Trotz Protest der Anwohner Bayern: Riesenmastanlage für 145.000 Hühner geplant

Autorenprofil Ruth Schormann
So sieht es in einem Massentierhaltungsstall aus. Foto: dpa

Trotz massiven Widerstands gegen die Farm erteilt das Landratsamt Pfaffenhofen dafür eine Baugenehmigung. Sie wird die größte im ganzen Freistaat werden. Die Bedenken der Anwohner.

 

Wolnzach - Schon jetzt leben im Wolnzacher Ortsteil Eschelbach im Landkreis Pfaffenhofen um ein Vielfaches mehr Geflügel als Menschen: 55.000. Bald werden es noch mehr sein: Seit Jahren will Landwirt Josef Höckmeier seinen Mastbetrieb sanieren und um zwei neue Ställe erweitern. Dann will er dort 144.600 Hühner mästen. Jetzt hat das Landratsamt den Anbau genehmigt. Darüber hatte zuerst der BR berichtet.

Und das, obwohl sich von Anfang an Widerstand regte: Es gibt eine Bürgerinitiative, der Bund Naturschutz (BN) hat etwa 8.000 Unterschriften gesammelt und dem Umweltausschuss im Landtag eine Petition übergeben.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger nannte das Vorgehen des Landratsamts "dreist und undemokratisch". Über die Petition sei noch nicht entschieden. Diese sei in der Warteschleife, weil die Genehmigungsbehörde wichtige Unterlagen nicht an den Umweltausschuss weiterreiche, erklärte Steinberger. Landratsamtssprecher Karl Huber widersprach: "Wir haben alle Fragen und Rückfragen über das Umweltministerium beantwortet."

Landratsamt: Der Antragsteller erfüllt alle Voraussetzungen

Die Gegner kritisieren sowohl die Massentierhaltung generell, als auch eine mögliche Belästigung der Anwohner durch mehr Verkehr und Lärm sowie Gefahren für die Umwelt. Das Landratsamt hat die Baugenehmigung mit allerlei Auflagen verknüpft, schreibt der BR. Da sonst alle Voraussetzungen erfüllt werden, habe man den Antrag genehmigen müssen. Höckmeier sagte, er freue sich, dass es jetzt eine Entscheidung gebe. Weiter äußern wolle er sich nicht. Der BN erwägt gegen die Baugenehmigung zu klagen.


AZ-Kommentar: Nicht mehr zeitgemäß

Jahrelanger Widerstand, mannigfaltige Bedenken, Proteste, Demonstrationen, eine Petition: Gebracht hat alles nichts. Man kann es als "dreist und undemokratisch" bezeichnen oder als frustrierend für die Gegner der Riesengeflügelfarm. Auf jeden Fall ist diese Form der Massentierhaltung nicht mehr zeitgemäß.

Zu wie vielen Lebensmittelskandalen um antibiotikaverseuchtes Fleisch muss es noch kommen, wie viele halb tot getrampelte Tiere müssen in solchen Ställen noch leiden, bis ein Umdenken bei Politikern und Verbrauchern stattfindet? Letztere hätten es in der Hand oder vielmehr im Einkaufskorb. Denn ihre Nachfrage nach billigem Fleisch bestimmt letztendlich das Angebot.

 

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