Trotz Rentenplus Altersarmut wird weiter zunehmen

Für immer mehr Rentnerinnen und Rentner die letzte Option: Flaschensammeln. Foto: dpa

Die Altersarmut wird weiter zunehmen - davor warnt der Sozialverband VdK. Eine Erhöhung der Altersbezüge reiche allein nicht aus, kritisiert Präsidentin Ulrike Mascher. Sie fordert mindestens die Hälfte des durchschnittlichen Nettolohns

 

München - Flaschensammelnde Senioren gehören inzwischen leider zum Straßenbild deutscher Städte. Immer mehr älteren Menschen reicht die Rente nicht, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dass sich das mit dem angekündigten Rentenplus ändern wird, glaubt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, nicht. Im Gegenteil. Sie warnt vor einem Anstieg der Altersarmut.

Gestern hat der Vorsitzende des Deutschen Rentenversicherungsbundes (DRB), Alexander Gunkel, bestätigt, dass die Altersbezüge im kommenden Jahr um vier bis fünf Prozent steigen werden. Für den Westen wird bislang mit 4,35 Prozent kalkuliert, für den Osten mit 5,03. Das wäre „die größte Rentenanpassung seit der Jahrhundertwende“, betont Gunkel. Der mit der Erhöhung vom DRB erwartete Fehlbetrag in der Rentenversicherung von 2,9 Milliarden Euro soll aus der Reserve der Rentenkasse ausgeglichen werden.

Für VdK-Chefin Mascher allerdings kein Grund zum Jubeln. Zwar klinge eine Erhöhung zwischen vier und fünf Prozent nach den „mageren Rentenerhöhungen der vergangenen Jahre tatsächlich nach einer guten Nachricht für die 21 Millionen Rentner“, doch sie mahnt zur Skepsis. „Die Erfahrung zeigt, dass zwischen den Herbstprognosen und den tatsächlichen Rentenerhöhungen im Sommer oft große Unterschiede liegen – meist nicht zum Vorteil der Rentnerinnen und Rentner.“

„Die Neurenten befinden sich seit Jahren im Sinkflug“

Die Gefahr der Altersarmut sei allein mit einer Steigerung der Altersbezügen nicht gebannt, betont Mascher. „Die Neurenten befinden sich seit Jahren im rasanten Sinkflug“, klagt die 77-Jährige. Schuld daran sei das absinkende Rentenniveau. Schon heute liege es bei 47,7 Prozent, bis zum Jahr 2030 soll es auf 43 Prozent fallen. „Es muss aber mindestens auf 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns angehoben und dort eingefroren werden. Sonst ist auch für einen Durchschnittsverdiener die Einschränkung der Lebensqualität im Alter zu hoch.“

Momentan erhalte ein Neurentner nach 45 Beitragsjahren weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens im selben Jahr als gesetzliche Rente ausbezahlt. „Diese stellt aber immer noch den größten Anteil der Altersversorgung dar“, betont Mascher.

Dass private Versicherungen oder eine betriebliche Altersvorsorge bisher kaum eine Rolle spielen, dafür hat die VdK-Chefin eine einfache Erklärung: „Viele schreckt sicherlich ab, dass eine privat erwirtschaftete Altersvorsorge etwa aus Riester-Verträgen voll auf Grundsicherungsleistungen im Alter angerechnet wird.“

Besonders betroffen seien die Frauen, so Mascher. Laut VdK bekommen Rentnerinnen aktuell nur etwa die Hälfte der Männer-Renten und seien als geschiedene oder verwitwete Alleinstehende am stärksten armutsgefährdet. „Die Rente ist ein Spiegel der Erwerbsbiografie. Wer – wie viele Frauen – in Teilzeit oder in schlecht bezahlten Jobs gearbeitet hat, bekommt im Alter leider die Quittung dafür“, erklärt Mascher.

Sie fordert deshalb einen noch stärkeren Ausbau der Kinderbetreuung, „damit mehr junge Frauen arbeiten können“, sowie höhere Rentenansprüche für Familienpflegezeiten.

 

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