Treffen der Weltreligionen Münchner Friedensgespräche

So festlich wie vor einigen Jahren im Aachener Dom wird es demnächst sicher auch in München zugehen: Nach Aachen im Jahr 2003 ist München die zweite deutsche Stadt, die das Internationale Friedenstreffen beherbergt. Unter den Teilnehmern der Veranstaltung sind Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, des Judentums, des Islam und anderer Religionen. Veranstaltet wird das Friedenstreffen von der Gemeinschaft Sant’ Egidio, die ihren Namen vom Kloster im römischen Stadtteil Trastevere hat. Foto: Thomas Lohnes/ddp

Von Sonntag an diskutieren in München drei Tage lang die Vertreter der Weltreligionen. Auch viele hochkarätige Politiker haben sich angekündigt, darunter Merkel, Wulff und Seehofer.

München -  In der kommenden Woche wird München für drei Tage zur Welthauptstadt der Harmonie: Beim Internationalen Friedenstreffen der Weltreligionen wollen hunderte Religionsvertreter und Politiker ein Zeichen für eine friedliche Zukunft setzen. Neben Religionsführern kommen auch deutsche Spitzenpolitiker nach München: Bundespräsident Christian Wulff, Kanzlerin Angela Merkel und Wolfgang Schäuble. Und auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will seine Aufwartung machen.

Die Friedenstreffen sind Tradition, seit Papst Johannes Paul II. 1986 die Weltreligionen zum gemeinsamen Gebet geladen hatte (siehe unten).

Nach Aachen 2003 ist München die zweite deutsche Stadt, die das Friedenstreffen beherbergt. Unter den mehr als 400 Teilnehmern aus 60 Ländern sind Vertreter des Judentums, des Islam, Buddhismus, des Hinduismus und auch des Janaismus. Insgesamt finden von Sonntag bis Dienstag mehr als 30 Podiumsdiskussionen statt, sowie dutzende Gottesdienste und ökumenische Gebete. Die Veranstaltungen sind öffentlich, kostenlose Eintrittskarten gibt es ab sofort am Infostand vor St. Michael in der Fußgängerzone.

Am Sonntag beginnt das Friedenstreffen mit einem Gottesdienst in der Frauenkirche, geleitet vom Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Einer der ersten Redner ist Bundespräsident Wulff. Er eröffnet das Friedenstreffen im Herkulessaal (16.30 Uhr). Bereits zuvor nimmt er am Marstallplatz an der Gedenkfeier zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 teil (14.30 Uhr). Mit dabei ist auch US-Generalkonsul Conrad R. Tribble.

Friedlich soll es zugehen an den drei Tagen, die von der katholischen Gemeinschaft Sant' Egidio und der Erzdiözese München und Freising organisiert werden. Entsprechend wurde auch das Motto gewählt: „Zusammen leben – unsere Bestimmung“. Um dieses Thema dreht sich auch der Vortrag von Kanzlerin Angela Merkel am Montag im Herkulessaal (14 Uhr). Begrüßt wird sie von Kardinal Marx. Sein zentrales Anliegen: Er fordert von jedem Einzelnen in der Gesellschaft „die Bereitschaft und Fähigkeit zur Begegnung und zum Dialog“.

Eines der großen Themen des Friedenstreffens ist der arabische Frühling (13.09., 9 Uhr, Residenz, Schwarzer Saal), aber auch der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern (13.09., 9Uhr, Cuvilliés-Theater). Und es geht um Religion und Dialog in Zeiten von Facebook und Co. (12.09., 9 Uhr, Künstlerhaus). 

Zum Abschluss wird am Dienstagabend eine Friedensprozession zum Marienplatz stattfinden. Dort wollen die Teilnehmer einen „Friedensappell“ verkünden.

Info: Interreligiöser Dialog

Seit 25 Jahren gibt es die internationalen Friedenstreffen. Sie fanden unter anderem statt in Washington, Jerusalem, Lyon, Warschau, Krakau und Rom. Ursprung ist ein Ereignis, mit dem Papst Johannes Paul II. 1986 für eine Sensation sorgte: Auf seine Einladung hin kamen damals führende Vertreter verschiedenster Glaubensgemeinschaften aus der ganzen Welt nach Assisi zum ersten Weltfriedensgebet. Mit dabei: der Dalai Lama sowie der Patriarch von Konstantinopel.

Seitdem wird der „Geist des Dialogs und der Verständigung der Religionen und der Kulturen“ von der katholischen Gemeinschaft Sant’ Egidio weitergetragen. Die Gemeinschaft Sant' Egidio entstand nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1968. Heute ist sie eine Laienbewegung, zu der nach eigenen Angaben weltweit mehr als 50000 Personen gehören.

 

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