Trudering Umheimlicher Stalker im Bajuwarenpark

In der Wohnsiedlung Bajuwarenpark ist der Spanner verstärkt unterwegs - aber er streift auch durch andere Wohnsiedlungen im Münchner Osten. Foto: Daniel von Loeper

„Da saß er! Auf meiner Terrasse!“ Schon sieben Mal stand ein Fremder im Garten von Anna M. (24). Der AZ berichtet sie von ihren Erlebnissen – auch mit der Polizei

Trudering - Der unheimliche Besucher kommt im Schutz der Dunkelheit Meist zwischen 22.30 und 0.30 Uhr. Er will ganz nah an seine Opfer ran. Er steigt über Gartentüren und -zäune und versteckt sich hinter Büschen. Oder er steht einfach so im Garten. Er schleicht sich sogar bis auf die Terrassen, setzt sich auf einen Gartenstuhl, und glotzt in die Wohnungen – auch, wenn die Außen-Jalousien herunter gelassen sind. Bei einer Familie brachte er sogar von außen eine Kamera an, um heimlich ins Badezimmer zu schauen.

Bereits seit 2011 verbreitet ein Stalker und Spanner im Bajuwarenpark in Trudering Angst und Schrecken. Wie Polizeisprecher Gottfried Schlicht der AZ bestätigte, sind bisher 18 Fälle wegen Hausfriedensbruch und verdächtigen Wahrnehmungen in der Marianne-Plehn-Straße und den Nachbarstraßen südlich der Kreillerstraße aktenkundig. Doch das sind nur die Fälle, in denen die Opfer überhaupt mitbekamen, dass sie beobachtet werden. Vermutlich sind es noch viel mehr. Allein bei der 24-jährigen Anna M. (Name geändert) war der unheimliche Spanner mindestens sieben Mal. So oft erwischte sie ihn in ihrem kleinen Garten, so oft rief sie die Polizei.

„Das erste Mal habe ich ihn im Februar oder März bemerkt. Ich habe abends die Terrassentür geöffnet. Da saß er. Auf meiner Terrasse!“ Ein dunkel gekleideter, schlanker Mann. Ende 20 oder Anfang 30. Er trug eine schwarze Mütze. „Ich war erstmal in Schockstarre. Er sprang sofort auf und lief weg. Ich hab’ nur noch ’hey’ gerufen.“
Nach dieser Begegnung konnte sie sich erklären, warum seit Wochen zwischen den Lamellen ihrer Außenjalousie immer wieder Stöckchen steckten: er beobachtete sie heimlich!

Obwohl Anna M. ihn erwischt hatte, kam der Spanner immer wieder. „Er lässt sich durch nichts abschrecken. Mein Garten ähnelt inzwischen einem Hochsicherheitstrakt. Und ich habe einen Freund. Aber er kommt trotzdem.“ Als die 24-Jährige einen höheren Zaun anbrachte, kam er übers Nachbargrundstück – und zertrampelte dabei die Blumen. Ein anderes Mal sprach ihn ein Nachbar an. Da redete er sich – auf hochdeutsch – heraus: „Ich suche meine schwarze Katze.“

Anna M. ist kein ängstlicher Typ. „Aber ich kann nicht einschätzen, wie er tickt, das beunruhigt mich.“ Nicht einmal ein greller Scheinwerfer mit Bewegungsmelder schreckt den Stalker ab. „Er nimmt in Kauf, dass er ein paar Sekunden im gleißenden Licht steht. Dann zieht er einfach den Stecker“, berichtet sie der AZ.

Die Angestellte ist nicht das einzige Opfer im Bajuwarenpark. Eine Familie mit kleinen Kindern erstattete Anzeige, weil er eine Mini-Kamera am Haus befestigt hatte. Sie filmte direkt ins Badezimmer. Seit diesem Fall hat die Polizei sogar die DNA des Täters, er hinterließ sie auf einem Kabel. Doch fassen konnte die Polizei den Mann trotzdem nicht. Die DNA kann bislang keiner Person zugeordnet werden. Sie ist nicht gespeichert.

Stalking-Opfer Anna fühlt sich von der Polizei allein gelassen.[ „Sie ist nur da, wenn man sie ruft. Warum fahren die nicht öfter Streife - auch in Zivil?“, kritisiert sie. „Wenn ich anrufe, vergeht zu viel wertvolle Zeit. Ich beantworte schon immer gleich alle fünf W-Fragen. Aber dann wird erst mal ewig rumdiskutiert. Wenn die erst nach einer Dreiviertel Stunde kommen, ist der natürlich über alle Berge.“ „Wir nehmen die Vorfälle ernst“, erwidert Pressesprecher Gottfried Schlicht. Da der Täter unregelmäßig auftauche, sei er schwer zu fassen.

Anna M. will nicht tatenlos zusehen, wie der Fremde sie und ihre Nachbarn tyrannisiert.
„Es geht hier nicht nur um mich. Es geht ja auch um die Kinder. Wer weiß denn, wie dieser Typ tickt?“ Anna M.s Freund dreht jetzt regelmäßig Kontrollrunden. Das Paar bereitet einen Flyer vor, mit dem sie die Nachbarn sensibilisieren wollen, bei verdächtigen Wahrnehmungen sofort die Polizei zu rufen.

Die Freude an ihrer Wohnung ist ihr inzwischen vergangen. „Ich fühle mich hier nicht mehr wohl.“ Wenn ihr Freund abends mal nicht da ist und sie draußen noch eine Zigarette rauchen will, verabredet sie sich telefonisch mit ihrer Nachbarin. Das Paar hat genug – es sucht jetzt nach einer neuen Wohnung.

 
 

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