Tragl am Laternenmast Flasche leer – Pfandkisten helfen Flaschensammlern

So schaut sie aus, die Pfandkiste. Hier hängt sie an einem Laternenmast. Foto: dpa

Für die einen sind es nur ein paar Cent, für die anderen aber die nächste Mahlzeit: Flaschenpfand. Um es den Pfandsammlern leichter zu machen, hängen einige Menschen Kisten auf, in die jeder Flaschen stellen kann. Eine gute Idee? Das findet nicht jeder.

 

München – Ein Mann späht in einen Mülleimer, langt hinein und zieht eine Pfandflasche heraus. Häufig sind vor allem in größeren Städten Menschen zu sehen, die im Müll suchen müssen, um das Geld für ein Mittagessen zusammenkratzen zu können. Um ihnen zu helfen, riefen zwei Berliner im Internet dazu auf, die Flaschen neben die Eimer zu stellen, um es den Flaschensammlern leichter zu machen. Damit die Flaschen am Boden nicht umgetreten werden, kam eine weitere Idee dazu: die Pfandkiste.

Das ist eine normale Bierkiste, in deren Mitte ein Loch gesägt wird, so dass sie um einen Laternenpfahl passt. Jeder kann sie sich basteln und mit Kabelbindern aufhängen. Jeder kann eine Pfandflasche hineinstellen. Und jeder kann sie sich herausnehmen, ohne im Müll wühlen zu müssen. Eine gute Idee, um Bedürftigen zu helfen? Nicht alle Städte reagieren erfreut.

Die Stadt München duldet Pfandkisten. Der Verein „Viva con Agua“ hat im Sommer viele Kisten aufgehängt, neben der Bavaria auf der Theresienwiese zum Beispiel, am Hauptbahnhof und an der Isar. Dort wohnt ein Mann, der sich Horstl nennt. Jetzt im Winter ist er froh, dass der Münchner Kältebus ihn unterstützt, im Sommer aber, wenn viele Menschen an der Isar sitzen, läuft das Flaschensammeln gut. „Ich sag' den Leuten immer, sie sollen die Flaschen auf einen Haufen stellen und nicht einfach herumliegen lassen“, erzählt Horstl.

Dann gibt es keine Scherben, an denen er sich schneiden könnte. Aber mehr Pfandkisten, das würde er noch besser finden. Stattdessen sind die meisten schon wieder verschwunden, vermutlich wurden sie abgerissen. Denn in München kümmert sich niemand um die Kisten, weder diejenigen, die sie aufhängen, noch die Stadt.

Auch in Nürnberg müssen Pfandsammler lange suchen, um eine Pfandkiste zu finden – in der ganzen Stadt hängt nur eine einzige. Sie löste einige Aufregung aus: Die Stadt wollte sie abnehmen lassen, weil sich Blinde daran stoßen könnten oder weil sie als Mülleimer benutzt werden könnte. Damit stieß die Stadt allerdings auf Gegenwehr bei Christof Joschionek, der die Kiste vor seinem Imbiss aufgehängt hatte. „Wir haben uns strikt geweigert, sie abzumontieren“, sagt seine Mitarbeiterin Francesca Tramuta. Der Widerstand hat sich gelohnt: Weil Joschionek und sie aufpassen, dass niemand Müll in die Kiste schmeißt, darf sie hängen bleiben.

Inzwischen hat sich die Nachricht von Nürnbergs einziger Pfandkiste verbreitet. Sowohl Pfandgeber als auch -sammler nutzten sie rege, erzählt Tramuta: „Einer bringt morgens immer einen ganzen Rucksack voller Flaschen vorbei. Die sind in nicht mal einer Stunde weg.“ Auch viele Kunden fänden die Idee gut. Trotzdem hat bisher niemand weitere Kisten aufgehängt. „Wahrscheinlich ist der Aufwand zu groß, sie zu basteln und zu pflegen“, vermutet Tramuta.

Während sich die großen Städte mit der Idee noch schwertun, wandert sie nun in die kleineren. Zum Beispiel nach Landsberg am Lech. Dort haben sich einige Clubbetreiber zusammengetan und in der ganzen Stadt Kisten aufgehängt. „Wir müssen sowieso immer Leute durch die Gegend schicken, um herumliegende Flaschen einzusammeln“, sagt der Initiator der Aktion, Bastian Georgi. Denn vor den Clubs ließen viele Partygänger ihr „Wegbier“ stehen. Die Flaschen kommen allerdings nicht direkt den Sammlern zugute. Die Betreiber sammeln sie und spenden das Pfand der Tafel.

Zunächst sollten die Kisten nur eine Woche hängen – Georgi wünscht sich aber, dass sie länger bleiben dürfen. Die Stadt prüft nun die Aktion. „Auf jeden Fall muss jemand die Kisten beaufsichtigen und leeren“, sagt Ernst Müller vom Ordnungsamt. „Wenn Abfall drin liegt, tolerieren wir das nicht.“

In Ingolstadt hingegen ist es die Stadt selbst, die das Modell ausprobiert. Seit Anfang des Jahres hängt an einem Mülleimer ein Pfandring, eine metallene Halterung mit Löchern. In die passen sowohl Bierflaschen als auch Dosen. Der Antrag, den Pfandring zu testen, kam von den Grünen. „Der Pfandring ist bruchsicher und verwüstungssicher - im Gegensatz zu den Pfandkisten“, sagt Claudia Ricknagel von den Kommunalbetrieben. Die Stadt wartet nun ab, wie der Ring ankommt. Ob er bleiben darf, darüber will sie im Sommer entscheiden.

 

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