TSV 1860 Anwalt! Ismaik schießt scharf

Kommt in der schwarzen Mercedes-S-Klasse: Löwen-Investor Hasan Ismaik an der Grünwalder Straße Foto: Rauchensteiner

Die Löwen warten weiter auf Hasan Ismaiks Geld – ihre Drohungen gehen ins Leere. Der launische Investor aber schaltet nun einen Anwalt ein.

 

MÜNCHEN Da hat Hasan Ismaik den Löwen wohl gezeigt, was eine Harke ist: Während die 1860-Bosse um Präsident Hep Monatzeder und Geschäftsführer Robert Schäfer sich am Dienstag bangen Blickes fragten, ob Investor Ismaik, wie von ihnen gefordert, die ausstehenden zwei Raten aus dem Dreijahresplan in Höhe von 13 Millionen Euro überweisen würde, ging der Investor in die Offensive – und schaltete einen Anwalt ein. Der Münchner Wirtschafts- und Medienanwalt Michael Scheele unterrichtete die 1860-Gremien nachmittags per Brief, dass er von Ismaik beauftragt worden sei, „die Rechtslage zu prüfen und ihn hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise zu beraten.“ Was genau dies zu bedeuten habe, erklärte Scheele der AZ am Telefon: „Hier geht es ja ums Geld. Wir prüfen, inwieweit der Verein bereit ist, auch die Interessen von Herrn Ismaik zu berücksichtigen.“

Ismaik hatte am Freitag die Ablösung von Sportdirektor Florian Hinterberger zum Saisonende gefordert, Klubchef Monatzeder hatte daraufhin erst die Gelder angemahnt, ehe man sich über einen Strategiewechsel unterhalten werde. Nun versucht Ismaik es mit einem Anwalt – und leitet so die nächste Eskalationsstufe ein im ewigen Konflikt zwischen Klubgremien und Investor. Man werde alle Unterlagen, Verträge, Gesprächsprotokolle etc. prüfen und hoffe dann auf ein Treffen mit den Löwen-Bossen, erklärte Scheele.

Unterdessen forderte Scheele Monatzeder und Co auf, „in der Zwischenzeit öffentliche Bemerkungen über ’kulturelle Unterschiede' und/oder 'andersartige Mentalitäten', mit denen das Verhalten unseres Mandanten charakterisiert wurde“ sein zu lassen. Am Sonntag hatte 1860-Trainer Alexander Schmidt, auf Ismaik angesprochen, „mehr Respekt“ für sich eingefordert, „egal aus welchem Kulturkreis“.

Die Reaktion der Vereinsverantwortlichen auf den neuesten Affront ihres Investors blieb zunächst aus, Schäfer ließ lediglich ausrichten, dass man zur Kenntnis genommen habe, dass Ismaik sich Rechtsbeistand genommen hätte. Doch mehr denn je offenbarte sich, dass die Löwen im Konflikt mit Ismaik zwar die DFL-Statuten hinter sich haben mögen, nach denen letztlich der Verein das Weisungsrecht bei Personalentscheidungen hat und kein Investor (dem nur 49 Prozent der stimmberechtigten Klubanteile gehören), dass Ismaik die Löwen aber dennoch vor sich hertreibt, wie es ihm gefällt.

Während die Löwen nämlich nur drohen können, dass eben alles beim Alten bliebe, wenn Ismaik das Geld nicht überweise und es eben keinen irgendwie gearteten Strategiegipfel gebe, weiß Ismaik, dass der Verein auf sein Geld angewiesen ist. So oder so.

Während die Löwen also mit Wattebäuschchen werfen, droht Ismaik nun womöglich sogar mit dem kompletten Bruch der Partnerschaft, die nie eine wirkliche war. Überweist er nach dem neuerlichen Eklat womöglich nicht mal mehr die gut zwei Millionen Euro zur Tilgung des aufgelaufenen Defizits, das die Löwen bis zum 23. Mai der DFL nachweisen müssen? Oder geben sie nun doch – mal wieder klein bei?

Schließlich hatte sich Ismaik schon bei der Präsidentenfrage durchgesetzt. Er hatte so lange mit Liebesentzug und Investitionsstopp gedroht, bis der 1860-Aufsichtsrat Präsident Dieter Schneider das Vertrauen entzog und Monatzeder berief. Der wähnte sich, auch wegen seiner Erfahrung als Bürgermeister, imstande, ein Vertrauensverhältnis zu Ismaik aufzubauen und die Kommunikation zu verbessern. Hat nicht geklappt. Per Anwalt haben Schneider und Ismaik nicht kommuniziert.

Am Sonntag hatte 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer noch erklärt, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Auch auf diese?
 

 

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