TSV 1860 Der blaue Rückpass (11): Florian Hinterberger

Florian Hinterberger. Foto: Wolfgang Zink

Florian Hinterberger - die schlechten Erinnerungen an Falko Götz, die großen Erwartungen an Stevic und Lienen.

AZ: Herr Hinterberger, Sie waren 1988 mit Leverkusen Uefa-Cup-Sieger, wechselten 1990 zu 1860 - in die Bayernliga. Warum damals dieser freiwillige Abstieg? War die Liebe zu 1860 so groß?

FLORIAN HINTERBERGER: 1860 war zu dem Zeitpunkt der einzige Amateurverein, zu dem ich gewechselt wäre. Ansonsten hätte ich meine Karriere im Westen irgendwo ausklingen lassen, aber ich wollte zurück in die Heimat. Die zwei Jahre waren aber dann nochmal richtig schön. Das erste Jahr vor allem, weil wir nach zehn Jahren Bayernliga aufgestiegen sind.

Richtig schön? Im zweiten Jahr mussten Sie wegen einer Verletzung ihre Karriere beenden, und 1860 stieg erneut ins Amateurlager ab.

Okay, ich habe mich schwer verletzt und habe den Aufstieg mit eingebundenem Arm gefeiert, aber es war trotzdem toll. Nur zum Vergleich. Wir hatten in Leverkusen ein Fassungsvermögen von 18 000 Fans und in München waren in der Bayernliga im Grünwalderstadion permanent 20 000 Zuschauer. Die Uefa-Cup-Feier in Leverkusen hat am Rathausplatz vor 1000 Zuschauern stattgefunden - ohne Balkon und am Marienplatz waren 6000 Löwen-Fans, wobei das der Aufstieg von der Bayernliga in die Zweite Liga war. Diese Euphorie um 1860 hat mir noch mal richtig Spaß gemacht.

Der erneute Abstieg war aber sicher das schlimmste Erlebnis in Ihrer 1860-Zeit, oder?

Das stimmt. Nach der unsäglichen Zweiten Liga mit der einmaligen Auf- und Abstiegsrunde war das schon sehr unschön. Verbunden auch mit meiner Schulter- und Knieverletzung, die das Karriere-Ende bedeutete. Aber insgesamt waren die zwei Jahre 1860 eine schöne Zeit. Mit Lorant ging's später wieder hoch.

Als Diplomsportlehrer sind Sie danach im Fußballgeschäft geblieben.

Ich habe direkt in Starnberg einen Job gefunden und war dort acht Jahre in der Bayernliga Trainer. Später bei den Sechzig-Amateuren und dann in Nürnberg. Ich habe in Starnberg, Pöcking und in Tutzing gewohnt, wo ich auch bis heute geblieben bin.

Heute sind Sie nach Jahren als Trainer der A-Junioren und der U 23 in Nürnberg dort Scout. Man munkelt, dass man Sie dort als Trainer nicht mehr wollte?

Ich bin heute das fünfte Jahr in Nürnberg. Hab da drei Jahre die A-Junioren betreut, die U23 für die Qualifikation der Regionalliga vorbereitet und war gleichzeitig sportlicher Ausbildungsleiter. Aber nach dem Abstieg der Profis 2008 musste der Club sparen und da hatte es mich leider erwischt. Früher bin ich immer zwischen Tutzing und Nürnberg hin und her gependelt, heute kann ich das Scouting auch von daheim aus machen.

Ihr Ende bei den Löwen 2003 war auch nicht gerade schön. Sie und Falko Götz werden keine Freunde mehr, oder?

Ich möchte eigentlich gar nicht nachkarten. Damals gab es dann auch die Wildmoser-Affäre und es ging drunter und drüber im Verein. Es wurden viele falsche Entscheidungen getroffen. Ich hatte Lorant, Pacult und Götz als Chefs – und Götz war der traurige Abschluss bei 1860. Er hat mich nicht gut behandelt, aber ich begebe mich nicht auf die gleiche Ebene. Ich will zu diesem Mann nicht mehr viel sagen. Was durch ihn aus dem Verein wurde, hat man die letzten Jahre gesehen. Sechzig liegt mir am Herzen.

