Triumphzug in Rio Goldmedaille für deutsche Dressurreiter

, aktualisiert am 12.08.2016 - 21:23 Uhr
Kristina Bröring-Sprehe auf Desperados. Foto: dpa

Deutschland hat zum 13. Mal seit 1928 olympisches Mannschaftsgold in der Dressur gewonnen, Isabell Werth ist damit seit Freitag mit nunmehr neun Medaillen die erfolgreichste Reiterin der Olympia-Geschichte.

 

Rio de Janeiro - Mannschaftsgold mit Ansage für die deutsche Dressur-Equipe, olympischer Rekord für die beste Reiterin der Geschichte: Angeführt von der einzigartigen Isabell Werth, die mit nunmehr sechs Olympiasiegen und drei weiteren Silbermedaillen in den Annalen der Spiele steht, holte sich die deutsche Equipe das vor vier Jahren an Großbritannien "ausgeliehene" Gold zurück.

Die Briten mit der großartigen Charlotte Dujardin wurden Zweite, dahinter folgten die USA. Die Dramaturgie des Grand Prix Special wollte es, dass Isabell Werth mit ihrer nachtschwarzen Stute Weihegold als letzte Deutsche ins Viereck musste. Ihr gelang mit der international recht unerfahrenen Weihegold eine Weltklasseleistung, mit der sie zurecht im Olymp der Reiter die Spitzenposition übernahm.

Zuvor hatten der unbekümmerte Team-Youngster Sönke Rothenberger mit dem erst neunjährigen Cosmo, die deutsche Kür-Meisterin Dorothee Schneider mit dem kraftvollen Showtime und die Weltranglstenerste Kristina Bröring-Sprehe mit dem eleganten Desperados die Führung aus dem Grand Prix ausgebaut - und die Briten nicht mal am Gold schnuppern lassen.

Trotz aller Souveränität, die das deutsche Quartett bereits im Grand Prix gezeigt hatte, wollte keiner so recht die Zuversicht zur Schau tragen. Lediglich Isabell Werth gestand ein, dass es "wenn nicht noch ein Drama passiert", schon reichen sollte.

"Aber natürlich darf man auch in einer so komfortablen Situation das Fell des Bären nicht im voraus verteilen." Werth weiß, worüber sie redet: 2008 in Hongkong war sie auf geradem Weg zum Einzelgold, doch dann verlor ihr Wallach Satchmo im Viereck die Nerven, und die Niederländerin Anky van Grunsven zog noch vorbei.

Am Freitag war die deutsche Equipe weit von einem solchen Szenario entfernt. Als erste gingen Rothenberger (21) und Cosmo (9) ins Viereck, zusammen gerade mal 30 Jahre alt und damit für Dressur auf diesem hohen Niveau ungewöhnlich jung. Ein bisschen zuckte Cosmo bei den Einer- und Zweierwechseln und im Galopp, dennoch lag Olympia-Debütant Rothenberger mit 76,387 Prozentpunkten innerhalb des Erwarteten.

"Ich freu' mich riesig, dass es lief, wie es lief", sagte der Youngster: "Wir hatten ein paar Patzer, die haben unser Endresultat ganz schön nach unten gedrückt, ich bin aber trotzdem zufrieden." Danach gingen Dorothee Schneider und der von ihr selbst gezogene Showtime ins Viereck, und boten allerbeste Dressur.

"...das ergreift einen schon mal..."

Lediglich einen kleinen Fehler bei der Pirouette leisteten sich die beiden wie schon im Grand Prix, der Rest der Darbietung war tadellos, 82,619 Punkte waren der Lohn. Schneider standen danach die Tränen in den Augen: "Wenn man ein Pferd selbst ausbildet, wenn man seit sieben Jahren eng zusammen arbeitet, und dann kommt so etwas Großes dabei raus, das ergreift einen schon mal."

Danach kamen Kristina Bröring-Sprehe und ihr wunderbarer Desperados, und was dieses Paar in den Sand malte, war eine endgültig golden glänzende Spur. Eleganz und Leichtigkeit, gepaart mit der kraftvoll-athletischen Ausstrahlung des schwarzen Hengstes gaben ein hoch benotetes und stimmiges Bild ab.

"Er hatte ein bisschen sehr viel Fahrt drauf", sagte "KBS" über ihr Pferd: "Ich bin aber trotzdem zufrieden mit ihm." Zum Abschluss der Dressur-Wettbewerbe fällt am Montag die Einzelentscheidung in der Grand Prix Kür. Hier fangen alle Reiter wieder bei Null an.

Werth schreibt Olympia-Geschichte

Isabell Werth ist seit dem Sieg der deutschen Dressur-Equipe am Freitag in Rio de Janeiro die erfolgreichste Reiterin der Olympia-Geschichte. Mit insgesamt neun Medaillen, davon sechs goldenen, hat die 47-Jährige den 1999 verstorbenen Reiner Klimke (8/6) in dieser Statistik überholt. Auch Platz drei im Ranking geht an Deutschland: Springreiter Hans Günter Winkler holte von 1956 bis 1976 sieben Medaillen, darunter fünfmal Gold.

Ihr erstes Gold gewann Werth 1992 in Barcelona mit der Mannschaft.

 

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