Trainer Pesic knöpft sich sein Team vor "Wir sind nicht der FC Bayern"

Nach der ersten Ligapleite wirft Trainer Svetislav Pesic seinen Basketballern unter anderem Arroganz vor. „Sie denken, sie sind Stars. Aber Stars müssen erst mal was gewinnen!“

 

München - Die Hände in die Hüften gestemmt, der Blick ins Leere. So steht Bryce Taylor nach dem Spiel gegen die Artland Dragons fassungslos auf dem Parkett, bevor er geknickt in die Kabine geht. Als könne er nicht wahrhaben, was eben geschehen ist: Die Bayern haben nach sechs Liga-Siegen gegen die Artland Dragons diesmal mit 86:91 verloren, es ist die erste Heim-Pleite überhaupt in dieser BBL-Saison.

Der enttäuschende Auftritt seines Teams ist Anlass genug für Trainer Svetislav Pesic, um mit seinen Spielern abzurechnen. „Sie denken: Wir sind Bayern München, also werden wir gewinnen. Aber wir sind nicht der FC Bayern, noch nicht!“

Dem Serben missfällt vor allem deren Selbstverständnis: „Die Spieler leben in irgendeiner Art Vakuum. Sie denken, sie sind Stars. Aber Stars müssen erst einmal was gewinnen.“

Noch keinen Titel, aber schon Allüren: Haben die Bayern ein Star-Problem?

„Einige Spieler glauben, dass sie unbesiegbar sind. Immer kommt der Vergleich mit dem Fußball. Wir sind aber nur die Basketball-Mannschaft des FC Bayern.“ Und die hat im Gegensatz zum kickenden Triple-Sieger noch nicht so viele Pokale geholt: „Wir müssen erst beweisen, dass wir Titel gewinnen können.“

Im Duell mit dem Tabellen-Fünften aus Quakenbrück dachten die Bayern-Stars wohl auch, dass ihre Leistung locker zum Sieg reichen würde. Nach schleppendem Beginn hatten sie das Spiel im Griff, führten vor dem letzten Viertel 71:63. Man hatte den Eindruck, dass die Bayern ihren Gegner vorführen wollten. Getreu dem Motto: Verlieren? Nein, ausgeschlossen! Wir doch nicht...

Das Ende ist bekannt. Bayern wurde schließlich von den Dragons überrannt, kassierte einen 15:28-Denkzettel und die erste Heim-Pleite der aktuellen Saison.

„Sind wir die beste Mannschaft der Liga? Natürlich nicht! Denn die sieht man erst am Ende der Saison. Es ist besser, dass wir verloren haben, den Sieg haben wir nicht verdient“, meinte später auch Bryce Taylor, mit elf Punkten noch einer der besseren Bayern-Spieler. Und er gestand: „Es war ein Mentalitäts-Problem. Wir haben immer mit rund zehn Punkten geführt und uns darauf ausgeruht, statt den notwendigen Einsatz zu zeigen.“

Jetzt ist sogar die Tabellenführung in Gefahr: Die Bayern sind mit 20 Siegen und drei Niederlagen zwar noch Spitzenreiter, die Brose Baskets aus Bamberg haben aber drei Spiele weniger absolviert und können gleichziehen.

Immerhin bietet sich schon bald die Gelegenheit, die Pleite vergessen zu machen: Am Freitag (20.15 Uhr) kommt Euroleague-Gegner Zalgiris Kaunas in den Audi Dome. Pesic versichert: „Wir werden gegen Zalgiris besser aussehen. Das muss für die Spieler die nächste Herausforderung sein.“ Damit sie ein bisschen mehr Bayern München werden. Und wieviel Bayern-Gen tatsächlich in ihnen steckt, wird sich am Ende der Saison zeigen – wenn Titel vergeben werden.

Matthias Eicher

 

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