Trauerzug in Kärnten Maximilian Schell - Abschied ins Unendliche

Gespenstische Atmosphäre im leicht gleißenden Nebel: der Trauerzug für Maximilian Schell vor dem Friedhof von Preitenegg. Foto: dpa

Der letzte Weg im verschneiten Nebelloch: die Trauerfeier für Maximilian Schell in den Kärntner Bergen. Dort, wo er seine geliebte Alm hatte, wird auch seine Asche verstreut

 

Preitenegg - Die Szene wirkt außerirdisch und hätte von Maximilian Schell nicht besser inszeniert werden können: Preitenegg, 1358 Meter hoch in den Bergen von Kärnten, wo der mit 83 Jahren verstorbene Oscar-Preisträger („Das Urteil von Nürnberg“), Weltstar und Womanizer seine geliebte Alm hatte, ist ganz in Nebel eingepackt. Ein gelblicher, weil sich die Sonne durch die Schwaden kämpfen will.

Es ist gespenstisch still, obwohl die Dorfstraße von Freunden und Fans gesäumt ist. Dann bahnen sich zwei Scheinwerfer durch die verschneite Waschküche. Es sind die Lichter des Leichenwagens mit dem Sarg des Verstorbenen. Der schwarze Mercedes hält für einige Gedenkminuten vor dem kleinen Friedhof, wo Schells 2005 verstorbene Schwester Maria liegt, verschwindet im Nebel und fährt über die Rosen, die auf der Straße verstreut wurden, ins Tal nach Wolfsberg zum Krematorium. Als der Nebel den Wagen verschluckt, klatscht das ganze Dorf wie bei einem Schlussapplaus. „Jetzt geht es ins Unendliche“, flüstert leise Trauergast Elisabeth Wicki-Endriss. Im Frühling soll dann Maximilian Schells Asche unter seinem Lieblingsbaum, einem Ahorn vor seiner Alm, wo er auch Iva das Ja-Wort gab, begraben werden.

Zuvor wurde der Sarg aus dem Aussegnungshäusl gebracht und auf einer Mini-Lafette an den Mitgliedern der Feuerwehr vorbei, wo Max Ehrenkommandant war, durchs Dorf zur Kirche gefahren. Den Trauerzug führt die junge Witwe Iva Mihanovic an, die Schell vor einem halben Jahr in Preitenegg geheiratet hat. Er vergötterte die über vier Jahrzehnte jüngere zweite Ehefrau. Die Trauer verschönt Ivas Botticelli-Gesicht. Sie trägt keinen Schleier und hakt sich bei Bernhard Wickis Witwe Elisabeth unter. Tränen fließen. Live zu singen, die Kraft hat die Sängerin nicht. Das „Ave Maria“ läuft über Band.

Die Technik benützt auch Nastassja, Schells Tochter, bei ihrer Ansprache. Sie ist mit Kind Lea und Mama Natalja Andreitschenko, Schells erster Ehefrau, erschienen. Sohn Dimitri spricht frei und findet würdige Worte.

Prominente Gesichter sieht man kaum unter den Trauergästen. Hollywood hat immerhin Lawrence David Foldes von der „Academy of Motion Pictures und Sciences“ geschickt, das Institut, das den „Oscar“ verleiht. Foldes erzählt, dass er noch vor drei Wochen mit Schell an einem neuen Projekt „Preschool for the next Dimension“ gearbeitet habe. „Er wollte den Film unbedingt machen“, sagt der Mann aus Übersee.

Ein großes Opfer brachten, für die Trauerfeier in die Berge zu kommen, Bruder Carl Schell und Filmproduzent Karl Spiehs, beide im Rollstuhl. Die herzlich-bäuerliche Trauerfeier lassen sich auch Österreichs Regional-Politiker nicht entgehen. Landeshauptmann Peter Kaiser fährt herauf und bezeichnet Multi-Genie Schell als „Wanderer zwischen den Künsten“. Bürgermeister Franz Kogler scheint Max besonders ins Herz geschlossen zu haben, nicht nur, weil er die „Schellquelle“ spendiert hat, die lebensnotwendige Wasserversorgung des Ortes. „Maximilian Schell ist ein Mensch, der uns und die Umgebung von Preitenegg wirklich gern gehabt hat“, sagt das Dorf-Oberhaupt.

Zweieinhalb Stunden dauert die ergreifende Trauerfeier, untermalt vom Gesang des Kirchenchors, dann wird’s lustig beim Leichenschmaus im Dorfgasthof „Hanslwirt“. Da sitzen Andrea, Maria Schells Schwiegertochter, Serien-Star Christian Wolff mit Frau Marina, Moderatorin Barbara Karlich, Intendant Franz Baumbauer mit Frau Gundi Ellert und Schauspielerin Waltraut Haas bei Flädlesuppe, Schnitzel und Kaiserschmarrn, wie es Maximilian so gern hatte.

Die kühnsten Anekdoten schwirren durch den Raum. Viel gerätselt wird über das Erbe – man spricht davon, dass Iva alles bekommt – aber noch mehr über den plötzlichen Tod des Schauspielers. Schell, der zu Dreharbeiten für das ZDF in Kitzbühel war, kollabiert in einem Hotel und wird wegen einer Lungenentzündung mit Antibiotika behandelt. Ein Eiterherd an der Wirbelsäule sollte längst beseitigt werden, man entscheidet sich für die Operation in einer Innsbrucker Spezialklinik, in der einst auch der große Filmproduzent Luggi Waldleitner lag. Eine Sepsis wird unterschätzt und ein plötzlicher Herzinfarkt im Krankenhaus führt dazu, dass der Weltstar aus der Narkose nicht mehr aufwacht.

 

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