Trotz Überversorgung In München herrscht teilweise Ärztemangel

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Brigitte Wolf (links, Mitte) zwischen Hans Theiss, Michael Ott und Ludwig Hartmann. Foto: www.augenblick-fotografie.com

Der vermeintlich ausreichende ärztliche Versorgungsgrad in München täuscht – glaubt Stadträtin Brigitte Wolf (Linke). Sie fordert Zentren vor allem für Randbezirke.

 

München - Der hausärztliche Versorgungsgrad in München: 116 Prozent. Bei Frauenärzten sind es sogar 130 Prozent, bei HNO-Ärzten 139 Prozent.

Wenn man nach aktuellen Statistiken der Kassenärztlichen Vereinigung geht, ist München also bestens versorgt mit Ärzten. Doch der Schein trügt, glaubt Stadträtin Brigitte Wolf (Linke). Sie befürchtet: Vor allem in einigen Bezirken außerhalb des Mittleren Ringes ist die Versorgung nicht gut genug. Ihre Vermutung, wie unterschiedlich die ärztliche Versorgung in München ist, bestätigen erneut die aktuellsten Statistiken der Stadt (Stand 2019).

In der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt sind es 174 Einwohner je Arzt, in der Au 408. Zum Kontrast: In Trudering-Riem müssen 851 Einwohner mit einem Arzt auskommen, in Feldmoching-Hasenbergl gibt es sogar 1.404 pro Arzt.

"Krankheit und Armut hängen eng zusammen"

Wolf vermutet zudem: "Krankheit und Armut hängen eng zusammen". Daten des Statistischen Amtes der Stadt würden zudem zeigen, dass in der Tendenz die Stadtteile mit den reichsten und gesündesten Bewohnern am besten mit Arztpraxen versorgt und die Stadtteile mit den kränksten und ärmsten Einwohnern am schlechtesten haus- und kinderärztlich versorgt seien.

Deshalb fordert Brigitte Wolf jetzt: In den Bezirken, die unterversorgt sind, sollen barrierefreien Gesundheitszentren in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft geschaffen werden. Damit sich trotz Überversorgung, die insgesamt in München herrscht, dennoch weitere Ärzte in diesen Zentren niederlassen können, solle die Stadt auf die Aufhebung der Zulassungsbeschränkung in diesen Gebieten hinwirken, fordert Wolf. Wichtige Bestandteile dieser Gesundheitszentren sollen neben einem Hausarzt, einem Kinderarzt und einem Gynäkologen auch eine Sozial- und Rechtsberatung, eine psychologische Beratung sowie am Gemeinwesen orientierte Präventionsprojekte sein, um besonders chronisch kranke Menschen besser zu versorgen.

Ein wichtiger Punkt für Brigitte Wolf: Die Gesundheitszentren sollen barrierefrei gestaltet werden. Dies solle mithilfe von Kriterien geschehen, die Menschen mit Behinderungen erstellen und konzipieren. Wolf sagt: "Dann würden die Zentren den Mangel an barrierefreien Arztpraxen in München ein wenig abmildern."

Perspektivisch sollen Gesundheitszentren auch in neuen Vierteln gleich mitgeplant werden. Als Beispiel nennt die Stadträtin Freiham.

 

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