TSV 1860 Aufruhr wegen Aigner

Hat in der Rückrunde viel vor: Stefan Aigner Foto: sampics/Augenklick

Der Plan von 1860-Sportchef Stevic, den Torjäger nach Stuttgart zu verkaufen, sorgt für Gegenwind– bei Trainer Maurer, seinen Akteuren, den Fans und auch beim Spieler selbst: „Ich will bleiben!“

 

MÜNCHEN Der Termin war Stefan Aigner sichtlich unangenehm. Nach dem Vormittagstraining stieg der Flügelflitzer im Trainingsanzug langsam und nachdenklich die Treppen hoch in den 3. Stock der 1860-Geschäftsstelle an der Grünwalder Straße. Dort traf sich Aigner mit Sportdirektor Miki Stevic und Geschäftsführer Robert Niemann. Die Löwen-Führung plant, das hatte die AZ am Donnerstag berichtet, den 22-Jährigen nach Stuttgart zu verkaufen. Der Bundesligist soll 1,5 Millionen Euro geboten haben für den mit acht Toren besten Löwen-Torschützen 2009/2010. Durch Aigners Abgang könnte Stevic die noch rund eine Million Euro große Etat-Lücke im Löwen-Budget gefüllt werden.

Doch Aigner scheint keine rechte Lust zu haben, sich für seinen Lieblingsklub zu opfern. „Ich habe einen Vertrag bis 2012 bei den Löwen, und den möchte ich erfüllen“, sagte er nach dem Treffen bei den Löwen-Bossen. „Hätte ich einen Vertrag bis 2015, würde ich auch den erfüllen wollen.“ Das Interesse Stuttgarts ehre ihn zwar, für die finanziellen Nöte der Löwen habe er ohnehin Verständnis. Aber: „Eigentlich will ich bleiben und möchte mich jetzt auf das Spiel am Montag in Bochum konzentrieren“, sagte Aigner. Ende der Ansage.

Bei Stevic scheint das eine gewisse Wirkung hinterlassen zu haben. „Der Wechsel von Stefan Aigner ist gerade überhaupt nicht aktuell. Das sind alles ungelegte Eier“, sagte er. Zumal auch der Sportdirektor mitbekommen haben dürfte, dass sich bei den Löwen eine breite Front gegen einen Verkauf gebildet hat. Aufruhr wegen Aigner.

Das sagt Trainer Reiner Maurer: „Ich habe jedem im Verein meine Einschätzung zu diesem Fall gesagt“, meinte Maurer, der zum ersten Mal Stevic öffentlich widerspricht. „Stefan ist mein bester Mann und ich denke schon, dass man verstanden hat, wie wichtig der Spieler für uns ist“, so Maurer weiter. „Ich hoffe, dass wir eine andere Lösung finden“, ergänzte er. Weitere Verkaufskandidaten wären etwaPhilipp Tschauner, Mathieu Beda, Antonio Rukavina oder auch Aleksandar Ignjovski.

Das sagen die Kollegen: „Menschlich und sportlich wäre Stefan kaum zu ersetzen“, sagte Kapitän Daniel Bierofka, der aber nachvollziehen könnte, wenn der Klub den Spieler aus finanziellen Gründen abgeben würde. Benny Lauth dagegen sieht das ganz anders – und kritisiert das Vorgehen Pläne der Bosse: „Es nervt allmählich, dass hier Jahr für Jahr die besten Spieler verkauft werden. Wir haben auch Ziele, die wir erreichen wollen“, sagte er. „Stefan hat klar gesagt, dass er nicht weg will, von daher sollte der Fall erledigt sein.“

Das sagen die Fans: Edelfan Franz Hell fände es „unglaublich schade, wenn Stefan verkauft werden müsste“, könne Stevic aber verstehen. „Er muss nur die Fehler der Vergangenheit ausbaden“, so Hell. Dennoch: „Man darf Stefan nicht zwingen, zu gehen.

F. Cataldo, R. Franke, M. Scheidl

 

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