Der Verein kam bis heute nicht mehr richtig auf die Beine. Was macht Ihnen Hoffnung auf Besserung?

Mit Lienen und Stevic gibt es da jetzt Leute, die eine richtige Mischung zusammen kriegen. Eine Achse mit gestandenen Spielern und guten jungen Leuten. Im Jubiläumsjahr will man hoch, aber da muss man abwarten, ob das heuer schon klappt. Mit der richtigen Mannschaft ist es schon möglich.

Ist der Scout vom Wohnzimmer aus Ihr Traumjob?

Der Job ist okay. Ich habe mich immer mit den Löwen beschäftigt, weil es ja ein Ex-Verein von mir ist. Ich habe noch sehr enge Beziehungen nach München und kenne viele Ex-Spieler dort. Und es gab mal ein lockeres Gespräch mit Micki Stevic.

Worüber?

Wir haben uns ausgetauscht über das große Wort Philosophie. Ich habe ihm meine Arbeitsweise vorgestellt und was ich in Nürnberg gemacht habe.

Was wäre denn ein Job in der Zukunft für Sie?

Es wäre sehr gut, wenn im Profitrainerstab oder in der Jugendabteilung einer ist, der mit dem Verein verwurzelt ist - und der sich auch um den Nachwuchs und die Ausbildung der Jugendlichen kümmert. Also die Cheftrainer haben ja ihre Co-Trainer. Das ist auch okay, aber es sollte noch jemand da sein, bei dem es fachlich und menschlich passt und der im Sinne des Vereins in Abstimmung mit allen Personen alles koordiniert und auf die Ausbildung der Jugendlichen Wert legt. Das habe ich auch in Nürnberg gemacht.

Also der Nachfolger von Ernst Tanner, der nach Hoffenheim ging?

Das habe ich jetzt nicht gesagt, aber das sind Dinge, die ich mir sehr gut vorstellen und auch zutrauen würde. Aber die Sechziger haben ihre eigenen Ideen. Ich war bei 1860 Trainer, hatte da einen unglücklichen Abgang, aber das waren damals politische Sachen, die da in der Ära Falko Götz eine Rolle gespielt haben.

Was meinen Sie: Können denn ein Stevic und ein Lienen ihre Ideen so umsetzen, dass am Ende der Aufstieg steht?

Sie haben mit den beiden einen sehr erfahrenen Trainer und einen sehr fähigen Manager – und warum nicht. Fußball ist zwar kein Wunschkonzert, aber es ist durchaus möglich.

Als Scout haben Sie die Löwen letzte Saison doch sicher einige Male auch im Stadion gesehen.

Na klar, da war ich oft dort, aber ich fahre gerne auch immer wieder privat hin. Eben weil ich zu dem Verein eine enge Bindung habe.

Auch noch zu Benny Lauth und Andi Görlitz? Görlitz kehrt jetzt wieder zu Bayern zurück. Beide haben Sie damals zu den Profis gebracht.

Ja, die beiden sind bei mir zu Profis geworden und da bin ich schon ein bisschen stolz drauf. Ich freue mich, dass auch Andi (Görlitz, d. Red.) wieder in München ist. Die beiden Jahre in Karlsruhe haben ihm gut getan. Ich habe aber auch noch guten Kontakt zu den Spielern, mit denen ich bei Sechzig zusammengespielt gespielt habe. Ob das Schmidbauer ist, Trares, Maurer, Berg, Kneissl. Und in mittleren Abständen treffen wir uns immer wieder. Es ist immer sehr spaßig. Richtig gute Freundschaften gibt es im Fußball leider nicht. Aber ich habe ja meine Familie.

Ihr Sohn Felix ist elf Jahre. Ist er Nürnberg oder 1860-Fan?

Das wechselt in dem Alter. Er war Sechzig-Fan, als ich dort Trainer war und dann war er Nürnberg-Fan. Momentan ist er Hoffenheim-Fan. Er war auch mal Fan von einem Verein das darf ich gar nicht sagen… Aber wie gesagt: das wechselt sehr stark. Aber ich passe auf, dass er nicht Bayern-Fan wird.

Interview: Reinhard Franke

 

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