeamter,der hinten für Recht undOrdnung sorgte. Neun Jahrebei 1860, mit einem Abstecherzu Eintracht Frankfurt(2004/2005).

Mit Ende derabgelaufenen Saison verließer bei einem emotionalenAbschied die Löwen, angeblichsteht er vor einem Wechselzur SpVgg Unterhaching.Ein Ort, an den er schlechteErinnerungen hat: ImMai2000 wurde er dort mitBayer Leverkusen dann dochnoch nur Vizemeister.

Atom-Otto, der Hammer

Otto Luttrop (1963 bis 1966):Der Mann war ein Hammer.Kam ja aus Hamm, Westfalen.Und er hatte einen Hammer.„Atom-Otto“, so sein Spitzname,wegen seines hartenSchusses. Unvergessen seineSpiele im Europacup-Halbfinale1965 gegen Turin, als erin allen drei Spielen traf.

ImHinspiel beim 0:2 dummerweiseins eigene Tor, beim 3:1in Giesing zweimal ins gegnerische,beim 2:0 im Entscheidungsspieleinmal. Hätte gutzum Final-Gegner gepasst,gegen den die Löwen verloren.West Ham. Spitzname: thehammers.

Der kultigste Finanzbeamte

Thomas Miller (1989 bis1997): Rund um den Wettersteinplatzauch Fußballgottgenannt. Eisenharter Beamteraus dem Finanzamt Weilheim,jagte Gegenspielererbarmungsloser als derFiskus die Steuersünder.

ImSechzger, kurz vor dem Einmarschder Mannschaften,wenn sich die Spieler durchden schmalen Glasgangquetschten, sprintete er jedesMal aufs Feld, sprang kurz amMittelkreis zum Kopfball indie Luft und lief dann wiederzurück. Von der Westkurveimmer frenetisch gefeiert.Kultiger geht’s nicht mehr.

 

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