TSV 1860 Der Löwen-Trainer im Interview: Haben Sie ein Problem mit Miki Stevic, Herr Maurer?

Wieder in der Erfolgsspur: Löwen-Coach Reiner Maurer. Foto: dpa

Vor dem Trainingsauftakt am Dienstag erklärt der Coach der Löwen, wie er die Kommunikation mit dem Sportdirektor verbessern will – und wie er Spielerverkäufe im Winter kompensieren wird.

 

Herr Maurer, ein turbulentes halbes Jahr als 1860-Coach liegt hinter Ihnen. Konnten Sie wenigstens an Weihnachten abschalten?

REINER MAURER: Ja, natürlich. Ich habe ganz in Ruhe mit meiner Familie gefeiert. Ich bin gerne bei der Familie, da das ja nicht so oft der Fall ist. Zudem war ich ja auch ein paar Jahre im Ausland. Von daher genießt man das schon sehr. Es hat mir mit Sicherheit gut getan.

Am Dienstag (15 Uhr) ist schon wieder Trainingsauftakt bei den Löwen. Langen Urlaub haben Sie sich und den Spielern nicht gegönnt.

Keine Frage, dass ich gerne noch ein paar Tage mehr frei gehabt hätte, genauso wie die Spieler. Ich habe eine schulpflichtige Tochter und die Ferien sind die einzigen Tage, an denen man richtig zusammen ist. Aber wir müssen das Beste für den Verein tun. Und es ist meine Pflicht, dass wir topfit in die Rückrunde gehen.

Hand aufs Herz: Sind die finanziellen Turbulenzen in der Vorrunde rund um 1860 spurlos an Ihnen vorübergegangen?

Natürlich beschäftige ich mich lieber mit dem Sportlichen. Diese anderen Fragen sind nicht das, wonach man sich sehnt. Am schwierigsten war für mich und auch für die Mannschaft, dass uns am Grünen Tisch Punkte abgezogen wurden. Aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Und jetzt müssen wir nach vorne schauen.

Welche Vorsätze haben Sie für sich?

Der private Bereich steht bei mir hinten an. Als Trainer muss ich in erster Linie schauen, dass wir gute Spiele abliefern.

Sportdirektor Miki Stevic hat nach dem letzten Hinrundenspiel gegen Paderborn gemeint, dass das Verhältnis zwischen Ihnen besser sein und es größeren fachlicheren Austausch geben könnte. Haben Sie das als passend empfunden?

Das muss der Sportdirektor für sich selbst entscheiden. Bei mir ist die Tür immer offen und man kann immer mit jedem Thema zu mir kommen. Ich habe zu jedem Thema meine Meinung, aber die Meinungen müssen ja nicht immer gleich sein. Wenn ich ein Problem mit Miki Stevic hätte, würde ich das sicher intern ansprechen.

Gab es inzwischen eine Aussprache zwischen Stevic und Ihnen?

Es gab vor Weihnachten ein Gespräch mit Geschäftsführer Robert Schäfer, Dieter Schneider (1860-Vizepräsident, d. Red.), Miki Stevic und mir. Da haben wir die Hinrunde analysiert und auch dieses Thema angesprochen. Ich habe vorgeschlagen, dass wir uns künftig regelmäßig zusammensetzen. Wir werden dafür sorgen, dass die Kommunikation ab jetzt besser funktioniert.

Haben Sie ein Problem mit Stevic?

Ich versuche alles, damit es dem Verein gut geht. Ich versuche, das Bestmögliche für 1860 zu tun. Das wird Ihnen auch jeder im Klub bestätigen. Ich hoffe, auch Miki Stevic.

Glauben Sie, in der Hinrunde alles richtig gemacht zu haben?

Ich würde von mir nie behaupten, dass ich immer alles richtig mache. Aber ich mache alles mit dem besten Gewissen. Es ist aber nicht so, dass ich mich in einem Schneckenhaus verkrieche, wenn ich etwas Negatives über mich lese.

Was war Ihre größte Enttäuschung im letzten halben Jahr?

Das ist schwer zu sagen. Eine größte Enttäuschung gab es nicht. Das letzte Spiel gegen Paderborn (0:1, d. Red.) aber war super ärgerlich. Das war zum Abschluss eine Enttäuschung.

Sandro Kaiser und Eke Uzoma werden nach Bielefeld ausgeliehen, Mathieu Béda soll vor einem Wechsel zu Standard Lüttich stehen. Auch aus der Stammelf könnten noch Spieler, etwa Ignjkovski oder Rukavina, gehen. Planungssicherheit sieht anders aus!

Zuerst möchte ich etwas klar stellen. Ich habe Béda vor der Saison weder aussortiert noch zur U23 abgeschoben. Das war eine Entscheidung der Geschäftsführung. Die Geschichte mit Ignjovski und Rukavina steht schon seit Sommer im Raum. Falls sich da etwas tun sollte, haben wir natürlich schon Spieler im Kopf. Ob die dann kommen, muss man sehen. Grundsätzlich habe ich aber keine Angst davor, dass wir keine gute Mannschaft mehr haben werden, sollte der Klub sich noch von Spielern trennen müssen.

Glauben Sie eigentlich noch an den Aufstieg?

Ich habe immer gesagt, dass das Ziel ist, in Sichtweite zu den Aufstiegsplätzen zu sein. Natürlich wollen wir aufsteigen, aber am wichtigsten ist, eine gute Leistung anzubieten und Erfolg zu haben. Dazu braucht es aber Ruhe im Umfeld.

Sehnen Sie sich nach mehr Ruhe?

Vor allem habe ich eine Sehnsucht nach mehr Punkten. Aber es ist natürlich angenehmer, wenn ich nicht jeden Tag von fünf Fragen drei gestellt bekomme, die nicht das Sportliche betreffen.

Interview: Reinhard Franke

 

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